Olympische Ringe vor dem Nationalstadion in Tokio
Olympische Ringe vor dem Nationalstadion in Tokio

29.07.2021

Pfarrer in Japan kritisiert Dimensionen der Olympischen Spiele "Die meisten waren dagegen"

Die meisten Japaner hätten nicht gewollt, dass die olympischen Spiele in Tokio stattfinden, sagt Pater Heinz Hamm. Mit steigenden Goldmedaillen ändere sich das bei Vielen. Die Gottesdienstbeschränkungen für Tokio sieht er zwiegespalten.

DOMRADIO.DE: Wie olympiabegeistert sind Sie persönlich? Verfolgen Sie die Spiele?

Pater Heinz Hamm SJ (Leiter der deutschsprachigen katholischen Gemeinde St. Michael, Tokio): Ich verfolge die Spiele, aber zu Olympia habe ich inzwischen ein zwiespältiges Verhältnis. Viele dieser Athleten und ihre Kämpfe finde ich natürlich hochspannend. Aber die gesamte Organisation und was da an Geschäften und Business mit dranhängt, das ist so groß geworden, dass ich das eigentlich nicht mag. Und ich glaube, hier liegt auch die eigentliche Abneigung vieler Japaner und vieler Leute besonders in der Landeshauptstadt Tokio.

DOMRADIO.DE: Wie erleben Sie denn aktuell die Stimmung in der Stadt, wenn Sie sagen, dass die Japaner gar nicht so dahinterstehen?

P. Hamm: Also die meisten waren dagegen, wie wohl in den meisten Großstädten, weil das das normale Leben für zwei, drei, vier Wochen enorm belastet. Aber, und das hatte die Regierung ja wohl gehofft: Sobald es spannende Kämpfe gibt und die Japaner Goldmedaillen gewinnen, unter anderem 13-jährige Mädchen, wendet sich die Emotion bei sehr vielen Leuten. Und das habe ich trotz aller Schwierigkeiten und Abneigung doch diesen Olympischen Spielen gewünscht. Vor allem für die Athleten, die ja nur meistens diese eine Chance haben, überhaupt teilzunehmen, eine Medaille zu gewinnen oder nie mehr. Und der Eindruck wird jeden Tag positiver.

DOMRADIO.DE: Aktuell gelten durch die Pandemie ganz strenge Beschränkungen in der Stadt. Was gilt da aktuell zum Beispiel für Gottesdienste?

P. Hamm: Das ist ein Nebenproblem dabei. Die Athleten dürfen sich praktisch nicht bewegen, außerhalb ihres olympischen Dorfes, ihrer Plätze, der Veranstaltungen. Für die Gottesdienste im Allgemeinen sind die Regeln in Japan seit bald zwei Jahren sehr, sehr streng. Wir haben in Sankt Michael Glück, weil wir eine kleine Gemeinde sind und jeder jeden kennt, für die, die mit nicht-öffentlichen Transportmitteln zur Kirche kommen, jeden Sonntag Gottesdienste veranstaltet, mit den üblichen Kontrollen. Aber vor allem die Erzdiözese Tokio ist da sehr strikt. Zunächst wegen der älteren Gläubigen, dann, weil es unkontrollierbar viele verschiedene Leute gibt, die man gar nicht kennt. Man weiß nicht, wo sie herkommen. Und das ist dann ein typisch japanisches Verhalten.

Inzwischen wird mir das etwas unheimlich, weil dieser Ausschluss von den Gottesdiensten die Gemeinden und vor allem ältere Gläubige natürlich schwer belastet. Und es gibt dann doch einen Widerspruch, wenn sich die Jugendlichen jetzt doch immer wieder in Kneipen, also in großen Massen treffen können, ob man nicht doch im Hinblick auf die Gemeinden noch mehr überlegen müsste. Aber die haben wirklich Angst, denn wenn es in einer katholischen Gemeinde in Tokio sonntags einen richtigen Hotspot gäbe, wäre das für die Kirche fast ein vernichtendes Urteil, dann würde die Abneigung gegen solche Gruppen um ein Vielfaches gesteigert. Darum kann ich die Anweisungen der Bischöfe gut verstehen und auch akzeptieren. Aber es ist wirklich schwierig für die Gemeinden.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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