Wallfahrer zu Fuß unterwegs
Die Planung von Wallfahrten ist durch die Pandemie nur schwer möglich

20.04.2021

Für die Wallfahrtsorte beginnt die zweite Saison während Corona Pilgern mit Mundschutz und Abstand

Hunderttausende Menschen pilgern allein in Deutschland jedes Jahr. Nun beginnt die zweite Wallfahrtssaison unter Corona-Bedingungen - mit Herausforderungen für Orte wie Kevelaer, Telgte und Altötting. Das Virus erschwert die Planung.

In Deutschland bereiten sich die Wallfahrtsorte auf die zweite Saison während der Corona-Pandemie vor. Normalerweise pilgern pro Jahr etwa eine Million Menschen zur "Schwarzen Madonna" ins oberbayerische Altötting, rund 800.000 zur "Trösterin der Betrübten" nach Kevelaer an den Niederrhein und mehr als 100.000 zur "Schmerzhaften Muttergottes" ins münsterländische Telgte. Doch das Virus legte schon im letzten Jahr die Wallfahrtssaison lahm und erschwert die Planungen für dieses Jahr.

Nichtsdestotrotz eröffnet der Passauer Bischof Stefan Oster am 1. Mai die Saison für die Pilger in Altötting. Der Festgottesdienst und die nachmittägliche Maiandacht werden im Radio und Fernsehen übertragen. Tausende Menschen würde die Stadt eigentlich zu diesem Auftakt erwarten. Schon im vergangenen Jahr aber mussten sie daheim bleiben. Die Kirchen waren ab der vorletzten Märzwoche geschlossen und öffneten erst im Mai wieder. Alle großen Wallfahrten waren abgesagt, von einem regulären Pilgerbetrieb keine Spur.

Große Gemeinschaftswallfahrten sind abgesagt

In diesem Jahr zumindest können regelmäßige öffentliche Gottesdienste wieder stattfinden - unter strengen Hygiene-Auflagen, mit Abstand und wenig Besuchern. Die großen Gemeinschaftswallfahrten sind jedoch auch 2021 abgesagt. Die traditionsreiche Regensburger Fußwallfahrt, an der bis zu 7.000 Menschen teilnehmen und über 111 Kilometer laufen, wird erneut nicht wie üblich stattfinden können. Stattdessen werden sich wenige Personen stellvertretend für die Gemeinschaft auf den Weg machen.

Ähnliche Erfahrungen machen die Wallfahrtsorte im Westen der Republik. In der Basilika von Kevelaer wird ebenfalls am 1. Mai die Pilgerpforte mit den drei klassischen Hammerschlägen geöffnet. Maximal 150 Personen werden dann in jener Kirche am Niederrhein Platz nehmen können, in der sonst bis zu 800 Menschen gemeinsam Gottesdienst feiern. Alle anderen müssen die Feier per Livestream oder im Fernsehen verfolgen.

Der Wallfahrtsrektor von Kevelaer​ zur Situation

Im vergangenen Jahr hätten teils Gläubige im sechsstelligen Bereich Übertragungen von Gottesdiensten verfolgt, erzählt der Wallfahrtsrektor von Kevelaer, Gregor Kauling. Die großen Gruppen, sie durften sich nicht auf den Weg machen. Im Juli verzeichnete der zweitgrößte deutsche Wallfahrtsort 95 Prozent weniger Pilger als im Vorjahr.

Mit Blick auf das gesamte Jahr 2020 seien allerhöchstens ein Drittel der sonst 800.000 Pilger in dem Ort nahe der niederländischen Grenze gewesen, resümiert Kauling. Er bezeichnet Corona und seine Folgen als "Gefühlseinschnitt". Positiv zumindest bilanziert er neue ökumenische Angebote, die die Corona-Krise hervorgebracht hat.

Die Planung ist das Problem

Trotzdem blickt Kauling mit Sorge auf die kommende Wallfahrtssaison. "Wir sind im Wartemodus", sagt er - niemand weiß, wie sich die Fallzahlen entwickeln, welche Regelungen gelten werden. Etliche der sonst rund 1.000 Gruppen hätten ihre Pilgerfahrt storniert. Planungssicherheit ist fehl am Platz. Lediglich einzelne Menschen können ihr Pilgerlicht vor der Muttergottes entzünden.

Gar nicht so schlecht hingegen sei die Lage in Telgte, berichtet Wallfahrtsrektor Michael Langenfeld. Hier schwanden die Kerzen in der Kapelle auch im vergangenen Jahr schnell. Für Langenfeld ein Zeichen dafür, dass die Pilger kommen - Corona hin oder her. Er geht davon aus, dass 2020 trotz Pandemie wie sonst auch an die 100.000 Menschen den Weg nach Telgte gefunden haben, auch wenn die großen Wallfahrten nicht stattfinden konnten. Dazu zählt auch die Osnabrücker Wallfahrt, die mit 10.000 Teilnehmer die größte Fußwallfahrt Deutschlands ist.

"Die Leute wollen kommen"

Stattdessen kommen die Pilger alleine, zu zweit oder zu dritt. Abgesagt, das betont Langenfeld, seien die Wallfahrten in diesem Jahr nicht. Stattdessen machten sich kleine Delegationen, die Wallfahrtskomitees, stellvertretend für ihre Gruppen auf den Weg ins Münsterland. Größere Hoffnung legt Langenfeld auf den September. Vielleicht sei dann ja wieder die ein oder andere größere Gruppenwallfahrt möglich. "Die Leute wollen kommen", sagt er.

In Telgte eröffnet der Bischof von Münster schon am kommenden Samstag die Wallfahrtssaison. "Wir haben das Prinzip, dass wir möglichst normal das Wallfahrtsjahr organisieren", so Langenfeld. 150 Menschen dürfen in der Kirche Platz nehmen. "Das ist immerhin ein Anfang, der ein wenig Mut macht - dass es langsam zu ein bisschen Normalität kommt."

Annika Schmitz
(KNA)

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