Altenpfleger füttert eine Bewohnerin im Altenheim
Altenpfleger füttert eine Bewohnerin im Altenheim
Baris Groos, Leistungsbereichsleiter beim Caritasverband für die Stadt Köln
Baris Groos, Leistungsbereichsleiter beim Caritasverband für die Stadt Köln

05.03.2020

Caritas: Noch wenig Einschränkungen wegen Corona-Gefahr in Altenheimen "Infektionsschutz gehört bei uns zum Alltag"

Bei den meisten Infizierten mit dem neuen Coronavirus verläuft die Erkrankung mild. Zur Risikogruppe gehören jedoch alte Menschen. Baris Groos vom Caritasverband der Stadt Köln zu den Folgen für Seniorenheime.

DOMRADIO.DE: Wie gehen denn die Bewohnerinnen und Bewohner mit der Gefahr des neuen Virus um? Haben die Angst?

Baris Groos (Leistungsbereichsleiter beim Caritasverband für die Stadt Köln): Bei den Bewohnern ist zunächst nicht festzustellen, dass sie besondere Ängste haben, ebenso bei den Angehörigen. Nun ist der Pflegebereich ja einer, in dem viele Menschen dicht beieinander sind, ebenso wie es in Kitas oder Schulen der Fall ist. Und Infektionskrankheiten in verschiedener Form gehören eben ein Stück weit auch zum Alltag in einer solchen Pflegeeinrichtung.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich gestern mit anderen Verantwortlichen getroffen, um über eine Art Notfallplan zu beraten. Wie groß schätzen Sie denn überhaupt die Gefahr für Menschen in Altenheimen ein?

Groos: Aufgrund der medialen Berichterstattung ist natürlich jeder für dieses Thema sensibilisiert, hat damit auch verbundene Sorgen und Ängste. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion eine Einrichtung wie unsere erreicht, ist genauso hoch wie bei allen anderen Einrichtungen. Ob Sie jetzt hier durch die Einkaufsstraße gehen - in den Kaufhäusern können Sie genausogut Kontakt haben mit jemanden, der bereits den Infekt hat, bei dem er aber vielleicht noch nicht ausgebrochen ist. Bei uns in den Einrichtungen ist das genauso. Wie gesagt, dort leben sehr viele Menschen auf engem Raum. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Infektion ausbreitet, natürlich genauso hoch.

DOMRADIO.DE: Ältere Menschen gelten als Risikogruppe. Welche Maßnahmen haben Sie bereits ergriffen oder werden Sie noch ergreifen gegen das Virus?

Groos: Dieses Virus ist ja nicht der Fall Eins. Das heißt, Infektionskrankheiten gehören an Orten, wo viele Menschen dicht beieinander leben, dazu. Wir haben Einrichtungen bis zu einer Größe von teilweise 100 Bewohnern mit entsprechend vielen Mitarbeitern. Da kommt es vor, dass Infektionen sich ausbreiten. Die meisten kennen wahrscheinlich den Begriff des Norovirus, der sich auf den Magen-Darm-Trakt auswirkt. All das ist nicht nur in unseren Einrichtungen, sondern auch in den Einrichtungen bundesweit immer wieder ein Thema.

Dementsprechend gibt es natürlich den Infektionsschutz, der auch verschriftet ist. Jeder Mitarbeiter kann also theoretisch auch noch einmal neu nachlesen, wie er sich verhalten soll. Aber Infektionsschutz - etwa die Hände-Desinfektion - gehört zum Alltag. Die hohe Sensibilität - ich will es noch nicht Panik nennen, aber die Überempfindlichkeit bei diesem Thema - kann eigentlich bei uns in den Einrichtungen nicht oder nur schlecht nachvollzogen werden. Denn Infektionsschutz gehört wie gesagt bei uns zum Alltag.

DOMRADIO.DE: Ergreifen Sie jetzt noch besondere Maßnahmen aufgrund des Virus, oder sagen Sie: Wir sind so gut vorbereitet, wir müssen nicht noch extra Maßnahmen ergreifen.

Groos: Das Problem ist, dass das komplette Ausmaß dieser Erkrankung noch nicht abgeschätzt werden kann. Sollte sich das hier in Deutschland auch zuspitzen - das heißt, sollten sich Todesfälle mehren, würde man sicherlich nochmal genauer hinschauen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Was wir schon überlegt haben, ist, welche Maßnahmen wir ergreifen, wenn Fälle bei uns in den Einrichtungen auftreten - glücklicherweise ist das bisher noch nicht der Fall.

Das Robert-Koch-Institut gibt im Moment täglich neue Handlungsempfehlungen heraus, die wir natürlich auch im Blick haben. Und in unserer gestrigen Besprechung ging es eben darum, schon mal zu überlegen: Welche Maßnahmen könnten wir noch ergreifen, falls die Situation eintritt, dass Mitarbeiter betroffen sind und nicht mehr zum Dienst kommen können?

DOMRADIO.DE: Können Sie schon Maßnahmen nennen?

Groos: Wenn das Personal fehlt, werden wir schauen, dass wir die Bewohner trotzdem gut versorgen können. Nur muss es dann eben mit den Menschen geschehen, die da sind. Wir haben tatsächlich auch überlegt, auf alle Ressourcen des Verbandes zurückzugreifen. Das heißt, auch jemand, für den es eigentlich eine artfremde Tätigkeit ist, könnte durchaus eingesetzt werden, um die Mitarbeiter, die dann noch vor Ort sind, zu unterstützen. Es geht jetzt nicht darum, den Menschen Tätigkeiten zu übertragen, für die eine Ausbildung erforderlich ist. Aber die Unterstützung kann auch anders aussehen - dass man die Bewohner begleitet, dass man einfach auch mal daneben sitzt, dass die Menschen die Betreuung haben, die sie brauchen.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja viel Besuch in Altenheimen. Verwandte kommen zu den Bewohnern, oder manchmal gibt es auch Ehrenamtliche, die einen Besuchsdienst versehen. Besteht die Gefahr, dass Sie ganze Altenheime schließen müssen, oder ist das sehr unwahrscheinlich?

Groos: Wie wollen Sie eine Pflegeeinrichtung schließen? Die Menschen, die bei uns untergebracht sind, wohnen bei uns. Das ist so, als würden sie sagen: Wir schließen jetzt das Hochhaus an der Luxemburger Straße. Auch dort leben Menschen. Die sind quasi schon zuhause. Das Besuchsrecht einzuschränken, ist im Moment auch eine Maßnahme, die wahrscheinlich das normale Maß überschreiten würde. Wenn jemand Krankheitssymptome aufweist, bitten wir natürlich darum, von Besuchen Abstand zu nehmen oder vielleicht einfach mal anzurufen und sich nach dem Befinden der Bewohnerinnen oder Bewohner zu erkundigen.

DOMRADIO.DE: Wichtig gerade bei christlichen Senioreneinrichtungen ist die Feier der Messe. Wie sehen da die Einschränkungen aus? Gibt es auch kein Weihwasser mehr, kein Friedensgruß per Hand oder keine Mundkommunion?

Baris Groos: Wir haben die Feiern der Messen nicht eingeschränkt, weil es dazu zunächst auch keinen Anlass gibt. Es gibt keinen Fall einer Infektion. Auch wenn eine normale Grippewelle in einer solchen Einrichtung vorhanden ist, werden die christlichen Feiern nicht eingeschränkt.

Das Interview führte Mathias Peter.

(DR)

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