Adolfo Perez Esquivel
Adolfo Perez Esquivel

12.05.2015

Bürgerrechtler: Papst will bei Aufarbeitung der Diktatur helfen Argentiniens Geschichte

Papst Franziskus will offenbar vatikanische Akten zur juristischen Aufarbeitung der Militärdiktatur in Argentinien zur Verfügung stellen. Außerdem hat der Vatikan einem Seligsprechungsverfahren für Bischof Angelelli zugestimmt.

Papst Franziskus will nach Aussage von Friedensnobelpreisträger Adolfo Maria Perez Esquivel (83) vatikanische Akten zur juristischen Aufarbeitung der Militärdiktatur in Argentinien zur Verfügung stellen. Der Papst habe ihm gesagt, dass der Vatikan und die Argentinische Bischofskonferenz für Prozesse Dokumente liefern könnten, falls dies erforderlich und gewünscht sei, berichtete Esquivel im Interview der italienischen Tageszeitung "Avvenire" (Dienstag). Perez Esquivel war am Montag im Vatikan mit Franziskus zusammengetroffen.

Angelelli wurde zur Zeit der Militärdiktatur getötet

Am gleichen Tag wurde bekannt, dass der Vatikan einem Seligsprechungsverfahren für Bischof Enrique Angelelli (1923-1976) zugestimmt hat, dem prominentesten Opfer der Militärdiktatur aus den Reihen der katholischen Kirche.

Während der Militärdiktatur (1976-1983) verschwanden in Argentinien Schätzungen zufolge bis zu 30.000 Menschen. Sie wurden getötet und zumeist vorher gefoltert. Bis heute ist das Schicksal vieler Opfer ungeklärt.

Laut einem Bericht des "Avvenire" gab der Vatikan auch seine Zustimmung zum Seligsprechungsprozess für Bischof Enrique Angelelli. Der formelle Antrag des Bischofs der argentinischen Diözese La Rioja, Marcelo Colombo, sei Ende April vom Vatikan als erfolgversprechend eingestuft worden, so der Bericht.

Noch unklar, wer Akten einsehen darf

Der Papst hat Bürgerrechtlern und Opfern der argentinischen Militärdiktatur wiederholt seine Unterstützung bei der Aufarbeitung der bislang kaum aufgeklärten Verbrechen während dieser Zeit zugesagt. Der Vatikan bestätigte jüngst, dass Franziskus die Aktenbestände über die argentinische Militärdiktatur in den vatikanischen Archiven sobald wie möglich freigeben wolle. Unklar ist jedoch, ob alle Akten zugänglich gemacht werden sollen. Ebenso offen ist bislang, wer die Bestände einsehen darf.

Angelelli gehörte einer Gruppe von argentinischen Bischöfen an, die Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur anprangerten. Er wurde im August 1976 bei der Rückkehr von einer Messe für zwei ermordete Priester von der Straße abgedrängt; das Auto überschlug sich, der Bischof starb noch an der Unfallstelle.

Im Juli 2014 wurden 38 Jahre nach der Tat zwei Ex-Militärs zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der frühere General Luciano Benjamin Menendez (87) und der frühere Vizeadmiral Luis Fernando Estrella (82) für den Tod des Bischofs verantwortlich waren.

Perez Esquivel gehört zu den prominentesten Bürgerrechtlern Argentiniens. Nach dem Militärputsch von 1976 gründete er die Menschenrechtsorganisation "Dienst für Frieden und Gerechtigkeit". Er selbst wurde 1977 vom Regime 14 Monate inhaftiert und gefoltert. 1980 erhielt der Bildhauer, Maler und Architekt für seinen gewaltfreien Einsatz für die Menschenrechte den Friedensnobelpreis.

(KNA)

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