"Deutschland ist ein wasserreiches Land." Das derzeitige Wetter scheint zu bestätigen, was Politik und Wasserversorger seit Jahren als Mantra vor sich hertragen: die Wasserversorgung in Deutschland? Kein Problem.

Trinkwasserknappheit könnte zunehmen

Doch jetzt warnt Deutschlands oberster Katastrophenschützer. "Es gibt schon die eine oder andere Gemeinde, die mit dem Problem Trinkwasserknappheit konfrontiert ist, gepaart mit einem sinkenden Grundwasserspiegel und in Konkurrenz zur Landwirtschaft", sagte Armin Schuster, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), am Dienstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Wir befürchten, dass das Problem noch zunimmt."

Wasser gehört zur kritischen Infrastruktur

Die Terroranschläge vom 11. September 2001, Hacker-Angriffe auf Stromnetze, Informationstechnologie und Krankenhäuser: Dass die Wasserversorgung zur kritischen Infrastruktur gehört, gerät immer stärker ins Bewusstsein.

So hat der Bund unter anderem über 5.000 Trinkwassernotbrunnen und -quellen geschaffen, die bei Ausfall des Leitungsnetzes zur Notversorgung eingesetzt werden können. Auch für die Notstromversorgung des Netzes werden Millionen Euro zur Vergügung gestellt.

Auch Deutschland könnte Probleme bekommen

Die Trockenperioden der vergangenen Jahren haben dann gezeigt, dass auch das wasserreiche Deutschland angesichts des Klimawandels Probleme bekommen könnte. "Ich will keinen Alarm schlagen, dazu ist es noch zu früh.

Aber ein ressourcenschonender, nachhaltiger Umgang mit Wasser sowie eine erhöhte Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung bei extremen Wetterlagen ist bereits heute sehr angezeigt", sagt Schuster. Sein Amt denke darüber nach, "was passiert, wenn die Folgen des Klimawandels nicht früh genug gestoppt werden können."

Unterschiede je nach Jahr und Region

Laut Bundesumweltamt umfassen die erneuerbaren Süßwasserressourcen in Deutschland rund 188 Milliarden Kubikmeter. Davon werden aktuell rund 24 Milliarden Kubikmeter pro Jahr entnommen. Bezogen auf das Jahr 2015 entspricht das einem Anteil von 13 Prozent und liegt unter der sogenannten Wasserstressmarke von 20 Prozent.

Allerdings gibt es ausgeprägte Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Jahren. So standen im Trockenjahr 2018 zum Beispiel nur 119 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung - zwei Drittel der üblichen Menge. Für die Trinkwasserversorgung werden derzeit etwa 5,2 Milliarden Kubikmeter Rohwasser pro Jahr genutzt, was einem Anteil am Gesamtwasserverbrauch von rund 22 Prozent entspricht.

Weitere 53 Prozent entfallen auf die Energieversorgung, 24 Prozent auf Bergbau und verarbeitendes Gewerbe, 1,3 Prozent für die landwirtschaftliche Beregnung.

Rückgang des Verbrauchs

Dabei ist der Trinkwasserverbrauch in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen: 1991 wurden noch 6,5 Milliarden Kubikmeter genutzt, also 20 Prozent mehr als 2016. Der Grund: Weit geringere Wasserverluste durch Rohrbrüche und Undichtigkeiten im Leitungsnetz, aber vor allem der gesunkene individuelle Wasserverbrauch.

Lag er 1991 noch bei 144 Litern pro Kopf, sind es heute 123 Liter, die für Körperpflege, Kochen, Trinken, Wäschewaschen und anderen häuslichen Gebrauch wie Toilettenspülung genutzt werden; ebenso enthalten ist in dieser Zahl die Verwendung von Trinkwasser im Kleingewerbe, etwa in Metzgereien, Bäckereien oder Arztpraxen.

Das Trinkwasser wird dabei ganz überwiegend - zu 70 Prozent - aus Grund- und Quellwasser gewonnen. Außerdem werden Uferfiltrat, angereichertes Grundwasser, See-, Talsperren- und Flusswasser genutzt.

Wasserdefizite in den letzten Jahren

Experten rechnen damit, dass es aufgrund der zu erwartenden Zunahme an heißen und trockenen Sommern regional zu einer geringeren Grundwasserneubildung kommen könnte. Bereits heute ist laut Bundeszentrale für politische Bildung die Grundwasserneubildung in Teilen Thüringens, Sachsen-Anhalts und Sachsens sowie Brandenburgs vergleichsweise niedrig.

Von Schleswig-Holstein über den Norden Sachsen-Anhalts bis in die Prignitz und das Oderbruch im Norden Brandenburgs sowie am Oberrhein und in Teilen Hessens und Nordthüringens waren aufgrund der Dürre 2018 die Wasserspeicher der Böden Anfang 2019 nicht ausreichend gefüllt. 2019 und 2020 folgten weitere Niederschlagsdefizite mit entsprechenden Folgen in der Wasserbilanz.

Christoph Arens

KNA