FIFA in der Kritik

"Mehr Transparenz, weniger Korruption"

Angesichts der FIFA-Korruptionsaffäre fordern Hilfswerke und Nichtregierungsorganisationen mehr Transparenz und einen stärkeren Kampf gegen Korruption. Erneute Kritik kommt auch an den Arbeitsbedingungen im WM-Gastgeberland Katar.

FIFA-Präsident Blatter und der katarische Chef des WM-Komitees (dpa)
FIFA-Präsident Blatter und der katarische Chef des WM-Komitees / ( dpa )

Der Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Stephan Jentgens, verlangte, die Korruption im Sport müsse gestoppt werden. Zudem müsse der milliardenschwere Handel mit TV-Sportrechten überprüft werden, der nicht nur im Fußball die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderdriften lasse. "Diese absurd hohen Summen, von denen die Bevölkerung in den Gastgebernationen der Großereignisse nicht einmal ansatzweise profitiert, sind auch der Schmierstoff für Korruption und organisierte Kriminalität", sagte Jentgens.

Die Schweizer Behörden hatten mehrere hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbands festgenommen, darunter zwei Stellvertreter von FIFA-Präsident Joseph Blatter. Gegen die Funktionäre - unter anderem aus Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Guatemala, Nicaragua, Uruguay und Venezuela - wird wegen Unterschlagung, Geldwäsche und organisierter Kriminalität ermittelt.

"FIFA-Präsident ist nicht glaubwürdig"

Die Nichtregierungsorganisation Transparency International sieht nach den Festnahmen Blatters Glaubwürdigkeit beschädigt. Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International, sagte gegenüber dem Hessischen Rundfunk, Blatter könne nicht sagen, er habe von allem überhaupt nichts gewusst. Selbst, wenn Blatter jetzt zurücktrete, seien die Probleme jedoch nicht vom Tisch. "Man darf nicht die Illusion haben, dass bei einem Abgang Blatters auf einmal alles in Ordnung ist", sagte Schenk.

Trotz der Korruptionsaffäre sollen der 65. Kongresss des Fußball-Weltverbandes am Donnerstag und auch die Präsidentenwahl am Freitag wie geplant stattfinden. Schenk begrüßte das. So hätten die Delegierten die Möglichkeit, direkt zu entscheiden. Unterdessen mahnte das Kinderhilfswerk "terre des hommes" die FIFA, stärker die Wahrung von Menschenrechten durch die Gastgeberstaaten von Weltmeisterschaften einzufordern. Der Weltfußballverband solle seine Regularien entsprechend ändern, forderte das internationale Hilfswerk in Osnabrück. Ebenso forderte die Organisation Maßnahmen zur Bekämpfung von Korruption in Russland und Katar als Gastgeber der Fußball-WM 2018 und 2022. Die Schweizer Behörden hatten unabhängig von den Festnahmen der Spitzenfunktionäre ein Stafverfahren im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland und Katar eröffnet. Nach Behördenangaben geht es um den Verdacht der Geldwäscherei.

Amnesty: Rücktrittsforderung an Blatter

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äußerte sich erneut zu den Arbeitsbedingungen in Katar im Vorfeld der WM. Gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Bau forderte Amnesty eine radikale Erneuerung des Fußball-Weltverbandes FIFA und den Rücktritt Präsident Blatter gefordert. Hintergrund sind die ihrer Meinung nach immer noch "menschenunwürdigen und sklavenähnlichen" Verhältnisse auf den Baustellen des WM-Gastgeberlandes Katar. "Darum hat sich die FIFA bislang einen Dreck gekümmert. Und ich habe nicht das Zutrauen, dass sich unter Herrn Blatter noch etwas ändern kann", sagte der stellvertretende IG-Bau-Vorsitzende Dietmar Schäfers bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt am Main. "Die FIFA ist gut beraten, sich grundsätzlich zu erneuern. Da gehört ein neuer Kopf, eine neue Führung hin. Das schafft man nicht mit Herrn Blatter und seinen offensichtlich hochkriminellen Funktionären." 

Amnesty International spricht im neuesten Report von aktuell rund 1,5 Millionen Gastarbeitern in Katar. "Im Schnitt gibt es unter ihnen pro Tag einen Toten, der an Herzversagen oder Erschöpfung stirbt", sagte die Amnesty-Expertin für die Golfstaaten, Regina Spöttl. "Katar hat seit unserem ersten Bericht 2013 vollmundige Versprechungen gemacht. Bisher ist nichts passiert."


Quelle:
KNA , dpa , DR