Die Vatikanbank
Die Vatikanbank

02.07.2013

Vatikan macht Ernst mit Reform seiner Finanzinstitute Erdbeben an der Spitze der IOR

Der Direktor der Vatikanbank IOR und sein Vize-Direktor sind zurückgetreten. Das Signal: Der von Benedikt XVI. eingeschlagene und von Franziskus forcierte Reformkurs lässt sich nicht mit der bisherigen operativen Bankleitung durchführen.

Die Ermittlung der italienischen Justiz gegen den Vatikanprälaten Nunzio Scarano und dessen Verhaftung haben das Fass offensichtlich zum Überlaufen gebracht. Am gleichen Tag, an dem der langjährige Rechnungsprüfer der Güterverwaltung APSA vom Haftrichter wegen des Verdachts auf Korruption vernommen wurde, gab die Vatikanbank IOR den Rücktritt ihres Direktors und Vizedirektors bekannt. Ein Erdbeben in der Vatikanbank, über deren Konten Scarano offenbar fragwürdige Geldgeschäfte abwickeln konnte - ohne dass ihn jemand daran hinderte.

Entlassen wurden laut der Mitteilung vom Montagabend IOR-Direktor Paolo Cipriani und seine Vize Massimo Tulli. Vorübergehend werde Aufsichtsrats-Präsident Ernst von Freyberg die Leitung übernehmen. Unterstützt werde er von Rolando Marranci als Vize-Direktor und von Antonio Montaresi in der neugeschaffenen Position des "Risikomanagers". Beide seien Banker mit internationalen Erfahrungen. Das Signal: Der von Papst Benedikt XVI. eingeschlagene und von Franziskus forcierte Reformkurs lässt sich nicht mit der bisherigen operativen Bankleitung durchführen. Stattdessen will der Vatikan mit professionellen Kräften von außen seine Finanzangelegenheiten in Ordnung bringen.

"Null-Toleranz"-Politik

Mit dem Rücktritt Ciprianis sind die Umbesetzungen an der IOR-Spitze zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Nachdem der Aufsichtsrat im Mai 2012 seinem Vorsitzenden Ettore Gotti Tedeschi das Vertrauen entzogen hatte, war der Deutsche von Freyberg nach mehrmonatigem internationalen Auswahlverfahren in den letzten Amtstagen von Benedikt XVI. berufen worden. Er kündigte an, mit einer Politik der Transparenz und der Kommunikation die angeschlagene Reputation des Instituts wiederherstellen zu wollen: mit einer "Null-Toleranz"-Politik gegenüber Kunden wie Angestellten, die irgendwie in Geldwäsche verwickelt sein sollten.

Die zweite Umbesetzung an der IOR-Spitze erfolgte vor drei Wochen. Das seit 2011 vakante Amt eines geistlichen Mittelsmannes zwischen dem Aufsichtsrat und dem Kardinalsrat der Bank wurde wieder neu besetzt, und zwar mit dem Vatikan-Diplomaten Battista Mario Salvatore Ricca, einem Vertrauten von Papst Franziskus. Als dritten Schritt hin auf eine Reform des IOR verfügte Franziskus in den vergangenen Wochen die Errichtung einer neuen Kontrollkommission unter Leitung von Kardinal Raffaele Farina, der auch die US-Juristin und Harvard-Professorin Mary Ann Glendon angehört. Sie soll überprüfen, wie die Arbeit des IOR mit dem geistlichen Auftrag der Kirche in Einklang steht.

Fest entschlossen, den Sumpf trockenzulegen

Offenbar sind Cipriani und Tulli ihrer Aufsichtspflicht nicht ausreichend nachgekommen. Denn anscheinend ist es dem jetzt im römischen Regina-Coeli-Gefängnis einsitzenden Prälaten Scarano gelungen, über seine beiden Konten beim IOR Gelder zu waschen, ohne dass er gestoppt wurde. Die italienische Justiz wirft ihm vor, an einer geplanten Überführung von 20 Millionen Euro Bargeld in einem Privatjet aus der Schweiz am Fiskus vorbei nach Italien beteiligt gewesen zu sein. Er solle dafür einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter 400.000 Euro gezahlt haben. Das Geld soll einer Scarano befreundeten Reederfamilie aus der gemeinsamen süditalienischen Heimat Salerno gehören. Ihr Mandant habe Freunden einen Gefallen tun wollen, erklärten seine Anwälte.

Die italienischen Ermittlungen gegen Scarano liefen spätestens seit Ende Mai, offenbar kam man dem Geistlichen auch durch abgehörte Telefonate auf die Spur. Seither war er suspendiert. Unklar ist noch, ob der Fall Scarano zu den sechs "verdächtigen Vorgängen" gehörte, die Ende Mai im Jahresbericht der vatikanischen Finanzaufsicht AIF genannt wurden. Ob Scarano nun der Hauptverantwortliche ist, der die vatikanischen Finanzinstitutionen in Verruf brachte, oder ob es noch andere schwarze Schafe gibt, ist unklar. Der Vatikan scheint fest entschlossen, den Sumpf trockenzulegen.

Johannes Schidelko
(KNA)

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