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Weihbischof Jörg Michael Peters
Weihbischof Jörg Michael Peters

01.07.2017

Sportbischof Peters über Tour de France und Doping Von Sündern auf Rädern

An diesem Samstag startet die Tour de France - von Deutschland aus. Sportbischof Peters spricht im Interview über die dunkle Seite des Radsports. Denn vor 50 Jahren starb der britische Radprofi Tom Simpson, der erste Dopingtote der Tour. 

KNA: 50 Jahre nach dem Tod des britischen Radprofis Tom Simpson bei der Tour de France und etliche Doping-Affären später gilt der Radsport vielen immer noch als Inbegriff des "schmutzigen Sports" - sind andere Disziplinen "ehrlicher"?

Weihbischof Jörg Michael Peters (Trierer Weihbischof und Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz): In der Tat ist der Profiradsport nicht die einzige Sportart, die durch massive Dopingfälle auffällig geworden ist. Aber im Radsport ist das Thema durch Großereignisse wie die Tour de France jährlich über Wochen in unseren Medien präsent. Und gerade bei solchen Ereignissen stellt sich schon die Frage, wie die Leistungen und ob solche Leistungen über Wochen hinweg ohne leistungssteigernde Substanzen erbracht werden können.

KNA: Aber folgen wir nicht einer Doppelmoral, wenn wir den Radsport kritisieren oder boykottieren und gleichzeitig Kugelstoßen oder Gewichtheben bei den Olympischen Spielen anschauen?

Peters: Jede Tour soll mit ihrem Streckenverlauf spektakulärer sein, neue Höchstleistungen hervorbringen und fesselnde Bilder liefern. Das Fernsehen inszeniert die Duelle - Mann gegen Mann. Und da liegt für mich schon ein Unterschied zu anderen Sportarten: Wettbewerbe wie Kugelstoßen oder Gewichtheben finden in der Regel nicht unter solchen Extrembedingungen wie die Tour de France statt. Mir stellt sich die Frage, ob ein solches Ereignis nicht schon eine im Wettbewerb selbst angelegte Überforderung des menschlichen Leistungsvermögens darstellt.

KNA: ...was den Griff zu leistungssteigernden Mitteln nahelegt. Jan Ullrich, Lance Armstrong und andere gefallene Stars werden gern als "Dopingsünder" bezeichnet - ist das ein sinnvoller Begriff?

Peters: Es ist schon interessant, dass das Doping einer der wenigen Kontexte ist, in denen auch außerhalb der Kirche der Begriff der "Sünde" verwendet wird. Sonst ist es ja nicht en vogue, von der Sünde oder vom Sünder zu sprechen.

KNA: Was soll damit zum Ausdruck gebracht werden?

Peters: Der Begriff der "Sünde" macht deutlich, dass hier gegen fundamentale Werte und Normen - hier des Sports - verstoßen wird. Sportliche Wettkämpfe funktionieren nur, wenn sich alle den Regeln und Normen einer Sportart unterwerfen. Sonst ist es ein Betrug gegenüber dem sportlichen Mitwettbewerber - von den Folgen und Schäden einmal abgesehen, die es auch für den Athleten selber haben kann.

KNA: Wann hat ein "Dopingsünder" genug gebüßt?

Peters: Hier ist für mich erst einmal die Frage, wie jemand selbst mit seiner Schuld umgeht. Steht jemand - zumindest sich selbst gegenüber - zu seinen Verfehlungen? Übernimmt er für sich Verantwortung, oder sieht er sich nur als Opfer und leugnet noch immer? Ist er in dem Sinne bereit, zu bereuen und umzukehren?

KNA: Viele ertappte "Sünder" dürften aber Angst um ihre Karriere haben.

Peters: Ich halte diese Fragen aber für entscheidend, ob jemandem ein Neubeginn gelingen wird. Manchmal erlebe ich die Kämpfe um die eigene Reputation schon fast als tragisch. Zudem fällt es mir als Außenstehendem oft nicht leicht, zu beurteilen, inwieweit jemandem auch Unrecht geschehen ist oder aber er eine Lebenslüge mit sich herumschleppt. Es gibt tragische Kämpfe, und nicht jedem gelingt es, mit beiden Füßen wieder im Alltag anzukommen.

KNA: Die Geschichte des Dopings ist lang - Leistungssport ohne Doping bleibt eine Hoffnung. Aber ist das realistisch?

Peters: Nach wie vor glaube ich, dass Hochleistungssport ohne Doping möglich ist. Aber man muss auch genau hinsehen, wo er zu einer systemischen Überforderung führt. Wie zum Beispiel sieht ein Wettkampfkalender aus? Gibt es ausreichend Zeit zur Regeneration? Gibt es Zeit und die Möglichkeit, Verletzungen ausheilen zu lassen?

KNA: Das betrifft den Sport im eigentlichen Sinne - wie schaut es um den "größeren Rahmen" aus?

Peters: Eine weitere Gefahr sehe ich dort, wo der Sport instrumentalisiert wird - wo er zur Machtdemonstration und politisch benutzt wird. Ich denke zum Beispiel an die Fälle des systematischen Staatsdopings oder auch an Fälle, in denen in Sachen Doping weggeschaut wird, weil die Medaillen willkommen sind.

KNA: Eine Gefahr der politischen Instrumentalisierung sehen Kritiker auch bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Russland und Katar. Wie beurteilt der Sportbischof die Lage speziell mit Blick auf den Golfstaat?

Peters: Schon die Entscheidung, die WM an Katar zu vergeben, hat große Fragen aufgeworfen. Viele Folgen sind längst abzusehen: Die Arbeitsbedingungen, unter denen die Stadien hochgezogen werden; Arbeiter, die unter fast sklavenhaften Bedingungen arbeiten müssen; die zahlreichen Toten auf den Baustellen. Auch die Einsicht, dass die Spiele nicht in der Wüstenhitze des Sommers dort durchgeführt werden können, war nicht wirklich überraschend. Die Preise, die von anderen bezahlt werden, damit ein Staat sich inszenieren kann, sind hoch.

Das Interview führte Joachim Heinz.

(KNA)

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