Taizé zu Gast in Rom: Papst mit Frère Alois
Taizé zu Gast in Rom: Papst mit Frère Alois

02.01.2013

Kölner Stadtjugendseelsorger blickt auf Taizé-Treffen in Straßburg Ort der Versöhnung Europas

In Rom ist das 35. Europäische Taizé-Treffen zu Ende gegangen. Im domradio.de-Interview zieht Kölns Stadtjugendseelsorger Dominik Meiering Bilanz und blickt auf die nächste Zusammenkunft im deutsch-französischen Grenzgebiet.

domradio.de: Wie war der Jahreswechsel ins Jahr 2013?

Meiering: Das war sehr schön. Wir haben in aller Stille, in der Kapelle miteinander gekniet und gebetet in das neue Jahr hinein, bis kurz nach zwölf. Wir haben ganz bewusst eine Stunde lang Gebet gehalten, um für den Frieden zu beten und das haben die 40.000 Teilnehmer an den unterschiedlichsten Orten in Rom getan. Anschließend gab es ein Fest der Nationen in den jeweiligen Pfarreien mit Spielen und Gesängen, wo wir dann miteinander gefeiert haben. Es gab auch etwas zu trinken und dann haben wir bis zwei Uhr gefeiert und sind wir alle hundemünde ins Bett gefallen.

domradio.de: Mehr als 40.000 Teilnehmer waren bei dem Taizé-Treffen in Rom dabei. Das sind 10.000 Menschen mehr  als in Berlin, im vergangenen Jahr. Ist das ein Erfolg?

Meiering: Ich nehme schon seit einigen Jahren an diesen Treffen teil und ich würde sagen, sie sind unabhängig von der Anzahl immer ein Erfolg: junge Menschen aus ganz Europa finden zusammen, um miteinander zu beten. Ich merke ja, wie bei den Menschen, die mit mir unterwegs sind, sich das Herz weitet für die Anderen und für die Frage nach Gott und eine Beziehung zu Christus Stückchen für Stückchen entsteht und immer mehr intensiviert. Natürlich ist Rom eine wunderbare Stadt und es war jetzt möglich für einen relativ geringen Preis in eine der schönsten Stätten der Welt zu kommen. Von daher erklärt sich vielleicht auch die große Teilnehmerzahl, natürlich aber auch, dass wir hier im Zentrum des Christentums sind, nicht nur der katholischen Kirche, sondern das ist ja auch die Geschichte der gesamten Kirche, die hier ihren Ursprung genommen hat und ein Zentrum mit vielen heiligen Stätten.

domradio.de: Was ist Ihre Beobachtung als Stadtjugendseelsorger von Köln. Was sind das für Jugendliche, die dabei sind, die sich also nicht für eine laute Party entscheiden zum Jahreswechsel sondern eben für Besinnliches?

Meiering: Die Jugendlichen hier sind keine anderen als andere Jugendliche auch und sie machen ja auch anschließend die Party. Der Augenblick, wo es ins Neue Jahr hinübergeht, in dem wird bewusst gebetet, jeden Tag mittags und abends die gemeinsamen Gebete in den großen Basiliken und morgens in den Pfarrgemeinden, da sind sie alle wie selbstverständlich dabei. Es ist offensichtlich so, dass da eine große Sehnsucht nach Gebet ist. Frère Roger hat einmal gesagt, es ist dem Menschen zu eigen, dass er eigentlich beten will, nur wir sind oft mit allem möglichen anderen Zeug zu, mit Dingen, die uns fordern, die von uns erwartet werden, wir sind ständig online, so dass wir vielleicht gar keinen Raum mehr haben, um in der Einfachheit des Herzens Gott zu suchen. Dieser Raum, der wird hier bei diesen europäischen Jugendtreffen durch das Vorbild und durch die Gemeinschaft mit den Brüdern geschenkt.

domradio.de: Was bewegt die Jugendliche denn konkret für das nächste Jahr? Was haben sie Ihnen erzählt?

Meiering: Wir haben uns jeden Morgen zusammengesetzt, ein Stück aus der Heiligen Schrift gelesen und darüber gesprochen. An einem Morgen haben wir zum Beispiel darüber gesprochen, dass Jesus seinen Jüngern Antwort gibt, Herr, lehre uns beten. Dann haben wir uns ausgetauscht, wie betet ihr denn, was sind eure Formen des Gebets und da gab es unterschiedliche Antworten. Manch einer sagte, ja, ich mache das morgens beim Aufstehen oder abends vor dem Schlafengehen schaue ich noch mal auf den Tag oder wieder ein anderer hat einen Ritus, eine kleine Ecke mit einer Kerze und einem Kreuz. Auf diese Art und Weise bestärken sich die Jugendlichen darin, dass es nicht unvernünftig ist und dass es nicht sinnlos ist, sich solche Zeiten zu nehmen, weil man sich in der Erfahrung gegenseitig bestärkt, dass das Orte, Augenblicke sind, in denen das Leben reich wird, in dem es neue Kraft bekommt. Mir hat das sehr imponiert als Frère Alois in seiner abschließenden Ansprache in San Giovanni in Laterano sagte, wenn wir uns diese Zeit nehmen für das Gebet, dann wächst in uns eine innere Kraft und diese innere Kraft, die befähigt uns auf andere Menschen zuzugehen und sie anzunehmen. Das wiederrum befähigt uns dazu, unsere Welt zu verändern und das ist ein toller Plan, den wir hier für das kommende Jahr miteinander fassen konnten.

domradio.de: Das nächste Taizé-Treffen wird zum Jahreswechsel 2013/2014 an der deutsch-französischen Grenze zwischen Straßburg und der badischen Region Ortenau stattfinden. Inwiefern prägt die Region, in der die Taizé-Treffen stattfinden, die Atmosphäre?

Meiering: Rom ist natürlich geprägt von der christlichen Tradition, Berlin war ganz davon geprägt, dass das Christentum dort in der Minderheit ist. In Straßburg und auch auf der badischen Seite in Deutschland gegenüber ist die Geschichte Europas sehr präsent. Nächstes Jahr also an dem Ort, an dem Charles de Gaulles und Konrad Adenauer die Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg miteinander begonnen haben und Europa aufgebaut haben, eine große Geschichte der Versöhnung und des Vertrauens zwischen Ländern, aber auch zwischen konkreten Menschen. Ich glaube, das ist ein guter Ort, um miteinander weiterzugehen. Natürlich freuen wir uns auch alle auf Flammkuchen und Federweißer, dafür ist die Region ja auch berühmt, aber ich glaube auch dieses Moment, dass dort Geschichte der Versöhnung geschrieben wurde, gerade für uns Deutsche sich das vor Augen zu führen, das wird spannend.

 

Das Interview führte Christian Schlegel

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