Flaggen zum Thema Solidarität des Augsburger Textilmuseums
Flaggen zum Thema Solidarität des Augsburger Textilmuseums
Glashaus mit Zitaten von Besuchern zum Thema Solidarität im Augsburger Textilmuseum
Glashaus mit Zitaten von Besuchern zum Thema Solidarität im Augsburger Textilmuseum
Glashaus mit vielen Zitaten von Besuchern zum Thema Solidarität, zum Beispiel "Ich höre anderen zu", im Augsburger Textilmuseum
Glashaus mit vielen Zitaten von Besuchern zum Thema Solidarität, zum Beispiel "Ich höre anderen zu", im Augsburger Textilmuseum

17.09.2021

Ausstellung in Augsburg widmet sich dem Thema Solidarität Vor einer Frage gibt es kein Entkommen

"Who cares? Solidarität neu entdecken" heißt die aktuelle Sonderausstellung des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg. Es sind weniger die Exponate, die den Besuch der Schau lohnenswert machen.

Welch ein Willkommenskomitee: Der Papst und Angela Merkel empfangen die Besucher, Donald Trump und Münchens Kardinal Reinhard Marx auch, dazu noch viele weitere Promis. Sie alle flimmern über einen Bildschirm mit Nachrichtenschnipseln, die eines gemein haben: Die Sprechenden werben um Solidarität. Für Corona-Opfer ebenso wie für Streikwillige.

Passend, denn Pandemie und Arbeitskampf hängen zusammen. Wie, das erklärt die neue Sonderausstellung des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg (tim). "Who cares? Solidarität neu entdecken", eine Kooperation mit der Universität Augsburg, läuft bis 22. Januar 2022.

Corona fordert Solidarität neu heraus

"Das Prinzip der Solidarität ist eng mit der Geschichte der Arbeiterbewegung verbunden", erläutert Museumsdirektor Karl Borromäus Murr. "Diese bildete sich im 19. Jahrhundert in Deutschland als Reaktion auf eine entfesselte Industrialisierung heraus, welche die vielfach entrechtete Arbeiterschaft in einen immer stärkeren Gegensatz zu den Fabrikherren trieb." Neben der Sozialdemokratischen Partei seien es vor allem die seit Ende der 1860er Jahre entstehenden Gewerkschaften gewesen, die für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft hätten.

Den Bogen zum Heute spannt Murr so: "Mit Ausbruch der Corona-Krise ist die Bedeutung von Solidarität ganz neu in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt." Die Schau thematisiere Solidarität mithin als gegenwärtige Herausforderung ebenso wie als historisches Phänomen, und das mit Blick auf die sechs Handlungsfelder Gewerkschaften, Klima, Flucht, Konsum, Gesundheit, Kunst und Kultur.

Doch Solidarität – was ist das eigentlich? Jedenfalls handelt es sich nicht um eine Form von Almosen, wie Murr sagt, auch nicht um einen Akt von Barmherzigkeit. Vielmehr gehe es um Unterstützung auf Augenhöhe - "eine Unterstützung, die aufgrund des menschlichen Gleichheitsgrundsatzes dem Schwächeren zu seinem Anrecht verhilft, selbst wenn der Helfende Nachteile dafür in Kauf nehmen muss". Murr verweist auf den Philosophen Jürgen Habermas: "Der sieht in der Solidarität das 'Andere der Gerechtigkeit', das, was uns Menschen als Gegenpol zu einem einseitigen Individualismus in einen 'gemeinsamen Lebenszusammenhang' einbindet."

Wen kümmert's?

Solidarität ist gleichwohl nichts, was jede von jedem uneingeschränkt erwarten darf. Passend also, dass die Ausstellung einen doppeldeutigen Namen trägt: Das englische "Who cares?" kann "Wer kümmert sich?" heißen, aber auch "Wen kümmert's?". Entsprechend besteht die Schau zu einem Großteil aus zerbrechlichen Glashäuschen.

Sie beherbergen Installationen und Exponate wie eine Erstausstattung für Flüchtlinge. Zu jenen informiert die Ausstellung etwa, 250 bis 300 Millionen Menschen seien Schätzungen zufolge im 20. Jahrhundert vor Gewalt, Unfreiheit und Hunger geflohen.

Erschütternde Fakten wie diese führt die Präsentation immer wieder vor Augen. So heißt es zum Konsum in der Wohlstandsgesellschaft: "40 Prozent der Kleidung in den Kleiderschränken werden nur selten oder gar nicht getragen." Wenn man die oft verheerenden Folgen der Textilproduktion für Arbeiterinnen und Umwelt bedenkt, ist das nicht solidarisch.

Wie solidarisch bin ich?

An diesem Punkt offenbart sich die Stärke der Schau. Es sind weniger ihre Exponate – so interessant historische Streikplakate oder die Schiffsschraube eines vietnamesischen Flüchtlingsbootes auch sein mögen. Vielmehr schafft sie es, dass der Besucher einer Frage nicht entkommt: Wie solidarisch bin ich?

Zahlreiche Interaktionsinseln werfen diese Frage stets von Neuem auf.

Einmal etwa hat man die Auswahl zwischen 16 Boxen, um zu entscheiden, wofür man am ehesten spenden mag. Für Katastrophenhilfe oder den Lieblingsklub?

Und der Weg aus der Schau heraus führt schließlich an einem letzten Glashäuschen vorbei. Nichts ist drin, dafür einiges drauf – nämlich Antworten auf die Frage "Wo in meinem Leben verhalte ich mich solidarisch?". Mit einem Filzstift darf sich jeder mitteilen.

Je mehr Schriftzüge das Häuschen trägt, umso weniger zerbrechlichen Glases ist zu sehen – umso massiver scheint die Hütte. Solidarität als Stabilisator.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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