Unerträgliche Zustände für Arbeiter aus Osteuropa
In der Fleischindustrie arbeiten viele Werkvertragsarbeiter

12.05.2020

Corona-Krise bestätigt Kritik von Sozialpfarrer Peter Kossen Coesfeld eine "Katastrophe mit Ansage"

Seit Jahren mahnt er: der katholische Pfarrer Peter Kossen setzt sich für die Rechte von Arbeitsmigranten in der Fleischindustrie ein. Die nun in Coesfeld aufgetretenen Corona-Fälle scheinen seine Kritik zu bestätigen.

Durch die Häufung der Corona-Fälle im Landkreis Coesfeld stehen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebe zur Zeit im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Stimmen aus der Politik fordern Aufklärung. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagte dem Deutschlandfunk am Montag, er habe kein großes Vertrauen in die Arbeitsbedingungen der Schlachtindustrie. Die NRW-SPD sprach von "unhaltbaren Zuständen" und rief die Landesregierung auf, durchzugreifen.

Für den katholischen Sozialpfarrer Peter Kossen kommt der plötzliche Anstieg der Infektionen unter den Arbeitern nicht überraschend. Schon zu Beginn der Corona-Pandemie im März hatte er eindringlich gewarnt, dass die Betroffenen der Krankheit wehrlos ausgeliefert seien.

"Katastrophe mit Ansage"

Nun scheint seine Voraussage Realität zu werden. Weit über 200 Mitarbeiter einer Fleischfabrik in Coesfeld sind inzwischen an Corona erkrankt. Für Kossen eine "Katastrophe mit Ansage". Nach dem Öffentlichwerden der Neuinfektionen startete er eine "Ein-Mann-Demo" vor dem Betriebsgelände von "Westfleisch". Am Wochenende protestierte er, mit Mundschutz, gegen harte Arbeitsbedingungen und schlechte Wohnsituationen.

Die Arbeiter, bei denen es sich vielfach um Migranten aus dem südosteuropäischen Raum handle, seien "als ausgelaugte Personen besonders anfällig für die Pandemie". "Ich bin fest davon überzeugt, dass sich in den nächsten Tagen weitere Orte herausstellen werden in der Fleischindustrie, die die gleichen Phänomene zeigen werden", so Kossen.

Engagement für Arbeiter

Schon weit vor der Corona-Krise machte Kossen immer wieder auf Missstände in der Branche aufmerksam. Ab 2011 war er fünf Jahre lang in der Leitung des zum Bistum Münster gehörigen Offizialats Vechta in Niedersachsen eingebunden. In der Region ist die Fleischindustrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Seelsorger, der aus dem ebenfalls niedersächsischen Visbek stammt, prangerte medienwirksam Lohndumping und Ausbeutung vor allem von ausländischen Arbeitern in der Fleischindustrie an.

So lange sich Kossen für die Arbeitsmigranten engagierte, solange brachte ihn dies auch in Konflikte, beispielsweise mit der Politik. So warf ihm der Bürgermeister seiner Heimatstadt Visbek im vergangenen Jahr vor, zu pauschal und undifferenziert Vorwürfe zu erheben. Damit bringe er die ganze Gemeinde in Misskredit und erzeuge einen falschen Eindruck von den Bemühungen vor Ort, die Situation der Arbeiter zu verbessern.

Hoffnung auf Verbesserungen

Auf eigenen Wunsch wechselte Kossen 2016 von Vechta ins nordrhein-westfälische Lengerich. Sein soziales und menschenrechtliches Engagement setzte er dort unvermindert fort. Anfang vergangenen Jahres gründete sich auf seine Initiative der Verein "Aktion Würde und Gerechtigkeit". Dieser setzt sich dafür ein, Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa zu unterstützen und über ihre Rechte aufzuklären.

Seit März hat der Verein eine eigene Geschäfts- und Beratungsstelle in Lengerich. "Unsere Netzwerk- und Aufklärungsarbeit werden gut angenommen", erklärt der Pfarrer. Dennoch sei es nicht immer einfach, den Kontakt zu Betroffenen herzustellen. "Die Menschen stehen unter hohem Druck. Sie wollen nicht auffallen."

Kossen sieht die Politik weiterhin in der Pflicht zu handeln. "Die NRW-Regierung hat durchaus den Willen etwas zu ändern und das auch durch die Kontrollen im letzten Jahr ausgedrückt." Dennoch seien Verbesserungen für die Arbeiter bisher leider nur Randerscheinungen. "Mit Appellen und Selbstverpflichtungserklärungen der Betriebe alleine ist da nicht viel zu machen", betont er. "Eine Tierwohl-Ampel gibt es inzwischen auf Fleischprodukten, eine fürs Menschenwohl aber leider noch nicht."

Johannes Senk
(KNA)

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