Franziskanerschwester zur Nachfolge-Debatte um Jogi Löw

"Bin froh, dass Jogi geht"

Bundestrainer Jogi Löw hat seinen Rückzug als Nationaltrainer nach der Europameisterschaft angekündigt. Wer wird sein Nachfolger? Sr. Katharina Hartleib ist Fußballfan und spielt schon die Optionen durch.

Joachim Löw / © Efrem Lukatsky/AP (dpa)
Joachim Löw / © Efrem Lukatsky/AP ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sind Sie traurig, dass Jogi aufhört?

Sr. Katharina Hartleib (Franziskanerschwester und Fußballfan): Nein, ich bin nicht traurig. Ich finde die Entscheidung richtig gut und er konnte sie ja von sich aus treffen, das fand ich schon sehr gut. Mit alldem, was da vielleicht dran rumhing. Jetzt mit Thomas Müller und Mats Hummels und so. Da tut es mir ein bisschen leid, aber ich bin froh, dass Jogi geht, weil seine Zeit vorbei ist. Er war sehr lange da und sehr erfolgreich. Und jetzt ist Zeit für Neues.

DOMRADIO.DE: Kommt der Schritt zu spät?

Sr. Katharina: Nicht, wenn die EM gewonnen wird, dann wäre das toll. Ansonsten weiß ich nicht so genau. Es hätte auch eher sein können. Aber es ist jetzt so und das zeigt auch ein bisschen, wie er so war, die ganze Zeit. Er hat sich nicht reinreden lassen. Man könnte auch sagen, er war stur. Manche haben gesagt, beratungsresistent. Aber er war damit ja sehr erfolgreich. Und mir geht es immer so: Wenn ich mal nicht so gut drauf bin, dann gucke ich mir ein paar Highlights aus der Weltmeisterschaft 2014 an. Und dann ist alles wieder da und es war einfach nur toll und das wird bleiben.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie an diese 15 Jahre seiner Amtszeit denken, was bleibt Ihnen da noch in Erinnerung?

Sr. Katharina: Auch der Confed-Titel 2017. Und der hat mich fast noch mehr begeistert, weil man da ja von der Mannschaft im Moment gar nichts hielt. Da ging es ein bisschen auf und ab und plötzlich hatte er Mut. Er hat viele junge Leute mitgenommen, einen völligen Umbruch gemacht und sie haben das erste Mal diesen Titel gewonnen. Und da war ich so begeistert, dass ich gedacht habe: Jetzt kann gar nichts mehr passieren. Wenn er jetzt noch die Arrivierten mitnimmt, die richtig Guten, dann wird es eine wunderbare Weltmeisterschaft. Und dann hat er plötzlich Angst bekommen vor seiner eigenen Courage, hatte ich das Gefühl. Und er hat die Jungen weggelassen und hat die Älteren wieder mitgenommen. Und das ist ja grandios schief gegangen. Also mir hat dieser Confed-Cup gefallen, das ist bei mir nochmal eher hängengeblieben, als mutiger Aufbruch. 

DOMRADIO.DE: Die Rücktrittsankündigung war kaum ausgesprochen und dann wurde schon fleißig spekuliert. Namen wie Jürgen Klopp oder Hansi Flick machen da die Runde. Wer wird weitermachen? Wer wird ihn ablösen als Bundestrainer?

Sr. Katharina: Das weiß ich natürlich nicht. Und es gibt natürlich viele, von denen man denkt, dass sie es sein könnten. Der Jürgen Klopp hat ja gestern sehr deutlich gesagt: Ich habe einen Vertrag und den will ich erfüllen. Mir würde er natürlich am besten gefallen, weil er so ein anderer Typ ist im Vergleich zu Jogi Löw. Er ist der begeisternde und der begeisterungsfähige Typ, der die Leute mitzieht, der eine ganze Stadt umgekrempelt hat mit seiner Fußballbegeisterung. Es wäre schön, aber es ist halt nicht so und wir müssen ja sagen nach 2006, nach Jürgen Klinsmann, hatte mit Jogi Löw eigentlich auch keiner gerechnet. Ich bin echt gespannt, wer diesen Job übernimmt und wer sich das traut. Weil bei diesem Umgang mit Jogi Löw haben wir ja ein bisschen gemerkt, wie wir Deutschen halt ticken. Wenn es gut geht, dann sind alle begeistert. Und nach Niederlagen, dann ist der Trainer natürlich der absolute Bösewicht. Damit muss man umgehen können. Und ich bin gespannt, wer sich das traut.

DOMRADIO.DE: Und dennoch gibt's ja viele, die auf diesen Job schielen.

Sr. Katharina: Ja, ich las dieser Tage, es gebe 80 Millionen Bewerbungen. Wir Deutschen sind schon ein bisschen fußballverrückt und haben natürlich immer ganz viele tolle Vorschläge parat. Aber ob es ganz so viele sind, die sich das wirklich zumuten würden, weiß ich nicht so genau.

Das Interview führte Dagmar Peters.


Sr. Katharina Hartleib OSF vor dem Kölner Dom / © Mathias Peter (DR)
Sr. Katharina Hartleib OSF vor dem Kölner Dom / © Mathias Peter ( DR )
Quelle:
DR