Die Bedeutung der Hygiene wird gerade in der Corona-Krise deutlich
Die Bedeutung der Hygiene wird gerade in der Corona-Krise deutlich
Florence Nightingale
Florence Nightingale

12.05.2020

Zum 200. Geburtstag von Florence Nightingale Strikte Hygiene gefordert

In Zeiten der Corona-Krise ist die Bedeutung einer guten Pflege besonders deutlich geworden. Viele der heutigen Standards gehen auf die Britin Florence Nightingale zurück. Sie gilt als Pionierin der Krankenpflege.

"Jede Pflegende sollte darauf achten, ihre Hände im Laufe des Tages sehr häufig zu waschen": Ihre Anweisungen klingen wie ein aktueller Ratschlag des Bundesgesundheitsministers zur Corona-Krise. Und doch stammen die Regeln, die die Britin Florence Nightingale für die Pflege aufstellte, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Sie war die Erste, die auf strikte Hygiene pochte. Nightingale gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege. Mit der Versorgung verwundeter Soldaten im Krimkrieg (1853-1856) trug sie wesentlich zum Ausbau eines Sanitätswesens bei.

Vor 200 Jahren geboren

Am 12. Mai vor 200 Jahren wurde sie in Florenz geboren. An ihrem Geburtstag wird der Internationale Tag der Krankenpflege begangen. Die Weltgesundheitsorganisation hat 2020 ihr zu Ehren zum Internationalen Jahr der Pflegekräfte und Hebammen erklärt.

Krankenpflege war bis in die Neuzeit fast ausschließlich eine Tätigkeit von Ordensleuten. Der Wandel zu einem Beruf, der vor allem von Frauen ausgeübt wurde, fand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt. Florence verlebte eine unbeschwerte Kindheit auf dem Landsitz ihrer wohlhabenden Familie. Sie wurde überwiegend von ihrem Vater unterrichtet, der seine wissbegierige Tochter nach Kräften förderte. Die Mutter legte jedoch Wert darauf, dass Florence eine möglichst gute Partie machte. Allzu gebildete Ehefrauen standen nicht hoch im Kurs.

Florence selbst wollte nicht heiraten. Bereits mit 17 Jahren hatte sie eine, wie sie sagte, "göttliche Eingebung", die sie auf den Weg der Krankenpflege wies. "Absurd" fanden das ihre Angehörigen. Viele Jahre kämpfte Florence für ihren Weg. Während dieser Zeit bildete sie sich im Spitalwesen weiter. 1851 absolvierte sie ein dreimonatiges Praktikum in den Diakonischen Anstalten Kaiserswerth bei Düsseldorf. Die Praxis der Wundversorgung und der Verwaltung lernte sie bei den Barmherzigen Schwestern in Paris kennen.

Medizinische Versorgung im Krimkrieg

1853 gab ihr Vater nach und setzte ihr eine jährliche Leibrente aus, die sie finanziell unabhängig machte. Für mehrere Monate übernahm sie die Leitung eines Hospitals für kranke Damen - ohne Bezahlung. Doch dann brach der Krimkrieg aus, und in der englischen Presse erschienen Berichte über die katastrophalen Bedingungen in Lazaretten. Die meisten Soldaten starben nicht auf dem Schlachtfeld, sondern an Infektionskrankheiten. Es fehlte an medizinischem Material und Hygiene.

Kriegsminister Sidney Herbert bat Nightingale um Unterstützung. "Ich kenne in ganz England nur eine Person, die in der Lage ist, ein solches Vorhaben zu organisieren", schrieb er ihr. Im Oktober 1854 reiste sie ins heutige Istanbul, begleitet von 38 Pflegerinnen, darunter auch Nonnen.

Bei den Sanitätsoffizieren stieß ihr Hilfsangebot allerdings auf Widerstand. Man sah in ihr eine Zivilistin und einen Spitzel des Ministeriums. Nur mit viel Diplomatie und strikter Unterwerfung unter die Militärdisziplin erreichte sie, dass die Pflegerinnen überhaupt zu den Kranken gelassen wurden. Als sie 1857 nach England zurückkehrte, wurde sie als Nationalheldin gefeiert.

Engagement für das Sanitätswesen

Doch Nightingale war weit mehr als die gütige "Lady with the Lamp" im Kriegslazarett. Sie versuchte, die Zustimmung für eine umfassende Reform des Sanitätswesens zu nutzen. Doch dabei musste sie feststellen, dass ihr Ruhm größer war als ihr Einfluss. Anerkennung kam von anderer Seite. Henri Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, sagte einmal: "Was mich 1859 bewog, auf die italienischen Kriegsschauplätze zu reisen, war Miss Nightingales Werk im Krimkrieg."

Bei Nightingale verbanden sich soziales Engagement mit hoher Intelligenz, strategischer Weitsicht und organisatorischer Begabung. Doch zahlte sie einen hohen Preis. Nach der Rückkehr von der Krim brach sie zusammen. Über Jahrzehnte hindurch war sie überwiegend bettlägerig - und vereinsamte.

Ihr letztes großes Projekt war die Gründung einer Krankenpflegeschule. Sie gab Empfehlungen für die Krankenpflegeausbildung, die Einrichtung von Militärkrankenhäusern, die Ausbildung der Militärärzte und entwickelte statistische Modelle. Allmählich erblindete sie und wurde dement. Späte Ehrungen nahm sie nicht mehr wahr. Am 13. August 1910 starb Nightingale 90-jährig in London.

Christoph Arens
(KNA)

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