19.02.2013

Ein schwieriges Erbe für den künftigen Papst Was wird nun aus den Piusbrüdern?

Im Strudel der Ereignisse um den Papstrücktritt rückt plötzlich ein lange angekündigter Termin für eine wichtige kirchenpolitische Entscheidung in den Blick. Bis zum 22. Februar hatte der Vatikan der Piusbruderschaft eine Frist gesetzt.

Die Bruderschaft soll eine definitive Stellungnahme zu der Präambel der Glaubenskongregation abgeben, zur Wiederherstellung der Einheit mit der Kirche. Nun spricht vieles dafür, dass durch den angekündigten Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. der gesamte Vorgang faktisch ausgesetzt ist. In Rom ist zu hören, es sei unwahrscheinlich, dass Benedikt XVI. in den letzten Tagen seines Pontifikats eine so schwerwiegende Entscheidung trifft. Denn die könnte eine Einigung mit einem Teil der Traditionalisten und die Gründung einer Personalprälatur, oder aber eine endgültige Kirchenspaltung nach rechts besiegeln. Vieles spricht dafür, dass Benedikt XVI., der selbst die Aussöhnung mit den seit 1988 abgespaltenen Anhängern von Erzbischof Marcel Lefebvre vorantrieb, das Thema dem neuen Papst überlässt.

Anfang Januar war in Rom ein Schreiben von Erzbischof Joseph Augustine Di Noia, dem neuen Vize-Präsidenten der Kommission "Ecclesia Dei", bekanntgeworden, in dem er den Piusbrüdern ein Ultimatum setzte. In dem achtseitigen Text bat er die Leitung der Priesterbruderschaft St. Pius X. um eine Antwort auf das vom Vatikan vorgelegte Einigungsdokument. Dieses war am 14. September 2011 ihrem Oberen Bernard Fellay übergeben worden.

Nach einer Sitzung des Piusbrüder-Generalkapitels erläuterte Fellay im Juni 2012 im Gespräch mit dem damaligen Kongregations-Präfekten Kardinal William Levada seine Vorbehalte. Bei dem Gespräch überreichte der Kardinal seinem Gast auch ein persönliches Schreiben des Papstes.

Auch in diesem Brief wiederholte Benedikt XVI. seinen Appell an die Traditionalisten, das gesamte Lehramt der katholischen Kirche einschließlich des Zweiten Vatikanischen Konzils zu akzeptieren. Zudem müssten sie die Gültigkeit der neuen Form der katholischen Liturgie anerkennen. Im Fall einer Einigung könne die Priesterbruderschaft als Personalprälatur eine Zukunft in der katholischen Kirche finden, stellte er in Aussicht.

Im Herbst 2012 meldete sich der Vatikan erneut am Stammsitz der Piusbrüder in Econe, inzwischen leitete Erzbischof Gerhard Ludwig Müller die Glaubenskongregation. Er räumte den Traditionalisten nochmals Zeit zum Nachdenken ein. Schließlich gehe es um eine schwerwiegende Entscheidung in einer Lage, die sich über 25 Jahre entwickelt hatte.

Allerdings wollte Rom sich nicht ewig hinhalten lassen. Daher der letzte Brief von Di Noia. Die Frist bis zum 22. Februar war nicht im Dokument selbst erwähnt, scheint aber in einem Begleitschreiben enthalten zu sein.

Die Gunst der Stunde nutzen

Der Rücktritt von Benedikt XVI. hat nun eine neue Situation geschaffen. Da manche Traditionalisten auf einen Papst hoffen, der ihnen noch weiter entgegenkommt als Benedikt XVI., raten in diesem Lager manche zum Abwarten. Einige Stimmen in ultrakonservativen Internet-Foren meinen hingegen, der Generalobere Fellay sollte mit einem Überraschungs-Coup die Gunst der Stunde nutzen.

Er solle der Glaubenskongregation noch bis zum 22. Februar das geforderte umfassende Glaubensbekenntnis (mit einer weichen Anerkennungsformel für das letzte Konzil) schicken und dann später beim neuen Papst auf die Errichtung der versprochenen Personalprälatur pochen.

Angesichts der alten Tradition, in der Übergangsphase zwischen zwei Pontifikaten Grundsatzfragen nicht zu entscheiden, ist der Handlungsspielraum des amtierenden Papstes und der Glaubenskongregation begrenzt. Wohl kaum werden sie in den sechs Tagen zwischen dem 22. Februar und dem Sedisvakanzbeginn eine Personalprälatur für die Piusbrüder schaffen, noch werden sie eine Kirchenspaltung vollziehen. Die Piusbruderschaft dürfte durch die römischen Wirren also einige Monate weitere Bedenkzeit gewinnen. - Und dann muss man natürlich sehen, welchen Stellenwert der neue Papst der Wiederaussöhnung mit den Traditionalisten beimisst.

Johannes Schidelko
(KNA)