Olympiaseelsorger Diakon Rolf Faymonville
Olympiaseelsorger Diakon Rolf Faymonville
Der evangelische Pfarrer und Seelsorger des deutschen Teams in Rio, Thomas Weber
Der evangelische Pfarrer und Seelsorger des deutschen Teams in Rio, Thomas Weber

13.08.2016

Das deutsche Seelsorger-Doppel in Rio de Janeiro Auszeiten für die olympischen Seelen

Ein ökumenisches Doppel kümmert sich als Seelsorger um das geistige Wohl der über 400 deutschen Olympioniken und 350 Betreuer. In der hektischen Welt von Olympia haben sie ein offenes Ohr, sind Mutmacher und Tröster.

Sieg und Niederlage, Ängste um den Verlust von Fördermitteln, aber auch Alltags- und Sinnfragen oder die Bedeutung von Religion: Das evangelisch-katholische Seelsorger-Duo des deutschen Teams hat während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro viele Fragen zu beantworten. Hinter der oft so abgeklärt wirkenden Fassade von Spitzensportlern erkenne man da den Menschen, haben sie erfahren.

Es ist ein Team mit Erfahrung und Neugier. Zum sechsten Mal schon begleitet der evangelische Gemeindepfarrer Thomas Weber aus Gevelsberg die deutschen Olympioniken. Sein Kollege Rolf Faymonville, katholischer Diakon und Lehrer im bergischen Engelskirchen, ist dagegen zum ersten Mal dabei. Gemeinsam begleiten sie im Athletendorf die deutschen Spitzensportler und ihre Betreuer. Nicht immer seien sie dabei allerdings der erste Ansprechpartner.

Kirche bei Olympia

"Die Vorstellung, dass der Sportler, der getröstet werden will, ganz allein im Zimmer sitzt, sind längst vorbei. Viele Familienmitglieder und Freunde sind am Start. Dazu kommen die Sozialen Netzwerke", sagt Thomas Weber. Trotzdem seien persönliche Gespräche wichtig für die Hochleistungssportler - besonders bei denen, die nicht so erfolgreich abschneiden. "Den Siegern klopfen alle auf die Schulter. Aber was ist mit den Verlierern?"

Seit Olympia 1972 in München begleitet stets ein ökumenisches Seelsorgerteam die deutschen Athleten. "Wir als Kirche wollen mittendrin sein im olympischen Trubel. Aber wenn wir auf die Sportler zugehen, merken wir oft, wie die zusammenzucken. Sie wissen oft gar nicht, dass es uns gibt", so Weber. Man biete ihnen "Auszeiten" an; Vier-Augen-Gespräche oder Gottesdienste, die auch gern ökumenisch gestaltet werden. "Der Druck, den die jungen Leute sich machen, ist groß, genau wie der von außen. Da mal eine halbe Stunde Auszeit zu haben, wissen viele zu schätzen."

Reden über Gott und die Welt

Für Rolf Faymonville geht es in erster Linie darum, einfach an der Seite der Sportler zu sein - möglichst ungezwungen. "Da erfährt man dann von Eheproblemen, von Streits um das Sorgerecht der Kinder, dem Tod eines Verwandten." Darauf könne man als Seelsorger reagieren.

Auch ethische Themen seien Thema, etwa "Doping oder die Frage, wie man in Rio mit den Armen umgeht. Auch Hochleistungssportler sind ja Menschen."

Fragen ja - Kirche nein

Wenige junge Sportler seien in Kirchen engagiert. "Kirche als Institution spielt für sie oft keine Rolle", weiß Faymonville. Dies sei eine gesellschaftliche Entwicklung, die die Jugendlichen in Deutschland generell betreffe. "Gleichzeitig haben sie aber Anfragen an das Leben, suchen nach Antworten. Da unterscheiden sich Olympiasportler nicht von normalen Jugendlichen."

Weber erinnert sich gern an ein Gespräch bei den Spielen in London 2012. "Eine junge Frau, Medaillengewinnerin, sagte mir: Ich habe so viele Fragen an das Leben, obwohl es mir so gut geht." Sie habe sich gefragt, wo ihr Glück eigentlich herkomme - und daraufhin eine Bibel gekauft. "Wir sehen oft nur die eine Seite des Lebens, aber nicht, was sich dahinter abspielt."

"Gemeinde auf Zeit"

Ein großes Problem junger Sportler sei die mangelnde Zeit. Sonntage seien meist für Wettkampf und Training reserviert; Zeit für Kirche und Gemeinde hätten die wenigsten, so Rolf Faymonville. Das gleiche gelte für Olympia, wo die Sportler in ein enges Zeitraster eingepasst seien. Das Olympiateam mit seinen mehr als 700 Angehörigen sei immerhin "eine Gemeinde auf Zeit".

Nicht nur bei den Sportlern äußere sich in diesen Wochen ein Gespür für Religiosität und Spiritualität, sagt Faymonville. "Auch viele Funktionäre öffnen sich; zeigen, dass sie Menschen mit einem großen Gespür für sensible, religiöse und soziale Fragen sind - und nicht nur das Event und das Geld im Blick haben."

Thomas Milz
(KNA)

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