Läufer auf der Tartanbahn
Rio stolpert in die Olympischen Spiele hinein
Rio de Janeiro von oben
Rio de Janeiro von oben
Olympische Sommerspiele in Rio
Olympische Sommerspiele in Rio

05.07.2016

Rio verzettelt sich bei der Organisation der Olympischen Spiele Stolpern auf der Zielgeraden

In einem Monat, am 5. August, beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Statt Vorfreude breitet sich bei den Verantwortlichen Verzweiflung aus. Die Regierenden beschimpfen sich gegenseitig, die Nerven liegen blank.

Als Rio de Janeiro 2009 den Zuschlag erhielt, eine Tradition des antiken Griechenlands erstmals in Südamerika aufzuführen, war damit eigentlich nicht die Tragödie gemeint. Doch nun scheint der Stadt einen Monat vor Beginn der Olympischen Spiele ein echtes Drama ins Haus zu stehen. Dank leerer Kassen, Korruption und Vetternwirtschaft droht eine Riesenblamage.

Allerorts Baustellen

Ein Teil der Olympia-Flaggen hängt bereits, doch die Stimmung ist mies. Es gibt nur schlechte Nachrichten: Mauscheleien beim Stadionbau, von Funktionären geklaute Sportfördergelder, halbfertige U- und Straßenbahnen, verdreckte Gewässer und überall Baustellen. Die Lehrer streiken seit vier Monaten. Dazu die tagtäglichen Meldungen über zunehmende Gewalt, ermordete Autofahrer, angezündete Autobusse.

Laut Amnesty International betreibt die Polizei in Armenvierteln derzeit eine "vorolympische Säuberung". Im Mai seien 50 Personen erschossen worden, gegenüber 17 im gleichen Monat des Vorjahres. In den ersten drei Juniwochen kamen weitere 23 Tote hinzu. Medien berichten von nächtlichen Aktionen, um Obdachlose zwangsweise aus dem Zentrum zu entfernen.

Bürgermeister platzt der Kragen

Am Freitag wurde es dann auch für dem sonst auf Optimismus getrimmten Sonnyboy Eduardo Paes zuviel. Zwei ARD/ZDF-Container waren von Banditen mitten in der Stadt geklaut worden. Zudem verkündete die klamme Landesregierung, dass die Krankenhäuser wohl während Olympia dichtmachen müssten. Rios Bürgermeister platzte der Kragen.

Es müsse Schluss sein mit dem "Rumgeheule" und dem ständigen "Blablabla". Die Landesregierung solle endlich die Ärmel hochkrempeln und arbeiten - oder den Hut nehmen. Keine der von ihr zugesagten Aufgaben für Olympia habe sie erfüllt: weder die Reinigung der städtischen Gewässer noch die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. "Wir sind hier am Limit, niemand geht voran, gibt Kommandos." Rio stehe praktisch ohne Regierung da, so Paes unter Verweis auf die ausufernde Gewalt.

Vor dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung

Doch Rios Landesregierung ist aufgrund der Wirtschaftskrise pleite. Dieses Jahr fehlen umgerechnet rund fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen. Im Juni rief der Gouverneur den finanziellen Notstand aus, ein formeller Trick, um Notgelder vom Bund zu bekommen. Der darf dem Land eigentlich nichts leihen, da ältere Schulden nicht mehr bedient wurden. Nun schickt Brasilia umgerechnet fast 900.000 Euro, um den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung zu verhindern.

Dass Krankenhäuser vor der Schließung stehen ist das eine. Dazu warten Pensionäre seit Monaten auf ihre Rente und der Kampf gegen die organisierte Kriminalität in den Favelas scheint mangels Mitteln empfindlich ins Stocken zu geraten. Dabei war gerade die Favela-Polizei UPP das große Olympia-Vorzeigeprojekt der Landesregierung. Mit der ersten UPP 2008 sollte eine neue Zeitrechnung anbrechen. Jetzt fehlen Gelder für das Nötigste, neue UPP-Projekte wurden gecancelt. Ein Ende des kompletten Projekts nach Olympia scheint denkbar; die damit verbundene Rückkehr der Drogenbanden in die Armenviertel wäre nicht nur imagemäßig eine Katastrophe.

Die Nothilfe des Bundes soll nun die Einsatzfähigkeit der Polizei in den kommenden drei Monaten garantieren. Dadurch, so der Gouverneur, würden Haushaltsgelder frei, um die U-Bahn zum Olympiapark fertigzustellen. Hier fehlen rund 269 Millionen Euro. Den 7.000 Beschäftigten droht die Entlassung, und Rio ohne die Linie 4 ein olympisches Verkehrschaos.

Lichtblick: Mücken wenig aktiv

Immerhin sind Rios Mücken aufgrund der winterlichen Temperaturen derzeit wenig aktiv. Trotzdem nimmt die Zahl der aus Angst vor Zika und Dengue absagenden Sportler zu. Auch haben bisher nur rund 30 Staatschefs ihre Teilnahme an der Eröffnungszeremonie zugesagt.

Brasilien wird aufgrund des politischen Chaos dafür wohl mit zwei Präsidenten vertreten sein: Interimschef Michel Temer sowie die wegen mutmaßlicher Haushaltsvergehen für 180 Tage suspendierte Dilma Rousseff. Einziger Lichtblick inmitten der allgemeinen Trübe ist der Optimismus der Cariocas. Laut einer jüngsten Umfrage glauben 60 Prozent von Rios Einwohnern, dass Olympia trotz allem ein Erfolg wird. Und der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge.

Thomas Milz
(KNA)

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