13.12.2015

Kurienreform mit konkreten Projekten und vielen offenen Fragen Bald zwei neue Großbehörden

Die Kurienreform gilt als Lackmus-Test für den Kurs von Papst Franziskus. Von ihr erhofften viele sich mehr Transparenz und eine bessere Koordination an der Kirchenspitze. Jetzt nimmt sie Schritt für Schritt Konturen an.

Bei seiner 12. Konferenzrunde brachte der zuständige Kardinalsrat (K9-Rat) jetzt seine Planungen zu einer Großbehörde für "Laien, Familie und Leben" zum Abschluss. Der Papst muss nun endgültig entscheiden, das neue Dikasterium formell errichten - und schwierige Personalentscheidungen treffen. Denn die Zusammenlegung von Laienrat und Familienrat samt der Angliederung der Akademie für das Leben soll nicht nur Synergien bringen, sondern auch den Vatikan-Apparat verschlanken. Und das bedeutet Personalabbau, vor allem an der Spitze.

Bislang ist noch unklar, welchen Rang die neue Behörde erhält. Wenn sie Kongregation würde und damit zu einem "großen Ministerium" aufstiege, dürften nach den geltenden Normen der Leitungsebene und den Mitgliedern nur Kleriker gehören. Vielleicht aber entsteht hier eine neue Rechtsform.

Geplante Sozialbehörde noch in der Diskussion

Während die Gründung der Laien-Familie-Leben-Behörde nur noch eine Frage der Zeit ist, dürfte eine andere Großstruktur noch etwas auf sich warten lassen. Der K9-Rat diskutierte auch über die geplante Sozialbehörde, für die Vatikansprecher Lombardi nun den Namen "Gerechtigkeit, Frieden und Migration" benutzte. In sie sollen die bisherigen Räte für Gerechtigkeit und Frieden, "Cor unum", der Migrantenrat und der für Krankenpastoral eingehen. Damit stellt sich die Personalfrage hier noch drängender. Allerdings sind mit Blick auf die geplante Zusammenlegung in letzter Zeit etliche Leitungsposten vakant geworden und nicht wieder besetzt worden.

Ansonsten ist ein Ende der Beratungen über die Kurienreform noch nicht abzusehen. Und die Ankündigung der nächsten Sitzungstermine deutet darauf hin, dass das Reformwerk auch 2016 noch nicht fertig wird. Der K9-Rat arbeitet sich Stück um Stück voran, wobei eine Systematik nicht immer erkennbar ist. Zudem kommen immer wieder neue Aufgabenstellungen hinzu.

Transparenz in Finanzangelegenheiten

Besonders wichtig scheint dem Papst das Prinzip der Synodalität sowie die Notwendigkeit einer "gesunden Dezentralisierung". Darüber sprach er unlängst zum 50. Jahrestag der Gründung der Bischofssynode - und er forderte dazu auf, die Gedanken zu vertiefen. Der K9-Rat, zu dem auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx gehört, hat es auf die Tagesordnung seiner nächsten Sitzung gesetzt - zumal sie von höchster Bedeutung für eine Reform der Kirchenzentrale sind.

Ansonsten gehören Wirtschafts- und Finanzfragen zu den regelmäßigen Themen des Kardinalsrates und der Kurienreform. Vor eineinhalb Jahren errichtete Franziskus ein Wirtschaftssekretariat unter Leitung des australischen Kardinals George Pell und einen ihm vorgeordneten Wirtschaftsrat, den Marx koordiniert. Ihre Aufgabe ist es, Transparenz und Systematik in die ökonomischen Belange der verschiedenen, eigenständig operierenden Behörden des Heiligen Stuhls wie des Vatikanstaats zu bringen.

Task-Force bündelt mehrere Einrichtungen

Marx berichtete bei der Konferenz über die Hinzuziehung der externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die die laufenden Wirtschafts- und Finanzreformen im Vatikan begleiten soll. Pell unterrichtete über die Gründung einer Task-Force bei seinem Wirtschaftssekretariat, in der die ökonomisch wichtigsten Einrichtungen des Vatikan vertreten sind: Staatssekretariat, Governatorat des Vatikanstaates, die Missionskongregation, der in Rom viele Immobilien gehören, die päpstliche Güterverwaltung APSA, das neue Mediensekretariat, in dem so kostenintensive Bereiche wie Radio Vatikan und die Zeitung "Osservatore Romano" vertreten sind, und die Vatikanbank IOR.

Zu den Behörden, mit denen sich der K9-Rat bislang noch weniger befasst hat, gehören die für Ökumene und den interreligiösen Dialog. Beide dürften bestehen bleiben und ihre Eigenständigkeit behalten. Für Beachtung sorgte, dass die Ostkirchenkongregation diesmal Konferenz-Thema war. Und dass dabei «ihre Rolle auch im Bereich der ökumenischen Beziehungen» zur Sprache kam, wie Lombardi betonte. Denn für manche Ökumene-Partner sind die katholischen Ostkirchen eher ein Stolperstein als ein Bindeglied. Aber vielleicht baut K9 hier an einer Brücke.

Johannes Schidelko
(KNA, dr)

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