Russlands Anti-Doping-Agentur in der Schusslinie
Russlands Anti-Doping-Agentur gibt Vertuschung zu
Olympiaseelsorger Diakon Rolf Faymonville
Olympiaseelsorger Diakon Rolf Faymonville

28.12.2016

Olympia-Seelsorger kritisiert russische Dopingpraxis Fehler im System

Haben sie nun oder nicht? Die russische Anti-Doping-Agentur dementiert ein angebliches Zugeständnis der Vertuschung systematischen Dopings. Für den Olympia-Seelsorger Rolf Faymonville ohnehin ein Thema mit bitterem Beigeschmack.

domradio.de: Die russische Anti-Doping-Agentur hat zunächst systematisches Doping ihrer Sportler laut der "New York Times" erstmals öffentlich zugegeben und eingestanden - das Dementi ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Ist für Sie als Olympia-Seelsorger Doping ein Thema, das Ihnen bei den Gesprächen mit den Sportlern schon einmal untergekommen ist?

Rolf Faymonville (Diakon und Olympia-Seelsorger): Ja, das ist uns relativ häufig begegnet. Allerdings nicht, weil die Sportler selber gedopt gewesen wären, sondern weil sie diese Ungerechtigkeit empfunden haben, bei Wettkämpfen in bestimmten Sportarten kaum eine Chance zu haben, da andere Sportler gedopt sind. Dadurch müssen sie einfach in einem verzerrten Wettbewerb antreten. Das belastet natürlich schon, wenn man jahrelang auf ein Ziel hin kämpft und weiß, dass man unter normalen, legalen Mitteln niemals an diese Leistung herankommen kann.

domradio.de: Was geht denn einem jungen Sportler da durch den Kopf, wenn er sieht, dass die anderen, die Erfolge haben, dies auf illegale Weise erreicht haben? Setzt man sich dann noch mehr unter Druck?

Faymonville: Das ist sicher ein großer Druck, zumal in Deutschland immer noch die Sportförderung oft von den Leistungen, also den Medaillen abhängt. Da muss sich sicher im System etwas ändern. Ich weiß auch, dass der Deutsche Sportbund darüber nachdenkt und diskutiert, wie man mit den Leistungen in verschiedenen Sportarten umgehen kann. Das ist ein Teufelskreis. Wenn man nicht zu den Top-Leuten gehört, dann bekommt man weniger Förderung und hat dann aber noch weniger Möglichkeiten, in die Top-Leistungsbereiche hineinzukommen.

domradio.de: Was sagen Sie denn einem jungen Sportler, der zu Ihnen kommt und nicht weiß, wie er damit umgehen soll?

Faymonville: Ich kann ihn zunächst nur darin bestärken, dass er auf dem ehrlichen Weg bleibt, zumal er ja auch seinen Körper durch Doping nachweislich schädigt. Das ist auch eine Verantwortung, die die jungen Menschen für sich übernehmen - manchmal vielleicht auch gegen die Erwartungen, die Sportfunktionäre oder das Publikum an sie richten. Die Sportler haben auch ein Leben nach dem Sport. Und wenn sie ihren Körper ruinieren und kaputt machen, dann schleppen sie das ein Leben lang mit sich. Diese Verantwortung müssen sie selber wahrnehmen. Darin bestärken wir sie.

domradio.de: Haben Sie als Seelsorger, als Diakon auch Verständnis für diejenigen Sportler, die sich des Dopings bemächtigen, weil der Druck einfach zu groß geworden ist?

Faymonville: Ich kann verstehen, wie es dazu kommt. Aber ich kann es nicht gutheißen, dass jemand diesem Druck nachgibt und sich dopt. Das ist auf keinem Fall ein Weg!

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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