Sozial Schwache sind von der Corona-Krise besonders hart getroffen
Sozial Schwache sind von der Corona-Krise besonders hart getroffen

04.08.2020

Armutskonferenz dringt auf Corona-Hilfen für Arme "Arme nicht leer ausgehen lassen"

In der Coronavirus-Pandemie fordert die Nationale Armutskonferenz mehr schnelle Hilfen für Menschen in Armut. "Arme Menschen brauchen Unterstützung im Hier und Jetzt", sagte Armutskonferenz-Sprecher Gerwin Stöcken, der zugleich Sozialstadtrat in Kiel ist.

Viele arme Menschen treffe die Pandemie in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht besonders hart, sagte Gerwin Stöcken im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zwar sei es richtig und wichtig, der Wirtschaft mit Milliardenzuschüssen und -darlehen aus der Krise zu helfen. Dabei dürften aber die Probleme der armen Menschen nicht übersehen werden. Deshalb sollte die Politik zügig die Hartz-IV-Sätze und die Grundsicherungsleistungen erhöhen.

Kein Geld für Mehrkosten

Einkommensschwache müssten bis heute zusehen, wie sie die Corona-bedingten Mehrkosten beispielsweise für Alltagsmasken, Desinfektionsmittel oder für teurere Lebensmittel finanzieren, betonte Stöcken: "Sie haben für diese Mehrkosten keinen Eurocent mehr erhalten." Das sei nicht akzeptabel. "Wer Milliarden für die Reichen hat, darf die Armen nicht leer ausgehen lassen", forderte der Armutskonferenz-Sprecher. Die Nationale Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, Gewerkschaften und weiteren Organisationen.  

Sozial Schwache nicht abhängen    

Bei der Digitalisierung warnte Stöcken, Haushalte mit geringem Einkommen abzuhängen. "Wer jetzt nicht dabei ist, ist und bleibt raus", sagte er. Das sei bei Kindern und Jugendlichen besonders dramatisch: "Wie sollen Kinder die Schulaufgaben machen, wenn sie keinen PC haben?" Vielen Kindern drohe dadurch der Ausschluss von der Bildung. "Das ist eine extrem gefährliche Entwicklung", warnte Stöcken und fügte hinzu: "Der Gedanke, dass die Bekämpfung von Armut künftig noch schwieriger wird, nur weil wir es heute nicht schaffen, Kinder und Jugendliche an der Digitalisierung teilhaben zu lassen, ist schlicht unerträglich."

Von Christina Denz
(epd)

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