Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte in Aktion mit Abstand
Bruder Paulus Terwitte in Aktion mit Abstand
Bruder Paulus nimmt eine Masken-Spende entgegen.
Bruder Paulus nimmt eine Masken-Spende entgegen.

31.03.2021

Kapuzinermönch Paulus Terwitte erhält Bundesverdienstkreuz Obdachlose zu Wort kommen lassen

Der Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte hat für seine Arbeit zugunsten von Menschen am Rande der Gesellschaft das Bundesverdienstkreuz erhalten. Auch wenn es sich "toll anfühlt", so bleiben für ihn noch Wünsche an die Allgemeinheit offen.

DOMRADIO: Sie werden für eine herausragende persönliche Leistung für das Gemeinwohl geehrt. Wie fühlt sich das an?

Paulus Terwitte (Kapuzinermönch und Vorstand der Franziskustreff-Stiftung in Frankfurt am Main): Ich war super überrascht, als ich den Brief geöffnet habe, den der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier, mir geschickt hat. Dass der Bundespräsident mir diesen Verdienstorden verliehen hat, fühlt sich schon irgendwie toll an. Und gleichzeitig weiß ich ja: Das ist eine Ehrung für viele.

DOMRADIO: Mit wem teilen Sie es?

Paulus: Mit meinem Mitbruder Michael, der die Einrichtung leitet, mit den sechs hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den über 60 Ehrenamtlichen sowie natürlich mit unseren Gästen selber. Weil ich glaube, dass wir mit unseren Gästen gemeinsam eine franziskanische Gastfreundschaft pflegen, in der wir uns auf Augenhöhe begegnen. Und das schätzen unsere Gäste.

DOMRADIO: Was sind Ihre Zukunftspläne?

Paulus: Bis ich 65 bin, werde ich auf jeden Fall noch weitermachen und will noch einiges erreichen: Zum Beispiel eine Krankenstation für obdachlose Menschen in Frankfurt. Ich möchte auch gerne "Housing First" voranbringen. Das heißt, ich suche Vermieter, die bereit sind, einen Obdachlosen sofort mit einem vollen Mietvertrag zu einer Wohnung zu verhelfen. Dafür habe ich auch eine gemeinnützige GmbH gegründet.

DOMRADIO: Sie wollen auch an Schulen gehen. Was haben Sie da vor?

Paulus: Ja, das ist mir auch noch ein sehr, sehr großes Herzensanliegen. Ich möchte gern einen Schulkoffer entwickeln, würde sehr gerne Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen, damit junge Menschen den Sozialstaat besser kennenlernen. Wir haben bei Führungen mit Schulklassen oft den Eindruck, dass die Schülerinnen und Schüler gar nicht wissen, in was für einem segensreichen Land sie eigentlich leben, wie der Sozialstaat funktioniert, wie Obdachlosigkeit entsteht.

Da möchten wir gerne unter den Unterrichtsmaterialien Obdachlose zu Wort kommen lassen, möchten zeigen, wie sieht ein Hartz IV-Antrag aus, was ist eine Räumungsklage, was macht die Schuldenberatungsstelle. Also da hab ich noch so einige Ideen, die ich verwirklichen will und Lehrerinnen und Lehrern an die Hand geben möchte.

DOMRADIO: Zum von Ihnen organisierten Franziskustreff kamen jeden Tag bis zu 160 Obdachlose zum Frühstück. Geht das noch?

Paulus: Wegen Corona sind die Plätze auf zwölf reduziert, wir halten Abstand und jeder Gast hat nur eine Viertelstunde fürs Frühstück Zeit. Wir haben eine Waschstation vor dem Frühstücksraum aufgebaut. Aber gleichzeitig bleibt es immer noch unsere Aufgabe, fröhlich und freundlich "Guten Tag" zu sagen und den Gästen das Gefühl zu geben, wenigstens in diesem kurzen Moment erlebe ich eine Art von Mütterlichkeit, Väterlichkeit, oder wie man das nennen will.

DOMRADIO: Was wünschen Sie sich? An welchen Stellen müssten noch mehr Menschen ganz genau hingucken? Und vor allem handeln? 

Paulus: Zum einen glaube ich, dass obdachlose Menschen Begegnung von Angesicht zu Angesicht brauchen. Also lieber einen obdachlosen Menschen zum Freund haben, als 30 Leuten einen Euro geben.

Zweitens wünschte ich mir, dass Menschen, die Immobilienbesitz haben, Wohnungen zur Verfügung stellen, ohne dass man gleich einen Arbeitsvertrag vorlegen muss.

Drittens wünschte ich mir, dass wir uns beim Wohnungsbau noch mehr dran erinnern, dass wir ein Sozialstaat sind und dass Eigentum verpflichtet. Auch die großen Wohnungsbaugesellschaften sollten bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. 

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

Die neue App von DOMRADIO.DE

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Tageskalender

Radioprogramm

 20.04.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Impfzentrum in Essener Pfarrei
  • Corona und Menschen in prekärer Lage
  • Kanzlerkandidatur von Grüne und Union
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Woche für das Leben: Leben im Sterben - Wie kann das gehen?
  • Laschet vs. Söder - welche Rolle spielt ihre religiöse Pragung?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Woche für das Leben: Leben im Sterben - Wie kann das gehen?
  • Laschet vs. Söder - welche Rolle spielt ihre religiöse Pragung?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Kandidatenkür der Parteien: wie sehen die katholischen Verbände die Wahl?
  • Super League: warum die Fans so verärgert sind
16:00 - 16:10 Uhr

Durchatmen

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Kandidatenkür der Parteien: wie sehen die katholischen Verbände die Wahl?
  • Super League: warum die Fans so verärgert sind
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Essener Pfarrei wird zum Impfzentrum
  • Corona und Menschen in prekärer Lage
  • Leben im Sterben - Wie kann das gehen?
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!