Kommt die Emahnung zu spät?
Franziskus mit Bischöfen und Kardinälen
Kardinal Marx (z.v.l.) bei Synoden-Pressekonferenz
Erzbischöfe Marx u. Koch und Bischof Bode

26.10.2015

Gemischte Reaktionen nach Abschluss der Familiensynode Der Ball liegt bei Franziskus

Wer hat gewonnen, wer verloren bei der Familiensynode? Oder gibt es weder Sieger noch Besiegte, wie die deutschen Bischöfe vorab gebetsmühlenartig betont hatten? Die Reaktionen auf die Bischofssynode fallen sehr unterschiedlich aus.

Nach dem Abschluss der Weltbischofssynode über Ehe und Familie im Vatikan gibt es in Deutschland viele positive Reaktionen, aber auch kritische Stimmen aus Kirche und Politik. Insgesamt hoffen viele, dass es Papst Franziskus gelingt, aus dem sehr offen gehaltenen Abschlussdokument konkrete Reformen abzuleiten.

"Der Text öffnet Türen für den Umgang mit Familien in schwierigen Verhältnissen", betonte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Marx, Berlins Erzbischof Heiner Koch und Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode werten das Dokument als Impuls für die deutschen Bischöfe, sich verstärkt um Familienseelsorge, Ehevorbereitung und die Begleitung von Paaren insgesamt zu kümmern. Er freue sich sehr, so Bischof Bode, "dass wir einen neuen Blick auf die Familie bekommen haben, der nicht mehr nur von den Gefahren und den negativen Seiten betrachtet wird". Die Synodalen hätten stattdessen versucht, "die Werte, die die Menschen leben wollen und das Positive, was sie einbringen, auch in den unterschiedlichen Weisen auf die Ehe hin und auch in Situationen, wo sie gescheitert sind, besser in einer großen Differenziertheit wahrzunehmen".

Kardinal Woelki: Freimütig und offen diskutiert

Zugleich räumen die Erzbischöfe Marx und Koch und Bischof Bode ein, dass die Synode in einigen Punkten ihre Erwartungen nicht voll erfüllt habe. "Im Rückblick hätten wir uns manches Mal mehr Mut gewünscht, sich intensiver mit den Realitäten zu befassen und sie als Zeichen der Zeit anzuerkennen." Außerdem bitten sie um Vergebung für Verfehlungen der katholischen Kirche im Umgang mit ledigen Müttern, außerehelich geborenen Kindern, nichtehelichen Lebensgemeinschaften, Homosexuellen, Geschiedenen und Wiederverheirateten. Bode bedauert es ausdrücklich, dass dieses Schuldbekenntnis nicht aufgenommen wurde in das Schlussdokument.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wertete es als Erfolg, dass "freimütig und offen diskutiert wurde - und Papst Franziskus diesen offenen Dialog gefordert und gefördert hat". Trotz möglicher Enttäuschungen einiger, die sich vielleicht deutlichere Signale gewünscht hätten, sei die katholische Kirche mit der Synode auf einem "guten Weg".

Die Kirche müsse "sehen, was wirklich los ist, nicht nur das, was wir sehen möchten", sagte Freiburgs Erzbischof Stephan Burger. Er könne "auch eine gewisse Ungeduld verstehen", etwa beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Allerdings habe die Synode gezeigt, "wie vielfältig und wie unterschiedlich die Erwartungen an die Kirche beim Thema Ehe und Familie sind".

ZdK: Synode wird Kirche verändern

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, bewertete die Synode als Ereignis, das weit über die Thematik Ehe und Familie hinaus die katholische Kirche verändern wird. Das Abschlussdokument sei eine Chance für den Papst und für die Ortskirchen. Gerade in seiner Offenheit gebe es Franziskus die Möglichkeit, sein Reformprojekt voranzubringen. Ausdrücklich betonte Glück, dass das Dokument einen Weg aufzeige, der wiederverheirateten Geschiedenen die volle Teilhabe an den Sakramenten der Kirche ermöglichen könne.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) bedauerte, dass bei der Synode die Sicht junger Menschen kaum vorgekommen sei. Denn "bei den ohnehin wenigen Laien waren noch weniger junge Menschen vertreten und keine Paare, die das katholische Ehe-Ideal nicht erfüllen", sagte der BDKJ-Vorsitzende Wolfgang Ehrenlechner. Auch die Themen, bei denen die jungen Menschen die Lehre der Kirche weithin ablehnen, seien kaum vorgekommen oder ungelöst geblieben, etwa Beziehungen vor der Ehe, Verhütung oder homosexuelle Beziehungen.

Die Initiative "Wir sind Kirche" bemängelte, dass viele Bischöfe "immer noch nicht den Mut gehabt" hätten, Papst Franziskus konkrete pastorale Weiterentwicklungen vorzulegen, etwa für wiederverheiratete Geschiedene oder für Homosexuelle.

Volker Beck, der religionspolitische Sprecher der Grünen, nannte das Ergebnis "trotz hoffnungsvoller Ansätze eine Enttäuschung". Denn homosexuellen Gläubigen und wiederverheirateten Geschiedenen gebe die Synode "Steine statt Brot". Sie habe die Kirche nicht neu zusammengeführt und werde in diesen Streitfragen keinen neuen Frieden spenden: "Der Ball liegt jetzt beim Papst."

(KNA, dr)

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