16.04.2013

Acht erfahrene Kirchenführer beraten den Papst McKardinal und Co

Nicht die Unternehmensberater von McKinsey sollen es richten - Papst Franziskus hat acht Kardinäle berufen, Reformvorschläge für die Kurie auszuarbeiten. Gefragt sind Männer mit Leitungserfahrung und Fingerspitzengefühl.

Der Koordinator der Kommission ist mit Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga (70) ein Lateinamerikaner und einer der profiliertesten Kardinäle der Weltkirche. Der Kardinal aus Honduras, seit 2007 Präsident von Caritas Internationalis, hat den Ruf eines fähigen Organisators und sozial äußerst engagierten Kirchenmannes, der vieles an der römischen Kurie kritisch betrachtet. Gegenüber kirchlichen Reformanliegen gilt er als aufgeschlossen. Zugleich wird dem Salesianer großes diplomatisches Geschick im Umgang mit Andersdenkenden nachgesagt.

Der zweite Südamerikaner der Gruppe ist Kardinal Francisco Javier Errazuriz Ossa (79). Der emeritierte Erzbischof von Santiago de Chile war von 2003 bis 2007 Vorsitzender der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen CELAM (2003-2007) und hat daher einen guten Überblick über die Region, in der heute fast ein Drittel aller Katholiken lebt. Als Generaloberer der Schönstatt-Patres und Mitglied in der Leitung der Schönstatt-Bewegung verbrachte er viele Jahre in Deutschland.

Mit dem Erzbischof von Boston, Sean Patrick O'Malley (68), berief Franziskus einen weiteren Ordensmann in die Kommission. Der Kapuziner galt selbst als papabile und ist zudem Fachmann, wenn es um Prävention und Aufklärung von sexuellem Missbrauch geht. O'Malley war einer der päpstlichen Beauftragten zur Untersuchung des Missbrauchsskandals in Irland.

Asien wird durch den Erzbischof von Bombay, Kardinal Oswald Gracias (68), repräsentiert. Gracias ist Vorsitzender der Indischen Bischofskonferenz und Generalsekretär der Vereinigung der asiatischen Bischofskonferenzen. Als Inder stammt er aus einem Land, in dem Christen Opfer von Diskriminierung und Gewalt durch extremistische Hindus sind.

Der afrikanische Kontinent wird durch den Erzbischof der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, Laurent Monsengwo Pasinya (73), vertreten. Der politisch erfahrene Pasinya durfte der römischen Kurie schon 2012 als Leiter der Fasten-Exerzitien für Papst und Kurie ins Gewissen reden. Auch der Erzbischof von Sydney, George Pell (71), war bereits von Benedikt XVI. zu Beratungen nach der "Vatileaks"-Affäre herangezogen worden.

Und schließlich der einzige Nichtitaliener aus Europa: Kardinal Reinhard Marx (59). Der Münchener Erzbischof und Franziskus sind sich zwar vor dem Konklave noch nie persönlich begegnet. Marx dürfte sich aber aus mehreren Gründen empfohlen haben. Der Westfale ist als Vorsitzender der EU-Bischofskommission COMECE international vernetzt und hat sich etwa in der Bekämpfung und Aufklärung sexuellen Missbrauchs hervorgetan.

Der einzige vatikanische Vertreter ist Kardinal Giuseppe Bertello (70). Der Italiener leitet die vatikanische Staatsverwaltung; zur Kurie im engeren Sinne gehört er nicht. Bertello wird auch als möglicher Nachfolger für Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone gehandelt. Er kennt die Weltkirche mit all ihren Sorgen und Nöten: Als päpstlicher Botschafter in Benin begleitete er den Weg des westafrikanischen Landes von der Diktatur zur Demokratie, in Ruanda wurde er Zeuge des Völkermords und in Mexiko half er mit, das skandalöse Doppelleben des Ordensgründers der Legionäre Christi zu entlarven.

Die ersten Reformvorschläge liegen dem Sekretär der Kommission, dem Bischof von Albano, Marcello Semeraro (65), nach eigenen Angaben schon vor. Der Inhalt bleibt einstweilen ein Geheimnis. Kardinal Maradiaga kündigte lediglich an, dass auch die Vatikanbank IOR auf den Prüfstand kommen soll. Unterdessen stellte Kurienkardinal Walter Kasper eines schon jetzt klar: Die Kardinäle sollen wirklich nur Berater sein. Es handele sich nicht um eine kollegiale Kirchenleitung nach dem Vorbild der orthodoxen Kirchen. Das letzte Wort habe weiterhin der Papst.

Thomas Jansen
(KNA)

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