Pflegedienstleiterin für bessere Bedingungen in ambulanter Pflege

"Wir sind ja auch Angehörige"

Die Corona-Beschränkungen sollen für vollständig Geimpfte gelockert werden. Wie sieht es da in der ambulanten Pflege aus? Adriana Wrobel kennt die Situation in der mobilen Pflege und hat einen Wunsch an die Politik.

Symbolbild Pflege / © Halfpoint (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Zu Beginn der Pandemie fehlten an allen Ecken und Enden Schutzausrüstung, Masken, Schutzkittel, Visiere, Handschuhe. Inwieweit waren Sie davon betroffen?

Adriana Wrobel (Einrichtungsleiterin der Caritas-Tagespflege in Grevenbroich): Vielleicht die erste Zeit. Wir sprechen von den ersten zwei, drei Wochen. Danach hat unser Arbeitgeber für jegliche Schutzausrüstung gesorgt und wir waren definitiv gut aufgestellt.

DOMRADIO.DE: Wie waren die 15 Corona-Monate bislang für die Mitarbeitenden in der mobilen Pflege? War die Herausforderung nur ein erhöhter Hygiene-Standard?

Wrobel: Nein, definitiv nicht. Wir waren relativ gut vorbereitet durch vorherige Schulungen im Bereich der Hygiene. Wir haben hervorragende Konzepte. Allerdings war es definitiv eine Herausforderung, auch im Sinne der seelischen Situation bei dem Patienten vor Ort.

DOMRADIO.DE: Was meinen Sie damit?

Wrobel: Viele waren sehr bedrückt. Durch die Isolation hatten die keinen Kontakt zu Angehörigen. Sehr viele Patienten waren sehr traurig, haben sich beängstigt gefühlt. Die Patienten auffangen, Sicherheit vermitteln, Ängste nehmen, das war die größte Herausforderung - glaube ich - für unsere Mitarbeiter.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben wir alle Hoffnung, dass es besser wird. Viele Gepflegte sind aufgrund des Alters und von Vorerkrankungen inzwischen geimpft. Gibt es da eigentlich auch welche, die nicht möchten, die nicht geimpft sind?

Wrobel: Nein. Also uns ist nicht bekannt, dass sich jemand von den Patienten nicht impfen lassen wollte.

DOMRADIO.DE: Wenn jetzt also beide Seiten komplett geimpft sind, dürfte doch auch eigentlich wieder die Maske fallen dürfen, oder? Wenn nicht bei den Geimpften, bei wem dann?

Wrobel: Ich glaube, das ist ein Wunsch. Aber erst einmal denke ich, dass man das nicht umsetzen kann, weil es darüber noch keine Langzeitstudien gibt und die Gefahr besteht weiterhin, dass wir oder die Klienten, Patienten uns anstecken können. Und wir sind ja auch Angehörige, haben eigene Familien und wollen uns schützen.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie heute noch einen Wunsch loswerden möchten, etwa in Richtung Politik, was wäre das?

Wrobel: Dass definitiv Veränderungen geschaffen werden. Dass die Politik einfach bessere Bedingungen für die Pflege und für die uns anvertrauten Menschen initiiert. Das wäre mein Wunsch.

Das Interview führte Tobias Fricke.


Quelle:
DR
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