Abholzung des Regenwaldes in Brasilien
Abholzung des Regenwaldes in Brasilien
Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro

18.07.2020

EU-Importe aus Brasilien durch illegale Abholzung belastet Bolsonaro stoppt Brandrodungen - aber erst nach harscher Kritik

Vor einem Jahr gingen Bilder des lichterloh brennenden Amazonaswaldes um die Welt. Jetzt will Brasiliens Regierung per Dekret verhindern, dass sich die verheerenden Brände wiederholen. Doch Umweltschützer sind skeptisch.

Mit seiner Ankündigung, für vier Monate Brandrodungen im Amazonas-Regenwald zu verbieten, hat der brasilianische Präsident Jair Messias Bolsonaro für eine Überraschung gesorgt. Der Erlass am Donnerstag kam just zum Beginn der buchstäblich brandgefährlichen Trockenzeit - und nach scharfer Kritik an Bolsonaros Umweltpolitik. Denn die Maßnahme dient offenbar auch der Imagepflege, wie wissenschaftliche Untersuchungen nahe legen.

So geht aus einer am Donnerstag verbreiteten Studie der Wissenschaftszeitschrift Science hervor, dass rund ein Fünftel der europäischen Fleisch- und Sojaimporte aus Brasilien aus illegal abgeholzten Produktionsstätten im Amazonaswald und in der Cerrado-Savanne stammen. Um die vor allem von europäischen Politikern und Unternehmen kritisierte Waldzerstörung zu bremsen, ordnete die Regierung Bolsonaro nun den 120-tägigen Stopp von Brandrodungen im Amazonasgebiet sowie im angrenzenden Pantanal-Sumpfgebiet an.

Ein Fünftel der Importe sind illegal

Laut der von deutschen, brasilianischen und amerikanischen Forschern erstellten Studie stammen 20 Prozent des importierten Soja und 17 Prozent des importierten Rindfleischs von zuvor widerrechtlich abgeholztem Farmland. Gleichzeitig bescheinigten die Forscher der Mehrheit der Landwirtschaftsbetriebe, sich an die Umweltgesetze zu halten. Allerdings gebe es einige "faule Äpfel", so der Name der Studie, unter den Produzenten.

In den vergangenen Wochen war Brasiliens Regierung von ausländischen Unternehmen und Investoren scharf kritisiert worden. Investmentfonds drohten gar mit dem Abzug von Milliardeninvestitionen aus dem südamerikanischen Land, sollte die Vernichtung des Waldes nicht gestoppt werden. Vizepräsident Hamilton Mourao plant deshalb, den im Mai begonnenen Einsatz von rund 3.000 Soldaten im Amazonasgebiet bis Ende 2022 zu verlängern.

Zu wenig staatliche Kontrolle

Kritiker halten dagegen, dass die Militärs es nicht geschafft haben, die Abholzung und die Brände zu unterbinden. Sowohl im Mai, als auch im Juni nahmen Brände und Abholzung in Amazonien zu. Vielmehr müssten die staatlichen Umweltkontrollbehörden Ibama und ICMBio personell aufgestockt werden, fordern die Kritiker. Zwar kündigte Mourao auch hier Initiativen an, allerdings ist fraglich, ob Haushaltsmittel dafür bereitstehen. Brasilianische Umweltschützer vermuten hinter dem Militäreinsatz lediglich eine PR-Aktion der Regierung, um die Kritik aus dem Ausland zu besänftigen.

Dazu passt der vorübergehende Stopp der Brandrodungen. Damit soll verhindert werden, dass sich die verheerenden Brände des letzten Sommers wiederholen. Damals gingen die Bilder des lichterloh brennenden Waldes um die Welt. Das Dekret laufe jedoch ins Leere, meinen Umweltschützer. Da die meisten Brände illegal gelegt werden, mache es keinen Sinn, jetzt die Ausstellung von Genehmigungen für das gezielte Legen von Bränden zu stoppen.

Politische Spannungen

Präsident Bolsonaro beschuldigte die Europäische Union am Donnerstag, allein aus wirtschaftlichen Interessen Brasilien beim Umweltschutz zu attackieren. "Europa ist eine Umwelt-Sekte, die selber nichts schützt oder aufforstet", so Bolsonaro. Dahinter stecke das Interesse, Brasiliens Agrarhandel zu schwächen und sich brasilianisches Land unter den Nagel zu reißen, so der seit 18 Monaten amtierende Staatschef. "Im vergangenen Jahr hatten sie ein Auge auf die Amazonasregion geworfen, jetzt wollen sie ganz Brasilien."

Im vergangenen Jahr waren in Brasilien rund 10.000 Quadratkilometer Amazonaswald abgeholzt worden. In diesem Jahr drohen weitere Steigerungen von 20 bis 30 Prozent. In mehreren europäischen Parlamenten werden deshalb die Stimmen lauter, die eine Ablehnung des erst im vergangenen Jahr ausgehandelten Handelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur-Block, zu dem Brasilien gehört, fordern. Andere europäische Politiker wollen hingegen das Abkommen als Druckmittel nutzen, um Brasilien Zugeständnisse beim Umweltschutz abzupressen.

Thomas Milz

(KNA)

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