Wolfgang Beinert
Wolfgang Beinert

Wolfgang Beinert war einst Assistent von Joseph Ratzinger und übernahm später wie dieser einen Dogmatik-Lehrstuhl an der Regensburger Universität. Der mittlerweile emeritierte Professor hielt auch zu Benedikt XVI. engen Kontakt.

10.07.2013

Dogmatiker: Einigung mit Piusbrüdern wäre theologischer Selbstmord In die Marginalität

Ein endgültiger Bruch zwischen Vatikan und der Piusbruderschaft wird unter Franziskus immer wahrscheinlicher. Im domradio.de-Interview spricht der emeritierte Dogmatiker Wolfgang  Beinert über schmollende Sondergruppen und theologischen Selbstmord.

domradio.de: Der Vatikan will den Dialog mit der Piusbruderschaft beenden, das meldet zumindest das Nachrichtenmagazin „Focus". Die Piusbrüder weigern sich ja seit Jahren, eine entsprechende Erklärung vom Vatikan zu unterschreiben.  War es das jetzt für die Piusbrüder oder glauben Sie noch an eine Einigung?

Prof. em. Wolfgang Beinert: Ich habe noch nie daran geglaubt. Das, was die Piusbrüder vertreten und was die Lehre des Konzils ist, zu der sich die Päpste ausnahmslos bekennen, ist diametral entgegengesetzt. Da gibt es nur Einigung, indem einer nachgibt. Und das würde für beide Seiten den theologischen Selbstmord bedeuten. Den kann der Papst nicht begehen und den kann auch die Piusbruderschaft nicht begehen, sonst gäbe sie sich selber auf.

domradio.de: Der Regensburger Bischof Voderholzer meint, dass die Piusbrüder die beste Gelegenheit für eine Rückkehr zur Kirche verpasst hätten. Schätzen Sie das genauso ein?

Beinert: Die haben sie schon lange verpasst, denn sie haben ja nie eine wirkliche Kompromissbereitschaft, ein wirkliches Eingehen auf die Anliegen des Konzils gezeigt. Sie haben immer gesehen, dass das das Böse ist und der Abfall und das Verderben. Damit kann man sich nicht zu Verhandlungen aufmachen.

domradio.de: Papst Benedikt ist der Priestervereinigung sehr entgegen gekommen und hat Anfang 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen zurückgenommen, dafür hat der mittlerweile emeritierte Papst viel Kritik bekommen. Ein Holocaust-Leugner war unter den Bischöfen. Hat sich Benedikt zu sehr um die Pius-Brüder gekümmert?

Beinert: Man muss wohl damit ansetzen, dass es die Grundaufgabe eines jeden Papstes ist, die Einheit in der Kirche zu bewahren. Benedikt wollte auf jeden Fall verhindern, dass auch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Trennung kommt, wie sie bis jetzt nach fast jedem Konzil gewesen ist. Bei dem ersten Vatikanischen Konzil waren das zum Beispiel die sogenannten Altkatholiken. Auf Grund seiner Amtsauffassung musste er eine Einigung suchen. Wie weit er da gehen konnte und gegangen ist und wie man das beurteilt, das ist natürlich eine Sache, die vom Standpunkt des jeweiligen Betrachters abhängt. Auf jeden Fall, das hat er ja in dem Brief von März 2009 gezeigt, wollte er alles tun, um ein Schisma oder eine Häresie zu vermeiden.

domradio.de: Die Piusbrüder geben vor, das wahre Erbe der Katholischen Kirche zu bewahren. Wenn es zum endgültigen Bruch mit Rom kommen sollte, wird das die Gruppe schwächen oder sogar stärken?

Beinert: Es wird sie letzten Endes schwächen, was nicht heißt, dass sie sich übermorgen auflöst, solche Gruppen haben oft ein zähes Leben. Es ist noch nie eine Sondergruppe wirklich untergegangen in der Kirchengeschichte, aber sie spielen dann eine völlig marginale Rolle und sind nicht mehr in der Lage irgendwie das Geschehen zu beeinflussen und damit dann kirchlich effizient zu werden, also einen Dienst an und in der Kirche zu vollziehen. Bloß zu schmollen und bloß zu sagen, die anderen sind alle böse, das führt nicht weiter und das ist auch nicht christlich, ganz abgesehen davon.

domradio.de: Seit knapp einem Jahr ist der ehemalige Regensburger Bischof Müller Präfekt der Glaubenskongregation – er ist ein erwiesener Gegner der Piusbrüder. Seit vier Monaten haben wir einen neuen Papst – auch er scheint wenig für die ultrakonservative Gruppe übrig zu haben. Ist eine Einigung in einigen Jahren dennoch denkbar?

Beinert: Unter den jetzigen Konstellationen kann ich das nicht sehen, aber die Konstellationen können sich ändern, sicher nicht auf Seiten von Rom, das kann sich da nicht ändern, denn das müsste letzten Endes das Zweite Vatikanische Konzil annullieren und das geht nicht. Ob sich die Piusbrüder ändern, das wird von ihnen abhängen. In der jetzigen Konstellation sicher nicht, aber andere Konstellationen wären denkbar, da müsste man aber Prophet werden.

Das Interview führte Tobias Fricke

(DR)

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