Ein Spieler von Leeds United trägt beim Aufwärmen ein T-Shirt mit der Aufschrift "Football Is For The Fans"
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Schals der britischen Fußball-Teams Arsenal (l-r) FC Arsenal, FC Chelsea, FC Liverpool, Manchester City, Manchester United und Tottenham Hotspur
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Ein Transparent mit der Aufschrift "ESL - Absage", hängt an einem Zaun gegenüber der Geschäftsstelle von Bundesligist Borussia Dortmund
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Transparente hängen vor dem Stadion in Liverpool, die gegen die Entscheidung des Vereins, der europäischen Super League beizutreten
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20.04.2021

Was bedeutet die Super League für den Fußball? "Schlag in die Magengrube von allen Fans"

Die Planung einer Super-League hat nicht nur bei der UEFA für Kritik gesorgt. Sie entspricht nicht dem Willen der Fans, "weil es eben nur um Geld geht", so Karsten Haug von der Fan-Pastoral von Borussia Dortmund. Er argumentiert mit einem Bibelzitat.

DOMRADIO.DE: Sie sind BVB-Fan und besitzen seit 30 Jahren eine Dauerkarte. Nur absolute Top-Clubs sollen in der neuen Liga mitmachen. Verspricht das nicht noch mehr spannende Fußballspiele für die Fans?

Karsten Haug (Fan-Pastoral von Borussia Dortmund): Ich als Fan brauche nicht noch einen Wettbewerb. Ich schaffe es ja so kaum, alle Wettbewerbe mit meinem beruflichen und mit meinem privaten Leben unter einen Hut zu kriegen. Dann wäre das ja noch ein zusätzlicher Wettbewerb. Borussia Dortmund hat sich ganz klar positioniert. Aki Watzke, der Geschäftsführer, hat sich eindeutig dagegen ausgesprochen.

Es wird ja auch in in der Saison 2024/2025 eine Champions League Reform geben mit noch mehr Vereinen. Die Fans sprechen da von dem notwendigen Übel. Also ich brauche eigentlich keine weitere Liga, keinen weiteren Wettbewerb, bei dem es ja definitiv auch kein Leistungsprinzip gibt.

Diese Vereine, die dann da drin sind - es sind jetzt die zwölf Gründungsmitglieder und es sollen noch drei oder vier dazukommen - werden nicht ausgetauscht. Das heißt, es spielt immer groß gegen groß. Es ist eine geschlossene Gesellschaft und das entspricht überhaupt nicht dem Fußballgedanken, bei dem es um Leistung und um einen fairen Wettbewerb geht, eben um Tore.

DOMRADIO.DE: Und bei dem man aufsteigen und auch wieder absteigen kann.

Haug: Genau.

DOMRADIO.DE: Noch sind ja keine deutschen Vereine bei dieser Super League dabei. Aber Borussia Dortmund als Dauergast in der Champions League würde ja in diesen erlesenen Kreis gut reinpassen. Sie haben es schon angedeutet, warum entspricht das nicht dem Willen der Fans?

Haug: Weil es eben nur um Geld geht. Wenn man sich diese Zahl mal auf der Zunge zergehen lässt: 3,5 Milliarden Euro bekommen die, die jetzt in diesem erlauchten Kreis mitmachen. Da kann man sich vorstellen, dass die Schere auch immer weiter auseinandergeht, dass eben nicht mal die Möglichkeit in der Liga besteht, dass der FC Bayern München vielleicht gegen Freiburg oder so verliert.

Denn diese Vereine generieren ja immer mehr Geld und ich glaube, das stößt vielen Fans auf. Es geht immer nur noch um Geld, Geld, Geld.

Ich glaube, der Fußball ist aus einer anderen Sache entstanden. Da ging es um Tradition, um Beziehungen, um Stolz, um Leidenschaft, auch um Identifikation mit dem eigenen Verein. Ich stelle mir wirklich die Frage: Wozu ist eigentlich der Fußball da?

DOMRADIO.DE: Im Moment dürfen die Fans ja nicht ins Stadion. Wie sehr schlägt denn so eine Meldung auf die ohnehin schon getrübte Stimmung? Haben Sie sich schon mit ein paar Fans unterhalten?

Haug: Ich merke das ja an mir selber, dass der Abstand zu meinem Verein, zum Fußballsport in dieser Pandemie erheblich größer geworden ist. Natürlich fiebert man mit. Aber man kann eben, wie Sie das gerade gesagt haben, nicht ins Stadion gehen. Dann trifft man natürlich auch seine Freunde nicht und anderes wird wichtiger.

Natürlich fiebern wir alle darauf hin, wieder ins Stadion zu können. Aber ich glaube, so eine Nachricht ist ein Schlag in die Magengrube von allen Fans, die das Eigentliche des Fußballsports im Sinn haben, nämlich Wettbewerb, schöne Spiele, Leidenschaft, Dramatik und so weiter.

DOMRADIO.DE: Jetzt hat sich der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, schon gegen so eine neue Liga ausgesprochen, obwohl sein aktueller Verein, der FC Liverpool Gründungsmitglied ist. Ziehen denn da Fans und Sportverantwortliche in der Sache an einem Strang?

Haug: Ich habe gesehen, dass die Fans in Liverpool direkt ein Banner am Stadion aufgehängt haben, und zwar mit dem heutigen Datum. Dort steht drauf "Heute wurde unser Verein beerdigt", mit der Gründung dieser Euro Super League.

Ich glaube, das es jetzt auch einen Zusammenhalt aller Fans braucht. Ich weiß auch nicht, wie sowas gehen kann, aber, dass man sich jetzt zusammenschließt und sagt, dass diese League noch gekippt wird. Vielleicht ist das auch utopisch. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung. Die UEFA will ja auch einschreiten, die Fifa ebenso. Aber ich habe gerade noch einige Radioberichte gehört, wo eigentlich schon klargestellt wird, dass es keine rechtliche Handhabe gibt.

DOMRADIO.DE: Also Sie meinen, die Chance gibt es noch, dass wir die Super League doch nicht erleben werden?

Haug: Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass alle im Fußball sich Gedanken machen müssen. Und ich würde es gerne mit einem Bibelzitat verbinden. Es gibt im Markusevangelium die Sache mit dem Sabbat: "Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat." Und so würde ich das mit dem Fußball auch sehen. Der Fußball ist nicht für das Geld gemacht worden, sondern der Fußball ist für die Fans da. Und nicht umgekehrt die Fans für den Fußball. 

Das Interview führte Heike Sicconi. 

(DR)

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