Kardinal Karl Josef Becker
Kardinal Karl Josef Becker

10.02.2015

Zum Tod von Kardinal Karl Josef Becker Der stille Vatikanberater

Der aus Köln stammende Kardinal Karl Josef Becker ist tot. Die Totenmesse für den am Dienstag im Alter von 86 Jahren Verstorbenen findet am Montag im Petersdom statt.

Kardinaldekan Angelo Sodano werde die Exequien am Kathedra-Altar der Vatikanbasilika gemeinsam mit den anwesenden Kardinälen und Bischöfen feiern, teilte das vatikanische Büro für liturgische Feiern am Mittwoch mit. Zum Abschluss werde Papst Franziskus die Totengebete für den Verstorbenen sprechen.

Papst Franziskus würdigt Kardinal Becker

Papst Franziskus würdigte Kardinal Karl Josef Becker. Er sei dankbar "für den intensiven und beispielhaften Dienst", den Becker viele Jahre für die katholische Lehre und in der Priesterausbildung geleistet habe, heißt es in einem Beileidstelegramm an Jesuitengeneral Adolfo Nicolas. Zudem würdigte Franziskus die Leistungen Beckers in der theologischen Forschung sowie im Dienst für den Heiligen Stuhl.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, mit Becker verliere die katholische Kirche einen "geschätzten Theologen und Berater der römischen Kurie". Bis ins hohe Alter hinein habe sich der Verstorbene um theologische Fragen verdient gemacht.

Öffentlich trat Kardinal Becker kaum auf

Karl Josef Becker war unter den bislang zehn deutschen Kardinälen der stille Unbekannte. In der Öffentlichkeit trat der aus Köln stammende hochgewachsene Jesuit, der am Dienstag nach kurzer Krankheit in einem römischen Krankenhaus starb, kaum auf.

Interviews gab der Geistliche, der jahrzehntelang zu den wichtigsten Beratern des Vatikan gehörte, grundsätzlich nicht. Eine Ausnahme machte er nur für die Kirchenzeitung seines Heimaterzbistums.

Von Benedikt XVI. hoch geschätzt

Auch ohne klangvolles Amt zählte der Theologe viele Jahre zu jenen grauen Eminenzen im Vatikan, die über Einfluss verfügten. Benedikt XVI. schätzte seine fachliche Kompetenz und seine Treue zur traditionellen kirchlichen Lehre. Als Präfekt der Glaubenskongregation hatte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger Becker Anfang der 80er Jahre kennen- und schätzen gelernt. Ratzinger hielt 2003 die Festrede zum 75. Geburtstag Beckers, was als besondere Ehre galt. Er würdigte ihn als einen "wahren Meister" der Theologie.

So wurde Becker vom Vatikan wiederholt mit wichtigen Aufgaben betraut: Im Herbst 2009 berief ihn Benedikt XVI. in die fünfköpfige vatikanische Gruppe für die schwierigen Gespräche mit der von Rom abtrünnigen Piusbruderschaft.

Großer Schritt in der Ökumene

Zuvor hatte Becker schon eine bedeutende ökumenische Mission erfüllt: Der Jesuit gehörte im Jahr 1997 der evangelisch-katholischen Arbeitsgruppe an, die nach einer langwierigen Debatte und zahlreichen Änderungswünschen die endgültige Fassung für die "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" erstellte. Dieses vom Lutherischen Weltbund und dem Vatikan im Jahr 1999 in Augsburg unterzeichnete Dokument stellt einen Meilenstein im ökumenischen Gespräch dar. Becker hatte seine Doktorarbeit über die Rechtfertigungslehre des spanischen Dominikaners Domingo de Soto, einem Teilnehmer des Konzils von Trient (1545-1563), verfasst.

Gerechnet hatte gleichwohl kaum jemand damit, dass Becker im Februar 2012 die Kardinalswürde erhielt. Er war ein Überraschungskandidat.

Der Papst ehrte den damals 83 Jahre alten Becker für dessen Verdienste für die Kirche, zur Papstwahl berechtigt war er aufgrund seines Alters jedoch nicht mehr.

Unterschiede zu nichtchristlichen Religionen

Zuletzt hat der deutsche Jesuit im Jahr 2010 ein Buch über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen herausgegeben. Becker tritt darin einer allzu euphorischen Haltung entgegen, die einseitig die Gemeinsamkeiten der Religionen hervorhebt. Bei allem guten Willen und aller Aufgeschlossenheit dürfen nach seiner Überzeugung die grundlegenden Unterschiede etwa zwischen dem Christentum und dem Islam nicht einfach kleingeredet oder beiseitegeschoben werden.

Deutlicher als viele andere Theologen hob der Jesuit zudem hervor, dass das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) in Kontinuität zur kirchlichen Tradition stehe. Auch wenn es um das Verhältnis zu den anderen christlichen Bekenntnissen ging, zog er das offene Wort ökumenischer Kuschel-Rhetorik vor.

Sein akademischer Werdegang führte den am 18. April 1928 in Köln geborenen Becker von den Hochschulen seines Ordens in München und Frankfurt schließlich an die renommierteste päpstliche Universität in Rom, die ebenfalls von Jesuiten geführte "Gregoriana". Nach seinem Eintritt in die Gesellschaft Jesu im Jahr 1948 und seinem Noviziat studierte er von 1950 bis 1953 Philosophie an der Ordenshochschule der Jesuiten in Pullach (heute: Hochschule für Philosophie in München) und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Von 1963 bis zu seinem Wechsel nach Rom im Jahr 1969 lehrte er in Frankfurt Dogmatik. An der Gregoriana unterrichtete er dieses Fach 34 Jahre lang, bis zu seiner Emeritierung 2003.

"Sentire cum Ecclesia" (Mit der Kirche fühlen). So lautet der programmatische Titel der Festschrift, die ihm seine Schüler im Jahr 2003 zu seinem Abschied als Hochschullehrer widmeten. Die vielen spanischsprachigen Beiträge belegen sein internationales Renommee vor allem in Spanien und Lateinamerika. Im Dezember 2013 wurde Becker als einer von wenigen Kardinälen ohne Leitungsamt von Papst Franziskus zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen.

Thomas Jansen
(KNA)

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