Kardinalsrat mit Papst Franziskus (Archiv)
Kardinalsrat mit Papst Franziskus

10.06.2015

Neue Gerichtsstelle gegen Vertuschung von Missbrauchsfällen durch Priester Keine Immunität für Bischöfe

Papst Franziskus will konsequenter gegen Bischöfe vorgehen, die sexuellen Missbrauch durch Priester vertuschen oder die Aufklärung verzögern. Bei der Glaubenskongregation soll eine neue Gerichtssektion für solche Fälle errichtet werden.

Vatikanfinanzen, die Struktur der Medien sowie Rechtsnormen für Bischöfe, die in Missbrauchsskandale verstrickt sind, standen im Mittelpunkt der zehnten Konferenzrunde des sogenannten Kardinalsrates für die Kurienreform ("K9-Rat").

Die neun Kardinäle, darunter der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, berieten über die Präambel der neuen Kurienkonstitution, die auf Wunsch von Papst Franziskus die Vatikanstrukturen von 1983 reformieren soll. Der Entwurf müsse weiter bearbeitet werden, betonte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch vor Journalisten.

Für den bereits vor einem Jahr neugeordneten Finanzbereich seien drei neue Arbeitsgruppen beim Wirtschaftsrat eingerichtet worden, so Lombardi: eine für die Analyse von Eingängen und Investitionen, eine zweite für den Einsatz menschlicher Ressourcen und die dritte zur Überprüfung der bestehenden EDV-Strukturen.

Weiter empfahl der K9-Rat bei seiner Konferenzrunde, an der über weite Strecken auch der Papst teilnahm, eine Zusammenlegung der vatikanischen Medienbereiche binnen vier Jahren. In den nächsten Monaten sollte eine neue Behörde errichtet werden, in die unter Wahrung des Personalstands die verschiedenen Institutionen schrittweise eingeführt werden sollten. Dazu gehören der Päpstliche Medienrat, das Presseamt, Radio Vatikan, die Zeitung "Osservatore Romano", deren Fotodienst, die Verlagsbuchhandlung, die Druckerei und das Internetbüro. Dadurch sollten Synergien genutzt und unnötige Doppelarbeit vermieden werden.

Justizstelle für Missbrauchvergehen durch Bischöfe

Schließlich billigte der K9-Rat mehrere Empfehlungen der Päpstlichen Kinderschutzkommission für das Vorgehen gegen Bischöfe, die sexuellen Missbrauch durch Priester vertuschen. Für Anzeigen sollen demnach im Vatikan die für Bischöfe zuständigen Behörden zuständig sein: die Bischofs- oder die Missionskongregation oder die Ostkirchenkongregation. Für die rechtliche Beurteilung und die Prozessführung gegen Bischöfe soll eine neue Sektion in der Glaubenskongregation gegründet werden.

Der Papst solle einen Sekretär ernennen, der den Präfekten der Kongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, in diesem Bereich unterstützen soll. Bislang gab es für solche Fälle kein ordentliches Verfahren.

Am Montagnachmittag hatte der Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley die Empfehlungen der Päpstlichen Kinderschutzkommission vorgetragen. Der Kardinalsrat habe seine Empfehlungen einmütig gebilligt und dem Papst vorgelegt; dieser habe sie angenommen und die Bereitstellung entsprechender Ressourcen für ihre Umsetzung angeordnet, erläuterte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch.

(KNA)

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