Mehr Beratungen durch die Telefonseelsorge, vor allem per Chat
Mehr Beratungen durch die Telefonseelsorge, vor allem per Chat

23.02.2021

Telefonseelsorge registriert mehr Beratungen Starke Nachfrage beim Chat-Angebot

In der Corona-Pandemie hat die Telefonseelsorge Deutschland im vergangenen Jahr deutlich mehr Beratungskontakte gehabt. Es gab insgesamt mehr Anrufe, eine große Steigerung wurde jedoch bei einer anderen Kontaktmöglichkeit beobachtet. 

Die Telefonseelsorge in Berlin teilte mit, bei den Mailkontakten habe es eine Zunahme von rund 28 Prozent gegeben, bei den Chat-Angebot wurde eine Steigerung von über 70 Prozent gemessen. Der Zuwachs bei den eingegangenen Anrufen lag demnach bei 5, bei den telefonisch geführten Beratungsgesprächen bei rund 10 Prozent.

Die Steigerungen bei den Online-Angeboten sei interessant, weil damit überwiegend Jüngere erreichen würden, erklärte der Diplom-Theologe und Leiter der Telefonseelsorge Bochum, Ludger Storch. "Dass die 15- bis 39-Jährigen 2020 vermehrt Unterstützung gesucht haben, deckt sich mit zuletzt immer wieder von Psychologinnen und Psychologen zu hörenden Aussagen, dass gerade die Jüngeren verstärkt unter den Restriktionen durch die Pandemie leiden."

Einsamkeit, Depressionen, Ängste

Am Telefon wollen die Anrufer den Angaben zufolge vor allem über Einsamkeit, Krankheit und Depressionen sprechen. Bei Mail und Chat stünden die Themen Depressionen und Ängste an vorderster Stelle.

"Über die Hälfte unserer Telefon-Kontakte ist 50 Jahre und älter, umfasst also einen großen Teil derjenigen, die sich durch die Pandemie in ihren Sozialkontakten besonders einschränken mussten", so Storch. Im Vergleich zu 2019 habe es eine Steigerung um rund 27 Prozent gegeben. Das Thema könne aber alle Altersstufen umtreiben.

Keine wesentlich anderen Themen, aber Verschärfung

In den Statistiken habe sich an den Themen, wegen denen Menschen anrufen, abgesehen von der Corona-Pandemie "nichts Wesentliches" geändert. Verschärft habe sich für viele Menschen die Dringlichkeit ihrer Probleme, ein erhöhter Beratungsbedarf und der Wunsch nach emotionaler Unterstützung.

Die deutlichste Veränderung gebe es beim Thema Suizidalität, so Storch. "Wir sind bisher davon ausgegangen, dass es keine signifikant höhere Zahl von Gesprächen mit Menschen gab, die von Suizidgedanken gequält werden oder durch die Suizidalität eines Menschen im eigenen Umfeld betroffen sind. Aus den endgültigen Zahlen ergibt sich aber, dass solche Gespräche um 17 Prozent zugenommen haben."

Storch erklärte, dass die Telefonseelsorge als Einrichtung für Suizidprävention gegründet worden sei. "Das ist unser wichtigster Auftrag, und wir sind froh über jeden, der sich in einer existenziellen Krise befindet und bei uns Unterstützung sucht."

(KNA)

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