Papst Franziskus mit grüner Pflanze
Papst Franziskus mit grüner Pflanze

17.06.2015

Die Päpste und der Umweltschutz "Schrei nach frischer Luft"

Zum ersten Mal in 2000 Jahren Kirchengeschichte steht der Umweltschutz bei Franziskus im Zentrum einer Enzyklika. Doch auch vorher haben die Päpste das Thema nicht verschwiegen.

Franziskus ist der erste Papst, der den Umweltschutz in den Mittelpunkt einer ganzen Enzyklika stellt. Aber er ist keineswegs der erste Papst, der sich zu ökologischen Fragen äußert. Seit Paul VI. (1963-1978) haben sich die Nachfolger Petri und der Vatikan zu diesem immer drängenderen Thema zu Wort gemeldet. Benedikt XVI. tat dies zuletzt so oft, dass ihm italienische Medien sogar den Beinamen "grüner Papst" gaben.

Den Anfang machte Papst Paul VI. (1963-1978) mit seiner Enzyklika «Populorum Progressio» im Jahr 1967 - drei Jahre vor der ersten UN-Konferenz zum Klimaschutz. Ihr Kernthese lautet: "Entwicklung" ist mehr als nur Wirtschaftswachstum. Sie muss auch daran gemessen werden, wie sozial, gerecht und nachhaltig es zugeht. Der Umweltschutz wird hier zwar noch nicht ausdrücklich erwähnt. Das Schreiben bildet nach den Worten des Münchner Sozialethikers Markus Vogt jedoch, "den allgemeinen Rahmen für die römische Lehre zum Thema Umweltschutz".

Verbindung von Natur- und Lebensschutz

1970 entsandte der Vatikan eine eigene Delegation zur ersten UN-Umweltkonferenz nach Stockholm. 1971 warnte Paul VI. davor, dass der Mensch Gefahr laufe, "infolge seiner unbedachten Ausbeutung der Natur selbst zum Opfer der 'zurückschlagenden Schändung'" zu werden.

Sein Nachfolger Johannes Paul II. (1978-2005) warnte gleich in seiner ersten Enzyklika "Redemptor hominis" 1979 vor einer fortschreitenden Umweltverschmutzung und prangerte Energieverschwendung an. Der frühere Karol Wojtyla wusste aus eigenen Erfahrungen im sozialistischen Polen nur zu gut, wovon er sprach: Die Schlote der Lenin-Hütte färbten die Wäsche in seiner früheren Bischofsstadt Krakau regelmäßig schwarz.

In seiner Sozialenzyklika "Centesimus annus" führte er 1991 schließlich den Begriff der "Human-Ökologie" ein und verband so den Naturschutz mit dem Lebensschutz. Noch schwerer als die Zerstörung der natürlichen Umwelt wiege die Zerstörung der menschlichen Umwelt, schrieb er. Die Zerstörung der Umwelt wurde so ebenso wie Abtreibung als Ausdruck einer "Kultur des Todes" gedeutet. Johannes Paul II. forderte einen «tiefgreifenden Wandel im Lebensstil der modernen Konsumgesellschaft, besonders in den reichen Ländern. Er verwies bereits ausdrücklich auch auf den Klimawandel und seine Folgen.

Benedikt XVI. führte Mülltrennung ein

Der Klimaschutz wurde ebenfalls in einem »Kompendium der kirchlichen Soziallehre« angesprochen, das der Päpstliche Rat Jusitita et Pax 2004 veröffentlichte. "Das Klima ist ein Gut, das geschützt werden muss", hieß es darin. Außerdem wurde das Recht der einheimischen Völker auf ihre natürlichen Ressourcen hervorgehoben. Erstmals nahm der Vatikan in dem Kompendium auch zu grüner Gentechnik Stellung, die er grundsätzlich begrüßte.

Benedikt XVI. (2005-2013), der Papst der die Mülltrennung im Vatikan einführte, äußerte sich besonders oft zum Umweltschutz. In seiner dritten und letzten Enzyklika "Caritas in veritate" aus dem Jahr 2009 widmete er dem Thema mehrere Abschnitte. Besonders konkret wurde er darin zum Umgang mit Energie. "Das Aufkaufen der nichterneuerbaren Energiequellen durch einige Staaten, einflussreiche Gruppen und Unternehmen" stelle ein "schwerwiegendes Hindernis für die Entwicklung der armen Länder" dar.

Begriff der Human-Ökologie

Den Klimawandel erwähnte Benedikt XVI. in der Enzyklika allerdings nicht. Insgesamt forderte auch er einen Lebensstil, der von Solidarität zwischen den Generationen geprägt ist, aber auch die nachfolgenden Generationen im Blick hat. Benedikt XVI. übernahm hierbei den Begriff der Human-Ökologie von Johannes Paul II., stellte ihn aber in einen größeren theologischen Zusammenhang.

Vor allem in seiner Rede im Deutschen Bundestag im September 2011 hob er hervor, dass Umweltschutz Lebensschutz im umfassenden Sinne ist. Furore machte zudem seine Einlassung zu den Grünen: Das Auftreten der ökologischen Bewegung in der Deutschen Politik seit den 1970er Jahren habe "zwar wohl nicht Fenster aufgerissen", sei "aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen", den man auch heute nicht überhören dürfe.

 

Thomas Jansen
(KNA)

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