Das LeiGoLo lädt zum inklusive Singen ein
Das LeiGoLo lädt zum inklusive Singen ein
Gotteslob in leichter Sprache "LeiGoLo"
Gotteslob in leichter Sprache "LeiGoLo"

06.05.2021

Das Gotteslob in leichter Sprache "Das Leben gemeinsam gestalten"

Komplizierte Texte, unbekannte Melodien: Für Menschen mit Behinderung ist das gemeinsame Singen oft mit Barrieren verbunden. Das Gotteslob in leichter Sprache, das LeiGoLo, soll Abhilfe schaffen. Was macht das Buch so besonders?

DOMRADIO.DE: Das LeiGoLo entstand in einer Kooperation der Bistümer Limburg und Münster. Sie waren an der Entwicklung maßgeblich beteiligt. Was genau ist denn so schön leicht am LeiGoLo

Martin Merkens (Leiter der Referate Krankenseelsorge und Seelsorge für Menschen mit Behinderungen im Bistum Münster sowie Mitentwickler des LeiGoLo): Da gibt es verschiedene Formen von leicht. Wir haben in dem Liederbuch versucht, ganz verschiedene Lieder zusammenzustellen. Dabei sind Lieder, die wir für ganz leicht halten. Dabei sind aber auch Lieder, die schon bekannt sind, Klassiker, die jeder kennt und die deshalb leicht sind. Dann sind Lieder dabei, wo zumindest der Refrain, also der Kehrvers, leicht ist. Und es gibt auch noch einige andere Kategorien.

Wir haben alle Lieder, die besonders leicht sind oder einen leichten Kehrvers haben, mit einem Symbol gekennzeichnet. Für ganz leichte Lieder ist das eine Feder, für Klassiker ist das eine Art Tempel und für den einfachen Kehrvers gibt es einfach einen Kreis. 

DOMRADIO.DE: Und welche Titel beinhaltet das Buch ganz konkret? 

Merkens: Es ist eigentlich eine bunte Mischung aus neuen einfachen Liedern und auch aus Klassikern. Es gibt ein Titellied "Gemeinsamen bunt, gemeinsam stark, so gehen wir durchs Leben". Das passt gut zu der Botschaft, die das ganze Buch haben soll. Es ist aber auch ein absoluter Klassiker drin: "Großer Gott, wir loben dich".

Denn wir haben vor einigen Jahren eine Umfrage in vielen Einrichtungen der Behindertenhilfe gemacht. Dabei herausgekommen ist eine Top-Ten-Liste. Auf der waren auch die Klassiker, zum Beispiel "Laudato Si" oder "Lasst uns miteinander" oder eben auch "Großer Gott, wir loben dich". Das ist aber auch schon der einzige in dem Sinne "echte Klassiker" im LeiGoLo. Obwohl es natürlich auch im Gotteslob einige leichte Lieder gibt. 

DOMRADIO.DE: Das heißt, bei der Erstellung dieses leichten Gotteslobes waren damit auch Menschen mit Behinderung selbst beteiligt. Über 200 Lieder stehen drin. Ist das Buch denn jetzt für den Einsatz im Gottesdienst gedacht oder auch für ganz andere Gelegenheiten? 

Merkens: Natürlich für Gottesdienste, aber durchaus auch für andere Gelegenheiten. Wir arbeiten in den Referaten Seelsorge für Menschen mit Behinderungen ja auch mit vielen Einrichtungen zusammen. Und dort gibt es viele Situationen, jetzt auch gerade in den Corona-Zeiten, wo Gottesdienste in kleinerer Form stattfinden, die Mitarbeitende in den Einrichtungen und auch Menschen mit Behinderung mitgestalten. Das sind zum Beispiel Situationen von Trauer oder von Freude, wenn gefeiert wird oder wenn etwas Trauriges passiert ist. Auch für solche Situationen gibt es Lieder im LeiGoLo. 

DOMRADIO.DE: Hat das Singen vielleicht auch eine ganz besondere Bedeutung für manche Menschen mit Behinderung?

Merkens: Ich glaube schon. Eigentlich für alle Menschen. Man könnte es nochmal umdrehen. Jeder kennt das Gefühl, wenn in einem Gottesdienst wenig Menschen mitsingen und dadurch keine besondere Stimmung aufkommt. Wir machen seit Jahren inklusive Gottesdienste bei verschiedensten Veranstaltungen. Und wenn man erlebt, wie Menschen gemeinsam - Menschen mit und ohne Behinderung - singen und welche Stimmung dabei entstehen kann, dann ist das schon ein deutliches Zeichen. Dann merkt man schon, wie wichtig Musik ist – für einen Gottesdienst, aber auch allgemein, um gemeinsam das Leben zu gestalten. 

DOMRADIO.DE: Auch Tipps zum gemeinsamen Singen stehen in diesem leichten Gotteslob. Was für Tipps sind das? 

Merkens: Wir haben ganz verschiedene Sachen. Das sind zum einen die Kategorien, die ich erwähnt habe. Wir haben etwas zu leichten und schweren Texten geschrieben. Wir haben ein paar Hinweise gegeben zu Aktionen und Bewegungen zu den einzelnen Liedern. Es gibt auch einige Lieder, zu denen wir Gebärdenzeichnungen eingefügt haben.

Oder ein ganz einfaches Beispiel: Viele Kanons kann man als Lied-Schleife singen. Beim ersten, zweiten Mal sind noch nicht alle dabei, aber spätestens beim dritten, vierten Mal singen alle mit. Wir haben aber auch etwas geschrieben über Instrumente, über Gelegenheiten zum Singen. Außerdem geben wir Tipps zur Auswahl von Liedern für den Gottesdienst, weil sich auch nicht jeder so gut damit auskennt. Das Ganze ist auch in leichter Sprache, sodass das auch gut in inklusiven Gruppen besprochen werden kann. 

DOMRADIO.DE: Das Buch ist ja gerade erst erschienen. Gibt es denn schon Reaktionen? 

Merkens: Ja, die ersten Reaktionen sind sehr positiv. Leute, die es bestellt haben, haben geschrieben, dass sie sich schon richtig darauf freuen, das Buch jetzt bald einsetzen zu können. Im Moment, in Corona-Zeiten, ist das ja noch nicht möglich. Aber das Buch kann eine Menge Vorfreude darauf ermöglichen, endlich wieder gemeinsam singen zu dürfen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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