Franziskus und Obama
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Scharfschützen im Einsatz
Scharfschützen im Einsatz
Besuch aus den USA
Besuch aus den USA
Besuch bei Präsident Obama in den USA
Besuch bei Präsident Obama in den USA

27.03.2014

Papst gibt Obama Sozialschreiben mit auf den Weg Lektüre für schwere Momente im Oval Office

Ganze 52 Minuten dauerte die erste Audienz von US-Präsident Barack Obama beim Papst. Franziskus schenkte seinem Gast sein Schreiben Evangelii Gaudium, darin prangert er die ungleiche Verteilung des Reichtums auf der Welt an.

Die von den US-Bischöfen kritisierte Gesundheitsreform Barack Obamas stand offenbar im Mittelpunkt des Treffens zwischen dem US-Präsidenten und Papst Franziskus im Vatikan. Die katholischen Bischöfe der USA lehnen Teile vom Obamas Gesundheitsreform ab. Diese sieht unter anderem vor, dass Krankenversicherungen, die von Arbeitgebern für ihre Mitarbeiter abgeschlossen werden, auch für Methoden der Familienplanung wie Verhütungsmittel und Sterilisation aufkommen müssen. Die Bischöfe wehren sich gegen eine Anwendung dieser Regelung auf katholische Einrichtungen. Auch bei den Themen Abtreibung und Stammzellforschung bestehen große Differenzen zwischen der katholischen Kirche und der US-Regierung.

Bei der Begegnung in freundschaftlicher Atmosphäre hätten beide Seiten im Hinblick auf internationale Konflikte die Achtung des Völkerrechts und des humanitären Rechts gefordert, teilte der Vatikan in einer offiziellen Erklärung mit. Obama und seine Gesprächspartner im Vatikan, darunter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolen, hätten sich darüber hinaus für Verhandlungslösungen in aktuellen Konflikten ausgesprochen.

Im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in den USA sei es um die Religionsfreiheit und Gewissensentscheidungen gegangen, hieß es im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den Behörden und katholischen Gesundheitseinrichtungen, die nach geltendem Recht in den USA verpflichtet sind, Abtreibungen vorzunehmen. Thema der Gespräche war den Angaben zufolge überdies die Reform des Einwanderungsrechts in den USA und der Kampf gegen moderne Formen von Sklaverei.

"Es ist eine große Ehre. Ich bin ein großer Bewunderer von Ihnen", sagte Obama während der Begrüßung. Im Anschluss an das Gespräch unter vier Augen in der päpstlichen Privatbibliothek überreichte Obama dem Papst eine Schatulle aus Holz von der ältesten US-amerikanischen Kathedrale in Baltimore mit Samen für die päpstlichen Gärten in Castel Gandolfo. Die Samen stammen aus den Gärten des Weißen Hauses. Daraus könnten mehrere Tonnen Obst und Gemüse produziert werden, erläuterte er. "Wenn Sie ins Weiße Haus kommen, können Sie den Garten sehen", sagte der US-Präsident zu dem Geschenk. "Und ob!", gab der Papst zurück.

Einmal "Evangelii gaudium" für den US-Präsidenten

Franziskus revanchierte sich mit einer Ausgabe von "Evangelii gaudium", seinem ersten Lehrschreiben, in dem er unter anderem Kritik an der globalen Wirtschaftsordnung äußert. "Ich werde es vielleicht im Oval Office lesen, wenn ich tief frustriert bin. Ich bin sicher, es wird mich stärken und mich beruhigen", sagte Obama. "Das hoffe ich", antwortete der Papst. Obama bat Franziskus um sein Gebet für ihn und seine Familie. Unter Anspielung auf die förmliche Umgebung äußerte Obama die Einschätzung: "Sie sind vermutlich der Einzige, der noch mehr Protokoll ertragen muss als ich."

Anschließend sprach Obama eine weitere halbe Stunde mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Begleitet wurde Obama bei seinem Besuch im Vatikan von US-Außenminister John Kerry und der nationalen Sicherheitsberaterin Susan Rice.

Obama war am Mittwochabend zu seinem 36-stündigen Besuch in Rom auf dem Flughafen Fiumicino eingetroffen. Von dort begab er sich in einem Konvoi von 26 Wagen und acht Motorrädern zum Sitz des US-amerikanischen Botschafters in Rom, die Villa Taverna. Entlang der Route warteten Tausende, um den Präsidenten zu begrüßen.

Nach der Papstaudienz standen für Obama Begegnungen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und Ministerpräsident Matteo Renzi auf dem Programm. Am Nachmittag wollte er das Kolosseum besuchen. Das römische Amphitheater blieb aus diesem Anlass einen Tag lang für Besucher geschlossen.

(epd, KNA, dpa, DR)

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