Papst mit Kardinälen
Papst mit Kardinälen

13.02.2015

Der Papst internationalisiert das Kardinalskollegium Von den Rändern der Welt

Die katholische Kirche soll in die "Randgebiete" hinausgehen und keine Nabelschau betreiben. So will es Papst Franziskus. Mit der Ernennung von 20 neuen Kardinälen holt er diese Peripherien ins Herz der katholischen Kirche.

Leiter prestigeträchtiger Bistümer und vatikanische Würdenträger gehen bei Franziskus weitgehend leer aus. Stattdessen beruft der Papst den Bischof von Tonga in sein höchstes Beratergremium, einem Inselkönigreich im Pazifik mit gerade mal 14.000 Katholiken, das unter den Folgen des Klimawandels leidet. Auch die Kapverdischen Inseln stellen nun erstmals einen Kardinal. Das südostasiatische Myanmar, wo die christliche Minderheit - von der Weltöffentlichkeit beinahe vergessen - nach wie vor Gewalt ausgesetzt ist, stellte ebenfalls nie zuvor einen päpstlichen Senator. Hinzu kommen etwa der Bischof der mexikanischen Hochburg der Drogenkartelle oder jener sizilianische Erzbischof, der die Mittelmeerinsel Lampedusa betreut.

Franziskus treibt damit die Internationalisierung des Kardinalskollegiums weiter voran. Erstmals kommen nun deutlich weniger als die Hälfte aller Kardinäle aus Europa. Zudem machte der Papst nach seinen Reisen nach Südkorea und auf die Philippinen einmal mehr deutlich, dass Asien einen geografischen Schwerpunkt seines Pontifikats bildet: Drei neubenannte Kardinäle stammen von diesem Kontinent und zwei aus Ozeanien, hingegen "nur" drei wahlberechtigte aus Lateinamerika, seinem Heimatkontinent, wo beinahe die Hälfte aller Katholiken weltweit leben, sowie sechs wahlberechtigte aus Europa.

Seelsorgerisches Engagement im Fokus

Für den Vatikan beschränkt sich der Papst auf das absolute Minimum: Nur Erzbischof Dominique Mamberti, der seit November den obersten Gerichtshof der katholischen Kirche leitet, erhält den Kardinalshut. Der Präfekt der Apostolischen Signatur ist nach dem Papst der oberste Richter in der katholischen Kirche und daher traditioneller Träger des Kardinalshutes. Andere traditionelle Anwärter, etwa der "Archivar und Bibliothekar der Heiligen Römischen Kirche", gingen leer aus.

Auch in Italien ging Franziskus nicht nach klangvollen Namen. Der "Papst der Barmherzigkeit" würdigte besonderes seelsorgerisches Engagement: Er bedachte nicht die traditionellen Anwärter aus Turin oder Venedig, sondern zwei Bischöfe aus der sogenannten zweiten Reihe: Francesco Montenegro von Agrigent auf Sizilien und Edoardo Menichelli von Ancona. Montenegro steht dort in der ersten Reihe, wo es um Flüchtlinge geht. Zu seinem Erzbistum auf Sizilien gehört auch die Mittelmeerinsel Lampedusa, die Franziskus im Juli 2013 besuchte.

Designierter Kardinal aus Deutschland

Überraschend ist auch die Aufnahme eines weiteren Deutschen ins Kardinalskollegium: Unter den fünf Kardinälen, die der Papst aufgrund ihrer besonderen Verdienste um die Kirche ernennt, ist auch Karl-Josef Rauber (80), der viele Jahre als Diplomat des Heiligen Stuhls wirkte. Der gebürtige Nürnberger war unter anderem Leiter der päpstlichen Diplomatenschule in Rom sowie Vatikanbotschafter in Uganda, Belgien und Luxemburg sowie in der Schweiz. Interessant ist die Personalie Rauber auch deshalb, weil der Deutsche es mit der römischen Kurie nicht immer einfach hatte. Seine Art der Vermittlung im Konflikt im Schweizer Bistum Chur stieß in den 90er Jahren im Vatikan nicht nur auf Gegenliebe. Auch bei einem weiteren der fünf Über-80-Jährigen liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine nachgeholte Würdigung handeln könnte: Luigi De Magistris leitete rund zwei Jahre die Apostolische Pönitentiarie, ohne den Kardinalshut erhalten zu haben.

Kardinalsernennungen sind immer auch kirchenpolitische Richtungsentscheidungen. Die neuen Kardinäle von den Rändern der Welt werden bald Mitglieder in Vatikan-Ministerien. Dort kommen sie regelmäßig zu Versammlungen und regieren die Weltkirche mit. Bereits bei seinem ersten Besuch einer römischen Stadtrandpfarrei hatte der Papst 2013 die Erklärung für die Ernennungen am Samstag geliefert: Von der Peripherie her erkenne man Probleme bisweilen deutlicher als vom Zentrum aus.

(KNA)

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