15.02.2013

Die Vatikanbank IOR und ihre Geschichte Finanzplatz im Vatikan

Die wichtigsten Stationen des "Instituts für die Werke der Religion" (IOR):

1942: Papst Pius XII. gründet am 27. Juni das "Institut für Werke der Religion" (IOR). Erklärtes Ziel ist die Sicherung und Verwaltung von Geldern kirchlicher Stiftungen. Es handelt sich nicht um eine "vatikanische Staatsbank" im eigentlichen Sinne, sondern um ein weltweit operierendes Werk mit Sitz im Vatikan. Es untersteht weder dem Heiligen Stuhl noch dem Vatikanstaat, sondern direkt dem Papst als Alleineigentümer. Das Institut hatte seit 1887 mehrere Rechtsvorgänger.

1971: Papst Paul VI. macht den litauischstämmigen US-Priester Paul Casimir Marcinkus zum Leiter des IOR. Unter seiner Ägide kommt das Institut wegen undurchsichtiger Finanzgeschäfte in die Schlagzeilen.

1975: Zusammenbruch des Bankenkonsortiums um den mutmaßlichen Mafia-Geldwäscher Michele Sindona (gestorben 1986 in italienischer Haft durch Vergiftung). Als Anteilseigner verliert das IOR rund 50 Millionen US-Dollar.

1981: Zusammenbruch des Mailänder Bankhauses Banco Ambrosiano. Dessen ehemaliger Leiter Roberto Calvi (62) wird am 18. Juni 1982 erhängt unter der Londoner Blackfriars Bridge gefunden. Der Vatikan, der bei der Bank Konten unterhält und durch Marcinkus «Bürgschaftsbriefe» für Calvi ausgestellt hat, gerät in einen Strudel von Spekulationen. Viele Fragen wurden bislang nicht geklärt.

Juli 1984: Nach dem Calvi-Marcinkus-Skandal verneint der Vatikan jegliche Mitschuld, zahlt aber als Anteilseigner an 1,6 Prozent des Aktienkapitals des Banco Ambrosiano den 88 Gläubigerbanken rund 240 Millionen US-Dollar Entschädigung.

1987: Italien stellt einen internationalen Haftbefehl gegen Marcinkus und zwei weitere IOR-Banker aus. Diese entziehen sich durch Aufenthalt im Vatikan dem Zugriff der Justiz des Nachbarlandes, bis der Haftbefehl nach diplomatischen Verhandlungen aufgehoben wird.

1989: Kurienerzbischof Marcinkus tritt nach 18 Dienstjahren als IOR-Präsident in den Ruhestand. 1991 zieht er als Seelsorger nach Sun City in Arizona, dort stirbt er 2006.

1. März 1990: Papst Johannes Paul II., in dessen Amtszeit das IOR für Überweisungen an die antikommunistische polnische Opposition genutzt wurde, reformiert das Institut. Es soll nun nach internationalen Regeln arbeiten und erstmals Rechenschaftsberichte vorlegen. Das neue Statut sieht eine Kontrolle durch fünf internationale Finanzexperten vor. Ein aus fünf Kardinälen bestehendes Gremium kontrolliert diesen Aufsichtsrat.

1995: Das Schweizer Treuhandbüro "Revisuisse" überprüft den Rechenschaftsbericht des IOR und findet keinen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten.

2009: Im Zuge der Weltfinanzkrise bekunden die Finanzminister der EU und der USA ihren Willen, alle Schlupflöcher für Steuerflüchtlinge und Geldwäscher zu schließen. Neben der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein gerät auch der Vatikan in den Ruf einer illegalen Finanzoase.

September 2009: Auf Vorschlag von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ernennt Benedikt XVI. den italienischen Bankier Ettore Gotti Tedeschi zum Leiter des IOR. Er kündigt eine weitere Reform des Instituts an.

17. Dezember 2009: Der Vatikan unterzeichnet ein Finanzabkommen mit der EU, in dem er sich auf die Einhaltung von EU-Standards verpflichtet.

Frühjahr 2010: Der Vatikan verhandelt - vorerst erfolglos - mit der OECD über eine Aufnahme in die «Weiße Liste» unverdächtiger Staaten.

September 2010: Die italienische Staatsanwaltschaft friert bei der italienischen Bank Credito Artigiano 23 Millionen Euro auf einem Konto ein, das vom IOR genutzt wurde, und ermittelt gegen Gotti Tedeschi. Grund sind mutmaßliche Verstöße gegen EU-Transparenzregeln. Der Vatikan weist den Vorwurf der Geldwäsche zurück, scheitert aber mit dem Antrag auf Freigabe der Gelder.

30. Dezember 2010: Benedikt XVI. ordnet die Regeln für Finanzgeschäfte im Vatikan durch päpstliches Dekret und passt sie den EU-Richtlinien an. Er richtet das Kontrollgremium AIF ein, das außer dem IOR auch die Vermögensangelegenheiten anderer Vatikan-Institutionen wie der vatikanischen Güterverwaltung APSA kontrollieren soll.

6. April 2011: Der Europarat nimmt den Vatikan auf dessen Anfrage in das Prüfverfahren «Moneyval» auf, das die Einhaltung von Normen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwacht. Der Vatikan erklärt am 26. November 2011, dass eine solche Evaluierung stattfindet.

9. Februar 2012: Italienische Medien erheben Vorwürfe, das IOR unterlaufe internationale Abkommen zur Kontrolle von Geldwäsche. Der Vatikan dementiert.

9. März 2012: Der Vatikan erscheint in einem Bericht des US-Außenministeriums auf einer Liste der Staaten, die wegen Verdachts auf Geldwäsche beobachtet werden. Der Vatikan wiegelt ab: Dies sei Teil der Bemühungen des Heiligen Stuhls um vollständige Transparenz.

15. Mai 2012: In einer Transparenzoffensive lädt der Vatikan 35 beim Heiligen Stuhl akkreditierte Botschafter ein, um die Arbeitsweise des IOR zu erläutern.

24. Mai 2012: Der IOR-Aufsichtsrat entzieht dem Vorsitzenden Ettore Gotti Tedeschi das Vertrauen. Grund sei Pflichtverletzung. Der Kardinalsrat entlässt ihn am 2. Juni.

5. Juni 2012: Die italienische Staatsanwaltschaft durchsucht eine Wohnung Gotti Tedeschis. Anlass ist ein Korruptionsskandal um das italienische Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen Finmeccanica. Einige gefundene Dokumente führen zu einer Befragung des Ex-Aufsichtsratschefs über Geldwäsche im IOR.

3. Juli 2012: Der Vatikan teilt mit, dass über einen neuen Aufsichtsratschef nicht vor Herbst entschieden wird.

15. Februar 2013: Ernst von Freyberg wird neuer Chef.

(KNA)

Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda

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