Deutsche Farben
Deutsche Farben

14.06.2018

Unsere Nationalfarben haben eine komplizierte Geschichte Deutsche Farbenlehre

Flagge zeigen - an Autos, Häusern und auf der Haut. Seit 2006 haben die Deutschen ein neues Verhältnis zu Schwarz-Rot-Gold entwickelt. Vor der WM in Russland machen sich Deutschlandfahnen allerdings noch rar.

Fahnen, Hawaii-Ketten, Schweißbänder und Spiegelhüllen: Zur Fußball-WM ist die Produktpalette in den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold wieder unübersehbar. Dabei haben sich die Deutschen mit ihrer Flagge lange schwer getan. Selbst beim Gewinn der ersten drei Weltmeisterschaften 1954, 1974 und 1990 zeigten die Bundesbürger selten Flagge. Erst das «Sommermärchen» 2006 im eigenen Land brachte die Wende.

Symbol für Freiheit und Republik - und Zeichen nationaler Einheit: Dafür steht seit dem frühen 19. Jahrhundert Schwarz-Rot-Gold. Ihren Ursprung hat die deutsche Trikolore beim mythenumwobenen Lützowschen Freikorps, das 1813/1814 gegen Napoleon kämpfte. Die Freiwilligen trugen schwarz gefärbte Uniformen, verziert mit roten Aufschlägen sowie goldenen Knöpfen.

Wahrzeichen der gesamten deutschen Burschenschaft

Einige dieser Freiwilligen gründeten 1815 die Jenaer Ur-Burschenschaft und gaben ihr ein eigenes Banner: eine in Rot-Schwarz-Rot dreigeteilte, goldumsäumte Fahne mit einem goldenen Eichenzweig in der Mitte. 1817 auf dem Wartburgfest wurde sie zum Wahrzeichen der gesamten deutschen Burschenschaft.

Den akademischen Raum verließen die Farben beim Hambacher Fest. Am 27. Mai 1832 versammelten sich mehr als 30.000 Patrioten und Demokraten in der Pfalz, um gegen Zensur und Fürstenwillkür zu protestieren. Dabei wurde die schwarz-rot-goldene Fahne mit der Aufschrift "Deutschlands Wiedergeburt" auf dem Turm der Hambacher Schlossruine gehisst. Die Teilnehmer trugen gleichfarbige Armbinden und Kokarden.

Revolution und die Wahrnehmung der Farben

Für Staatskanzler Metternich war das "versuchte Aufreizung zum Umsturz". Der Bundestag in Frankfurt verbot das öffentliche Tragen von Schwarz-Rot-Gold. Währenddessen forderte Heinrich Heine: "Pflanzt die schwarz-rot-goldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschtums..."

Spätestens mit der Revolution 1848 wurden Schwarz-Rot-Gold als explizit deutsche Farben wahrgenommen. "Pulver ist schwarz, Blut ist rot, golden flackert die Flamme" lautete das Kampflied Ferdinand Freiligraths. Als am 18. Mai in der Frankfurter Paulskirche erstmals die Nationalversammlung tagte, waren die Straßen und der Sitzungssaal in Schwarz-Rot-Gold geschmückt.

Bismarck und die Farben der "Barrikaden"

Doch schon wenig später, nach dem Scheitern der Revolution, wurde diese Fahne eingeholt. In etlichen deutschen Staaten wurden die Farben erneut verboten. Bismarck ereiferte sich über "die Farben des Aufruhrs und der Barrikaden". Stattdessen setzte sich im preußisch dominierten Kaiserreich das "Schwarz-Weiß-Rot" durch - eine Verbindung der preußischen Farben Schwarz-Weiß mit den Hansefarben Weiß-Rot.

Gut 60 Jahre sollten vergehen, bis die Farben von 1848 erneut ins Rampenlicht rückten: "Die Reichsfarben sind Schwarz-Rot-Gold", hieß es in der Weimarer Verfassung. Doch Deutschland war gespalten: Kaisertreue und Radikale von rechts und links machten das Symbol der Republik verächtlich. Die Nazis höhnten von "Schwarz-Rot-Senf" oder "Schwarz-Rot-Scheiße". Nach 1933 wurde die schwartz-weiß-rote Hakenkreuzfahne zur Reichsflagge.

Nach dem Nationalsozialismus

Das Grundgesetz kehrte zu Schwarz-Rot-Gold zurück. Auch in der ersten Verfassung der DDR wurden diese Farben 1949 zu den Nationalfarben erklärt. 1959 fügte Ostberlin Ährenkranz, Hammer und Zirkel dazu, um sich vom westdeutschen Staat zu unterscheiden. Gleich nach der Maueröffnung am 9. November 1989 trennten viele DDR-Bürger diese Embleme heraus. Seit 3. Oktober 1990 symbolisiert Schwarz-Rot-Gold Deutschlands staatliche Einheit.

Dennoch: Die Deutschen blieben eher zurückhaltend beim Flaggezeigen. Zur WM 2006 im eigenen Land wurde Schwarz-Rot-Gold dann aus dem Keller geholt. Das nicht nur erfolgreiche, sondern auch offensive und schöne Spiel des deutschen Teams hat seither viel dazu beigetragen, das Bild vom "hässlichen Deutschen" international zu revidieren.

Zwar reagierte mancher politische Beobachter besorgt über den neuen Umgang der Deutschen mit ihren Nationalsymbolen und warnte vor Anzeichen für einen neuen Nationalismus. Doch bislang verpufft der Rausch in Schwarz-Rot-Gold, wenn die Party vorbei ist - selbst nach dem Titelgewinn von Brasilien 2014.

Christoph Arens
(KNA)

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