Der Petersdom in Rom
Der Petersdom in Rom

02.06.2013

Der Tod Johannes' XXIII. und die Medien Als der Petersplatz zum "Vorraum des Krankenzimmers" wurde

Der "gute Papst" war tot. "Sein" Konzil konnte er nicht mehr vollenden. Vor allem aber: Er war nicht mehr da. Johannes XXIII. starb am Pfingstmontag vor 50 Jahren, am 3. Juni 1963, um 19.49 Uhr. Die Medien waren schon längst alarmiert.

Am 23. Mai hatte der Vatikan eine neuntägige «Auszeit» des kränklich wirkenden Papstes angekündigt. Sonderberichterstatter wurden nach Rom entsandt, und eine bis zum Tod nicht mehr abebbende Welle von Gesundheitsbulletins beruhigte oder beunruhigte in den folgenden Tagen die Öffentlichkeit - je nach Wasserstand. Der Korrespondent von "Le Monde" litt gar unter der Monotonie der vatikanischen Verlautbarungen.

Einmal zeigte sich der fast kultisch verehrte Papst der Herzen noch an seinem Fenster; eine Ansprache ließ seine tödliche Erkrankung jedoch nicht mehr zu. Der "Daily Telegraph" berichtete am 25. Mai auf seiner Titelseite, das Kirchenoberhaupt habe seit November 18 Kilo Gewicht verloren. Die FAZ wusste am 29. Mai, das Blut des Pontifex sei in der vergangenen Woche "zu drei Vierteln erneuert" worden.

Schon kurz vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), mit dem Johannes XXIII. eine "Verheutigung" der kirchlichen Botschaft anstrebte, stellten sein Ärzte Magenkrebs im fortschreitenden Stadium fest; eine Operation wurde als sinnlos erachtet. Der damals fast 81-jährige Papst war todgeweiht.

Sorge für das eigene Ableben getragen

Ohnehin wusste der frühere Patriarch von Venedig, der im November 1958 mit fast 77 Jahren zum Papst gewählt worden war, dass ihm nicht viel Zeit für sein Projekt bleiben würde; ein klassisches "Pontifikat des Übergangs" erwarteten die meisten. Doch der willensstarke, ja sture Bauernsohn Johannes XXIII. forcierte seine Pläne mit allen ihm verbleibenden Kräften.

Von Haus aus uneitel, waren Johannes XIII. die Würde seines Amtes und die Mittel der modernen Medien durchaus bewusst. Nicht nur, dass er seine Privatgemächer für TV-Kameras öffnete und seine auswärtigen Reisen und Besuche, etwa im Kinderkrankenhaus oder im Gefängnis, medial untrüglich zu inszenieren verstand. Auch für das eigene Ableben und das seiner Nachfolger trug er Sorge.

Der mediale Wettlauf um den Papsttod hatte 1958 beim vergeistigten Pacelli-Papst Pius XII. zu derartigen Auswüchsen und Falschmeldungen geführt, dass sich der Nachfolger zum Handeln genötigt sah. Nach dem Skandal um geheime Leichenfotos, die der päpstliche Leibarzt Riccardo Galeazzi-Lisi an mehrere Zeitungen verkauft hatte, verfügte Johannes XXIII. per Dekret, ein toter Papst dürfe künftig nur noch in Pontifikalgewändern fotografiert werden. Auch Filmaufnahmen aus den Gemächern wurden während Krankheit und Siechtum untersagt.

Das hinderte die Medien freilich nicht, genau über den Besucherverkehr am Sterbebett des Papstes Buch zu führen. Der Londoner "Guardian" veröffentlichte auf dem Titelblatt (3. Juni) allein für den 1. Juni eine Liste von 41 Personen.

Ursprung wiederkehrender Berichterstattung

Die Korrespondentenberichte über das Sterben und den Augenblick des Todes enthalten viele Topoi, die so oder ähnlich seitdem immer wiederkehren. Der Papst sei just in dem Moment verschieden, als bei der Messe auf dem Petersplatz die Entlassungsworte "Ite, missa est" gesprochen worden seien, berichtete der Pariser "Figaro" unter Berufung auf die päpstlichen Leibärzte. Und der "Telegraph"interpretierte selbst das Wetter auf den Todeskampf des Papstes hin: tief hängende Wolken, Donner und Regenschauer. Auch die Dutzenden Reportagen über "die Stimmung unter den wartenden Menschen auf dem Petersplatz" sind seit 1963 allfälliger Bestandteil des klassischen medialen Pakets.

Letztmals wurde nach dem Tod Johannes XXIII. im Petersdom ein Katafalk vor dem Petrusaltar errichtet: ein meterhohes, von der Tiara gekröntes Holzgerüst, das während der täglichen Totenmessen den bereits beigesetzten Papst symbolisierte. Der "gute Papst" war nicht mehr da.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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