Schilder in Schönstatt
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Pater Josef Kentenich, Gründer der internationalen Schönstattbewegung in Vallendar
Pater Josef Kentenich, Gründer der internationalen Schönstattbewegung in Vallendar

15.07.2020

Experte für weitere Forschungen zu Schönstatt-Gründer Kentenich Seligsprechungsprozess einstellen?

Der ehemalige Postulator des Seligsprechungsverfahrens für Pater Josef Kentenich hat sich offen für weitere Nachforschungen zu dem Schönstatt-Gründer gezeigt. Wie geht es nun in diesem Prozess weiter?

In den ihm bekannten Akten habe er aber keinen Hinweis auf einen etwaigen sexuellen Übergriff Kentenichs gefunden, sagte Pater Angel Strada, der von 1997 bis 2017 als sogenannter Postulator das Seligsprechungsverfahren inhaltlich und organisatorisch begleitet hat, in einem Interview auf der Website der Schönstatt-Bewegung. Das Portal katholisch.de und "Die Tagespost" hatten zuerst darüber berichtet.

"In den bisher gesichteten Akten gibt es keine einzige Spur, die auf einen Fall von sexuellem Missbrauch hindeuten würde", betonte Strada in dem Interview. Er fügte aber hinzu: "Wenn es in den Dokumenten des bisherigen Geheimarchivs in Rom überzeugende Zeugnisse gibt, die einen Missbrauch klar beweisen, dann muss die Kirche entscheiden, den Seligsprechungsprozess zu beenden. Das wird dann unsere vollständige Unterstützung finden."

Indizien für Machtmissbrauch?

Auf die Frage, ob man etwas über Machtmissbrauch durch den Gründer der geistlichen Bewegung in den bisherigen Akten finde, sagte Strada: "Was man findet, sind Aussagen von wenigen Schwestern, die sich von Pater Kentenich hart, ungerecht oder unverstanden behandelt fühlten."

Die italienische Theologin Alexandra von Teuffenbach hatte einen Text veröffentlicht, in dem sie Kentenich (1885-1968) systematische Manipulation von Mitgliedern der Gemeinschaft und sexuelle Übergriffe gegen eine Schwester vorwirft. Sie stützt sich dabei auf seit März zugängliche Dokumente aus den Archiven des Vatikan.

Kentenich wurde 1951 vom Vatikan ins Exil in die USA geschickt und kehrte 1965 nach Schönstatt zurück. Dokumente zu den Hintergründen des Exils sind bislang nicht öffentlich zugänglich.

Vatikan: Kentenich 'unbelehrbar'

Auf die Frage, wie die "Verbannung" des Schönstatt-Gründers begründet worden sei, sagte Strada, nach Meinung des Heiligen Offiziums - so die damalige Bezeichnung der Glaubenskongregation im Vatikan - seien "einige Entwicklungen in Schönstatt zu korrigieren" gewesen. "Sie sagten, das ist nicht möglich, wenn Kentenich da ist, denn er sei 'unbelehrbar'." Weiter werde in einem Dokument die Behauptung einiger Bischöfe aufgegriffen, Pater Kentenich habe einen "Dachschaden" erlitten, als er im KZ Dachau gewesen sei, so Strada. In einem daraufhin verlangten psychologischen Gutachten habe ein Arzt Kentenichs Verhalten aber als vollkommen normal eingestuft.

Auf die Frage, welche Dokumente des Vatikans es gebe, in denen eine Rehabilitierung Pater Kentenichs ausgesprochen werde, sagte Strada:
"Es gibt kein Dokument dazu. Das Heilige Offizium hatte die Praxis, keine Aufhebungs-Dokumente auszustellen." Eine Rehabilitierung könne man aber folgenden Tatsachen entnehmen, so Strada: "Er kehrt von Milwaukee nach Rom zurück und macht mit Wissen des Heiligen Offiziums alle Sachen, die ihm vorher verboten waren: zum Beispiel übernimmt er wieder die geistliche Leitung der Marienschwestern und der Schönstatt-Bewegung."

Am 22. Dezember 1965 habe Kentenich eine Audienz bei Papst Paul VI. bekommen. Die damaligen deutschen Bischöfe seien zudem einverstanden gewesen, dass er zurück nach Deutschland komme. Der damalige Kurienkardinal Ildebrando Antoniutti (1898-1974) habe daraufhin Pater Kentenich "die volle Freiheit" gegeben, so Strada.

Nach Bekanntwerden der jetzigen Vorwürfe hatte der zuständige Trierer Bischof Stephan Ackermann Anfang Juli angekündigt, eine zweite Historikerkommission einzusetzen. Sie soll die neu zugänglichen Dokumente aus den Archiven des Vatikan prüfen.

Norbert Demuth

(KNA)

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