Zuschauerin bei den olympischen Spielen
Zuschauerin bei den olympischen Spielen

13.02.2018

Vatikan-Delegation ist zurück aus Pyeongchang "Olympia in Südkorea kann Frieden fördern"

Zwar könne Sport keine Wunder vollbringen, aber die Wettkämpfe in Südkorea könnten als "Spiele des Friedens" in die Geschichte eingehen. Das sagte der Vatikan-Sportbeauftragte am Dienstag nach einer Reise nach Pyeongchang.

Die katholische Kirche sieht die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang als Chance für eine Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea. Die Wettkämpfe in Südkorea könnten als "Spiele des Friedens" in die Geschichte eingehen, sagte der vatikanische Sportbeauftragte Melchor Sanchez de Toca, Untersekretär des Päpstlichen Kulturrates, dem vatikanischen Nachrichtenportal Vatican News am Dienstag. Sanchez hatte mit einer Vatikan-Delegation an der Eröffnungsfeier der Spiele sowie an der Generalversammlung des Olympischen Komitees teilgenommen.

"Sport kann keine Wunder hervorbringen, aber kleine symbolische Zeichen, die den Weg für den Frieden ebnen. Deshalb denke ich, dass die Teilnahme von nordkoreanischen Athleten, wenn auch sehr wenigen, und die gemeinsame Frauen-Eishockey-Mannschaft kleine Gesten sind, die aber sehr viel aussagen und die positive Entwicklungen für die Zukunft hervorbringen können", so Sanchez. Als Beispiel nannte er auch den gemeinsamen Einzug süd- und nordkoreanischer Sportler unter einer Flagge bei der Eröffnungsfeier.

Vatikan-Delegation ist Teil der olympischen Gemeinschaft

Für Papst Franziskus sind die gemeinsamen Aktionen der verfeindeten Länder Zeichen einer Hoffnung auf "eine Welt, in der sich Konflikte friedlich im Gespräch lösen lassen und in gegenseitigem Respekt, wie es uns der Sport lehrt".

Sanchez berichtete weiter, die Vatikan-Delegation, die in Pyeongchang erstmals nicht nur als "Zuschauer", sondern als Teil der olympischen Gemeinschaft teilnahm, sei sehr positiv aufgenommen worden: "Wir wurden mit großer Sympathie empfangen. Das war für alle eine Überraschung, auch für mich und für die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees. Da hat sich sofort eine Beziehung von Freundschaft und Herzlichkeit entwickelt. Wir sind sicherlich eine andere Stimme in diesem Sportchor, aber doch sehr nahe – und deshalb kam diese Einladung an uns bei allen gut an."

Keine Sportler aus dem Vatikan dabei

Schon bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 war eine Vatikan-Delegation zugegen. Für den Vatikan kommt eine Olympiateilnahme mit einer eigenen Mannschaft auch nicht infrage. Dies "nicht die Mission des Heiligen Stuhls", betonte der vatikanische Sportbeauftragte Melchor Sanchez de Toca in einem Beitrag der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" (Mittwoch). Es gehe nicht darum, mit Athleten an olympischen Wettkämpfen teilzunehmen, sondern als "moralische Stimme" und Gewissen präsent zu sein.

Erstmalig jedoch wurde in Südkorea eine Abordnung des Vatikan auch zur Generalversammlung eingeladen. Bisher nehmen noch keine Vatikan-Sportler bei Olympischen Spielen teil. Es gibt aber Kooperationen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Internationalen Olympischen Komitee, etwa beim Jugendsport. Aktuell etwa arbeiten beide Seiten bei der Durchführung der Olympischen Jugendspiele im Oktober in Buenos Aires zusammen.

Sport- und Laufgruppe "Athletica Vaticana" 

Im September 2017 hatte sich im Vatikan anlässlich eines Marathonlaufs für den Frieden in Rom die Sport- und Laufgruppe "Athletica Vaticana" gegründet. Neben Spaß am Sport vereint die etwa 30 Vatikanangestellten des Teams, zu dem Frauen und Männer, Geistliche und Laien gehören, das Ziel, Solidaritätsinitiativen zu fördern und die Botschaft des Papstes zu verbreiten. Schon damals erklärte Melchor Jose Sanchez de Toca, eine Olympiateilnahme sei nicht geplant. Es gehe vielmehr um fairen, gemeinschaftlichen und ehrlichen Sport mit einer "spirituellen Dimension".

(KNA)