Wolfgang Thierse
Wolfgang Thierse

04.03.2021

Thierse erhält Unterstützung aus katholischer Kirche Kritik an Debattenkultur

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erhält Unterstützung aus dem Raum der katholischen Kirche. Er hatte die Debattenkultur bei Rassismus, Postkolonialismus und Gender-Themen kritisiert.

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer erklärte am Mittwoch auf Twitter, Thierse habe "eindringlich auf gravierende Probleme in der Debattenkultur unserer pluralen Gesellschaft aufmerksam" gemacht. Eine pluralistische Gesellschaft benötige einerseits eine Debattenkultur, in der Unterschiedlichkeiten formuliert werden könnten; andererseits müssten aber auch die gemeinsamen Grundlagen des Zusammenlebens deutlich werden.

Auch die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Ulrike Ackermann verteidigte die Kritik des SPD-Politikers an einer linken wie rechten Identitätspolitik. Wer in gesellschaftlichen Streitfragen eine unbequeme Meinung vertrete, dürfe nicht schon deshalb moralisch disqualifiziert werden, weil er eine andere Hautfarbe oder ein anderes Geschlecht habe, forderte Ackermann in einer Online-Veranstaltung der Berliner Katholischen Akademie. Diese Form der Auseinandersetzung habe zunehmend "das Debattenklima vergiftet".

Aggressive Debatten

Thierse hatte bemängelt, dass Debatten über Rassismus, Postkolonialismus und Gender-Themen heftiger und aggressiver würden, weil immer häufiger nicht inhaltliche Argumente, sondern die Identität der Gegner den Ausschlag gebe. Wegen dieser Einschätzung wurde er teilweise heftig angefeindet.

Ackermann plädierte dafür, unterschiedliche Meinungen nach ihren Argumenten und nicht nach der Person zu bewerten, die sie vertritt. So sei es falsch gewesen, AfD-Politiker anfangs in den Medien kein Forum zu bieten, anstatt sich mit ihren Positionen auseinanderzusetzen. Die Heidelberger Hochschulprofessorin kritisierte auch den Stil der Auseinandersetzungen in den TV-Talk-Shows. Sie seien nur noch "Präsentationstheater für Politiker".

Thierses Rolle in der SPD

Unterdessen hatte der "Tagesspiegel" am Dienstag berichtet, dass Thierse der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken offenbar seinen Parteiaustritt angeboten habe. Thierse habe Esken in einem Brief darum gebeten, ihm öffentlich mitzuteilen, ob sein "Bleiben in der gemeinsamen Partei weiterhin wünschenswert oder eher schädlich" sei. Er selbst habe Zweifel, "wenn sich zwei Mitglieder der Parteiführung von mir distanzieren".

Auslöser war demnach, dass Esken und SPD-Vize Kevin Kühnert zu einer Diskussion mit ausgewählten Parteimitgliedern eingeladen haben. In der Einladung hieß es laut "Tagesspiegel", man sei "beschämt" über SPD-Vertreter, die ein "rückwärtsgewandtes Bild der SPD" zeichneten. Vermutet wird, dass damit auch Thierse gemeint sein könnte.

(KNA)

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