Messe zur Eröffnung der Familiensynode im Vatikan
Messe zur Eröffnung der Familiensynode im Vatikan
Der ghanaische Erzbischof Gabriel Charles Palmer-Buckle
Der ghanaische Erzbischof Gabriel Charles Palmer-Buckle

09.10.2015

Synode befasst sich mit Reizthemen und Verschwörungstheorien Versöhnliche Töne aus Afrika

Bei der Familiensynode 2014 traten die afrikanischen Bischöfe als Hardliner auf. Diesmal sind verbindlichere Töne vom Schwarzen Kontinent zu hören.

Die seit Montag im Vatikan tagende Bischofssynode steht in Kontinuität zum Weltkirchentreffen vom Herbst 2014. Die damaligen Ergebnisse bilden die Grundlage für die Beratungen der 270 Synodalen, die derzeit in 13 kleinen Sprachgruppen fortgeführt und intensiviert werden. Trotzdem wirken Zusammensetzung und Ausrichtung dieser Synode etwas anders als die des Vorgängertreffens. Das lassen insbesondere erste Wortmeldungen der afrikanischen Bischöfe vermuten.

Gegen Diskriminierung von Homosexuellen

Entschieden wandte sich der ghanaische Erzbischof Gabriel Charles Palmer-Buckle gegen den nicht nur in italienischen Medien verbreiteten Eindruck, die afrikanischen Synodenvertreter würden Reformen zum Thema Familie blockieren. Sie wollten vielmehr die Erfahrungen und Schätze ihrer Länder, einschließlich ihrer Probleme und Herausforderungen, einbringen und teilen, betonte er. Auffallend war, dass das erste Plädoyer in der Synodenaula gegen eine Diskriminierung von Homosexuellen von einem afrikanischen Bischof kam. Bei der Synode 2014 hatten gerade hier die Kirchenführer des Schwarzen Kontinents die Position der Kirche besonders entschieden vertreten und angemahnt.

Ausdrücklich trat Palmer-Buckle dem Vorwurf entgegen, die afrikanischen Bischöfe setzten sich nicht genügend gegen die Diskriminierung von Homosexuellen ein. In ihren Dokumenten hätten sie die Achtung der Menschenrechte und der Würde Homosexueller gefordert und bekräftigt, dass auch "Menschen, die anders sind als wir, Töchter und Söhne Gottes sind, und wir sie aufzunehmen haben". Zugleich warb Palmer-Buckle um Verständnis dafür, dass es immer noch Diskriminierung gebe. "Wir tun, was wir können». Aber es sei unmöglich, kulturelle Prägungen, die seit Jahrtausenden bestünden, «über Nacht" zu ändern.

Weniger afrikanische Bischöfe dabei

Freilich ist die afrikanische Kirche bei dieser Synode anders vertreten als im vergangenen Oktober. Von den damaligen Synodalen - es nahmen alle Vorsitzenden der Bischofskonferenzen teil - sind diesmal gerade einmal zehn mit dabei, knapp 40 sind neu. Zudem ist ihr Anteil innerhalb der Synode niedriger, weil die größeren Ortskirchen bis zu vier Mitglieder entsenden können; für Afrika ist nur Nigeria mit drei Bischöfen vertreten. Palmer-Buckle trat bei einer Pressekonferenz am Donnerstag darüber hinaus Behauptungen entgegen, die Synode sei von westlichen Problemen und Positionen dominiert. «Die Afrikaner bringen sich gut ein», so der Erzbischof von Accra. Die Synode zeige keine europäische sondern eine universale Kirche.

Noch ein zweites Thema beschäftigt die Synodalen in ihrer ersten Arbeitsphase: Die Migration, insbesondere die dramatische Flucht der Christen aus dem Inferno Syriens und des Iraks, wie der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III. Younan vor Journalisten betonte. Seine Gläubigen fühlten sich vom Westen "vergessen und verraten", und er hoffe auf ein starkes Signal der Synode.

Verschwörungstheorie

Dann sickerten am vierten Arbeitstag der Synode aber auch noch Details zur synodalen "Verschwörungstheorie" durch. Papst Franziskus hatte in seiner überraschenden Wortmeldung am Dienstag vor einer "konspirativen Hermeneutik" gewarnt - ohne dass der Hintersinn nach außen klar wurde.

Jetzt meldete das Internetportal "Vatican insider", 13 Synodale, darunter der einflussreiche australische Kurienkardinal George Pell, hätten dem Synodensekretariat vorgeworfen, durch Manipulationen einen Reformkurs begünstigen zu wollen. Sie behaupteten, die Leiter und die Berichterstatter der 13 Sprachzirkel seien eigenmächtig vom Synodensekretär Kardinal Lorenz Baldisseri ernannt worden. Dies war jedoch nicht der Fall: Wie bei früheren Synoden auch wurden sie von den Teilnehmern der Sprachgruppen bei ihrer konstituierenden Sitzung gewählt.

Falsch war ebenfalls der Vorwurf, das für das Abschlussdokument verantwortliche Redaktionsteam sei anders als in früheren Jahren nicht von der Synode gewählt, sondern vom Sekretariat bestimmt worden. Richtig ist, dass diese Gruppe auch 2014 nicht gewählt, sondern nominiert wurde. Hintergrund dieser Fehlannahme war offenbar eine Verwechselung des Redaktionsteams mit der Kommission für die "Botschaft der Synode" - letztere wurde in diesem Jahr gestrichen.

Johannes Schidelko
(KNA)

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