Genesungswünsche für Christian Eriksen
Genesungswünsche für Christian Eriksen
Dänemark - Finnland: Mitspieler des zusammengebrochenen Spielers Christian Eriksen bilden einen menschlichen Schutzkreis
Dänemark - Finnland: Mitspieler des zusammengebrochenen Spielers Christian Eriksen bilden einen menschlichen Schutzkreis

14.06.2021

Schalker Stadionpfarrer kritisiert Spielfortsetzung nach Eriksen-Zusammenbruch "In diesem Moment bleibt die Zeit stehen"

Der Schock sitzt tief. Im EM-Spiel gegen Finnland bricht der dänische Spieler Christian Eriksen bewusstlos zusammen. Für den Schalker Stadionpfarrer Georg Rücker ein Moment, in dem die Zeit stehen bleibt. Die Spiel-Fortsetzung hält er für falsch.

DOMRADIO.DE: Haben Sie eine ähnliche Situation während Ihrer Tätigkeit als Stadionpfarrer schon einmal erlebt? 

Georg Rücker (Stadionseelsorger bei Schalke 04): Nein. In dem Ausmaß nicht. Ich kannte das nur aus Recherchen, dass es schon einmal Spieler gab, die bei Turnieren zusammengebrochen sind oder bei irgendwelchen anderen Begegnungen. Aber in dem Maße wie bei Christian Eriksen habe ich das noch nicht erlebt. 

DOMRADIO.DE: Da bricht ein junger Spieler aus dem Nichts plötzlich zusammen. Fans und Spieler aus beiden Ländern hatten Tränen in den Augen. Wie ist das in so einer Situation im Stadion? Was geht den Menschen da durch den Kopf? 

Rücker: Ich denke, in diesem Moment bleibt die Zeit stehen. Der Lebensrhythmus ist plötzlich weg und man kommt in eine Extremsituation, wo jeder versucht, auf seine eigene Art und Weise damit klarzukommen. 

DOMRADIO.DE: Wie würden Sie mit solch einer Situation umgehen, wenn Sie als Seelsorger vor Ort wären? 

Rücker: Ich denke, mir würde es zunächst auch so gehen, wie allen anderen auch, dass ich erst einmal mit dieser neuen Situation, die da auf einen zukommt, umgehen muss. Bei mir selbst war es am Samstagabend so: Ich hatte die Abendmesse hier in Gladbeck in meiner Kirche, wollte dann die zweite Halbzeit sehen, schaltete den Fernseher ein und war plötzlich mit dieser Situation konfrontiert und war zunächst sprachlos. 

DOMRADIO.DE: Viel wurde dann im Anschluss diskutiert darüber, dass die Kameras minutenlang Eriksens Kampf mit dem Tod gefilmt haben. Seine Mannschaftskollegen haben ja quasi einen menschlichen Zaun gebildet, um ihn dann halbwegs abzuschirmen. ZDF-Reporter Béla Réthy wurde dagegen für seine besonnenen Kommentare gelobt. Wenn Sie das nochmal Revue passieren lassen, wie haben Sie das empfunden? 

Rücker: Ich fand es gut, dass sowohl Jochen Breyer (ZDF-Kommentator, Anm. d. Red.) als auch Béla Réthy aus diesen Bildern ausgestiegen sind und versucht haben, im Studio selber mit Per Mertesacker (Ehemaliger deutscher Fußball-Nationalspieler, Anm. d. Red.), Manuel Gräfe (Ehemaliger Schiedsrichter, Anm. d. Red.) und Christoph Kramer (Deutscher Nationalspieler, nicht für die EM nominiert, Anm. d.Red.) in einem relativ angemessenem Ton nochmal diese Situation aufzugreifen, aber auch dann nicht näher darauf einzugehen. 

DOMRADIO.DE: Und dann wurde das Spiel tatsächlich fortgesetzt. Die Finnen haben gewonnen, konnten sich über ihr Tor aber auch nicht so wirklich freuen. Auch da die große Diskussion: Finden Sie es richtig, dass diese Entscheidung den Spielern überlassen wurde oder hätte man das Spiel ganz abbrechen müssen? 

Rücker: Ich denke, das Ganze war eine Ausnahmesituation. Die dänischen Spieler haben aufgrund der Aussage ihres Teamkollegen Christian Eriksen das Spiel weitergeführt. Aber im Grunde genommen hätte die UEFA in diesem Moment sagen müssen: Wir lassen das Spiel jetzt an dieser Stelle ruhen und suchen nach einer Lösung für die kommende Zeit. Beiden Mannschaften ist da sicherlich kein Gefallen getan worden, dass die Entscheidung letztendlich bei ihnen lag. 

DOMRADIO.DE: Wir schauen nochmal auf das Publikum. Als dann klar war, dass Eriksen auf dem Weg der Besserung ist, haben Fans aus beiden Ländern und Lagern seinen Namen im Stadion skandiert - immer hin und her, Christian und Eriksen. Das war wirklich eine tolle Geste, oder? 

Rücker: Ich denke ja, und der Radioreporter der ARD, Jens-Jörg Rieck, der das Spiel vor Ort für den Hörfunk kommentiert hat, hat dies auch nochmal zum Ausdruck gebracht mit den Worten: Es war eine Atmosphäre des Miteinanders da. Rivalität war praktisch beiseite geschoben. Und dieses Miteinander und Füreinander war ausschlaggebend in dem Moment. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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