Eine Frau im Rollstuhl
Eine Frau im Rollstuhl

27.09.2020

Karen Schallert als Mentorin ausgezeichnet "Die größte Hürde war ich selbst"

Frau mit Handicap – zwei ungünstige Faktoren, um Karriere zu machen. Dass es aber doch geht, dafür sorgt auch der katholische Hildegardis-Verein mit seinem Expertinnen-Netzwerk – Karen Schaller ist eine von ihnen.

DOMRADIO.DE: Sie wurden von der Deutschen Gesellschaft für Mentoren als "Mentorin des Jahres 2020" ausgezeichnet. Sie unterstützen Akademikerinnen mit Behinderungen in der Berufswelt Fuß zu fassen. Welche persönliche Erfahrung bringen Sie mit?

Karen Schallert (Ehrenamtliche Mentorin beim Hildegardis-Verein): Ich habe seit dem Jahr 2000 Multiple Sklerose, war zu der Zeit Personalleiterin im internationalen Anlagenbau und habe dann auch den Rollstuhl nutzen müssen. Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, behindert zu sein und gleichzeitig im Beruf "die Frau zu stehen".

DOMRADIO.DE: Was war für Sie die größte Hürde, die Sie überwinden mussten?

Schallert: Die größte Hürde war ich selbst. Die Geschäftsführung hat das alles sehr wohlwollend unterstützt. Ich war immer diejenige, die gesagt hat: Ich bin doch die Belastung. Ich bin doch das Risiko. Daher war es, glaube ich, mein eigener Kopf, der das ein bisschen torpediert hat.

DOMRADIO.DE: Mit welchen Behinderungen versuchen die Frauen, die Sie jetzt in Ihrer Arbeit betreuen, klarzukommen?

Schallert: Ich habe eine Akademikerin mit Multipler Sklerose. Die zweite hat eine Sehbehinderung. Die andere hat Panik-Angstattacken. Dann habe ich noch eine, die ich begleite, weil sie im Rollstuhl sitzt.

DOMRADIO.DE: Welche Fähigkeiten können Akademikerin mit Handicap denn bei Ihnen erlernen?

Schallert: Erlernen brauchen sie das gar nicht. Sie müssen das Bewusstsein haben, dass man aufgrund des Handicaps wirklich großartige Kompetenzen trainiert. Ich als Rollstuhlfahrerin muss permanent um Hilfe bitten. Das heißt: Ich bin wahrscheinlich teamfähiger, ich bin kommunikativer, ich denke in Lösungen, nicht in Problemen – weil ich sonst nicht durch den Alltag kommen kann.

DOMRADIO.DE: Wie sieht Ihre Arbeit größtenteils aus?

Schallert: Ich treffe mich über Zoom oder Skype mit den Akademikerinnen, und dann schauen wir, welche Themen grad anstehen. Bei der Jüngsten, die ich jetzt an Bord habe, da war es gerade das Thema "Bewerbungsgespräch - wie gehe ich da mit meiner Behinderung um?".

DOMRADIO.DE: Der Hildegards-Verein ist ein katholischer Verein. Welche Rolle spielt für Ihre Arbeit im Mentoring-Programm der Glaube?

Schallert: Für mich selbst war allein schon die Tatsache, dass Hildegardis-Verein mich angerufen hat und gefragt hat, ob ich Mentorin werden will, eine Botschaft von Gott. Ich war gerade in der Phase in der ich als Personalleiterin ausgestiegen war – bei dem Punkt "Was kann ich jetzt tun, ich bin ja nicht umsonst hier auf der Welt". Das war ein Fingerzeig.

DOMRADIO.DE: Jetzt wurden Sie zur Mentorin des Jahres 2020 gekürt. Was bedeutet Ihnen das?

Schallert: Natürlich erst einmal Wertschätzung, aber auch, dass Akademikerinnen mit Handicap in den Mittelpunkt gerückt werden – wenigstens für eine kurze Zeit. Ich finde, das sind ganz großartige Menschen, die eine Bereicherung für die Arbeitswelt darstellen. Wir denken darüber aber nicht nach. Ich möchte einfach, dass die ganzen Personalleiter und -leiterinnen oder Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, die gerade um uns herum sind, darüber nachdenken – wenn nicht sogar aktiv nach so gut ausgebildeten Menschen mit Handicaps suchen.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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