21.09.2020

Mehr Beratungsbedarf wegen Finanzproblemen in der Corona-Krise Das Geld wird bei vielen Bürgern knapp

Anfangs kamen die Menschen wegen abgesagter Reisen, nun geht es um existenzielle Ängste: Je länger die Pandemie anhält, desto gravierender werden die finanziellen Probleme. Beratungsstellen kommen langsam auch an ihre Grenzen.

Wer zu Beginn der Pandemie einen Termin bei den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen ausmachte, hatte rückblickend fast banale Probleme. Es ging um Fragen wie stornierte Urlaubsreisen oder abgesagte Veranstaltungen. In den vergangenen Wochen, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, habe die Zahl der Beratungen bei ernsten finanziellen Problemen aber "besorgniserregend" zugenommen.

Die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale sind nicht die einzigen, die die zunehmende finanzielle Not vieler Menschen erleben.
Auch wenn die Zahl der Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter und saisonbereinigt die der Arbeitslosen im Juli zurückgegangen ist, gehen die Geldprobleme vieler nicht einfach weg. Zudem sind einige staatliche Hilfen bereits ausgelaufen. So kann Mieterinnen und Mietern seit dem 1. Juli wieder gekündigt werden, wenn sie Zahlungsrückstände nicht begleichen können.

Oft pandemiebedingte Zahlungsschwierigkeiten

Beim Deutschen Mieterbund drehen sich aktuell rund zehn Prozent der Beratungen um das Thema Corona und Miete, sagt Pressesprecherin Jutta Hartmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das entspreche circa 10.000 Beratungen pro Monat. In den Gesprächen gehe es oft um pandemiebedingte Zahlungsschwierigkeiten. "Die Miete ist in vielen Großstädten und Ballungszentren sehr hoch, so dass sich bereits ein geringerer Einkommensverlust gravierend auswirkt", sagt Hartmann. Viele Menschen seien nach wie vor in Kurzarbeit oder litten unter Einkommenseinbußen. "Die Probleme werden sich daher sicher in den kommenden Monaten verschärfen."

Auch die Schuldnerberatungen der Diakonie rechnen für den Herbst mit einem Ansturm an Hilfesuchenden. Schon jetzt verzeichneten die Beratungsstellen deutlich mehr Anfragen, teilt der evangelische Wohlfahrtsverband mit. Zunehmend kämen auch Menschen mit mittlerem Einkommen und nicht nur solche, die bereits vor der Krise überschuldungsgefährdet waren.

Mehr Menschen bei Schuldnerberatung

Mit Schuldenproblemen beschäftigt sich auch die Verbraucherzentrale NRW. Es gebe einen deutlichen Anstieg bei den Hilfesuchenden in der Schuldner- und Energiearmutsberatung, sagt Vorstand Schuldzinski. Oftmals gehe es um Beratungen zu Pfändungsschutzkosten. Diese stellen bei einer Kontopfändung sicher, dass ein gewisser Betrag nicht von den Gläubigern eingezogen werden kann. Ratsuchenden gehe es bei diesen Konten oft "um die Sicherung von Corona-Soforthilfen wie dem Pflegebonus, dem Corona-Kinderbonus oder Hilfen für Studierende", sagt Schuldzinski. Ziel der Beratung sei es, dass die Hilfen ihren eigentlichen Zweck erfüllen und nicht zur Schuldentilgung an Gläubiger fließen.

Bei den Hilfestellen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di war besonders zu Beginn der Pandemie viel los. Damals kamen vor allem Menschen in schwierigen Arbeitsbedingungen mit Fragen zur Kurzarbeit, zu Kündigungen und zu auslaufenden befristeten Verträgen. "Die Insolvenz vieler kleiner Unternehmen trifft insbesondere Geringqualifizierte und prekär Beschäftigte", sagt ver.di-Pressesprecherin Daniela Milutin. Diese Menschen bräuchten Unterstützung, damit sie ihre Ansprüche und Rechte vertreten können.

Für Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, reicht eine Verlängerung der Kurzarbeit nicht - Beschäftigte können nun bis zu zwei Jahre Kurzarbeitergeld bekommen.
Die Mietzahlungen müssten ebenso wie die Kredittilgung weiterhin ausgesetzt werden, fordert Loheide. "Wir dürfen Menschen, die durch die Corona-Krise in die Schuldenfalle geraten sind, in ihrer Not nicht alleine lassen."

Jana-Sophie Brüntjen
(epd)

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