Weiße Rose als Symbol des Widerstands
Weiße Rose als Symbol des Widerstands

29.01.2020

Vor 75 Jahren wurde der NS-Widerständler Hans Leipelt enthauptet "... und ihr Geist lebt trotzdem weiter!"

Hans Leipelt, Chemiestudent, aufgewachsen in Hamburg, starb mit nur 23 Jahren. Die Nazis ließen ihn am 29. Januar 1945 wegen "Wehrkraftzersetzung und Volksverhetzung" im Gefängnis München-Stadelheim enthaupten.

Der NS-Widerstandskämpfer Hans Leipelt ist vielen kein Begriff. Dabei war er maßgeblich beteiligt an der «Weißen Rose». Ein Stolperstein vor dem Hauptgebäude der Hamburger Universität, eine Gedenktafel im Foyer des Audimax sowie eine weitere Tafel vor einer Schule in Hamburg-Wilhelmsburg erinnern an den Studenten, der am 29. Januar 1945 im Münchner Gefängnis Stadelheim hingerichtet wurde.

Als "Halbjude" diskriminiert

Leipelt kommt am 18. Juli 1921 in Wien zur Welt. Seine Eltern Konrad und Katharina - er Ingenieur, sie Chemikerin - ziehen wegen einer Anstellung des Vaters nach Hamburg. Nach seinem Abitur 1938 meldet sich Leipelt junior freiwillig zum Reichsarbeitsdienst, kämpft als Soldat im Frankreichfeldzug. Im Juni 1940 bekommt der 18-Jährige das Eiserne Kreuz. Knapp zwei Monate später endet seine Zeit bei der Wehrmacht - jäh. Als sogenannten "Halbjuden" schließt das Militär den evangelischen Christen aus. Der Grund: jüdische Urgroßeltern mütterlicherseits.

Noch im selben Jahr schreibt er sich für ein Chemiestudium an der Hamburger Universität ein. Mit dem Nazi-Stempel "Halbjude" darf er das aber bald nicht mehr fortsetzen. Er versucht sein Glück an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Dort lehrt zu dieser Zeit der bekannte Chemie-Nobelpreisträger Heinrich Otto Wieland, der den talentierten Leipelt weiterstudieren lässt. Aufgrund seiner Reputation kann es sich Wieland erlauben, den vorgeschriebenen, aber fehlenden "Ariernachweis" zu ignorieren.

Leid der Familie

Die strukturelle Ausgrenzung der Familie Leipelt nimmt indes weiter zu. Parteischergen gehen gegen Hans Leipelts vier Jahre jüngere Schwester vor. Sie muss 1942 die Schule verlassen. Die Großmutter wird ins KZ Theresienstadt verschleppt und stirbt dort. Im September 1942 erliegt der Vater einem Herzinfarkt. Die Mutter, ihres letzten Schutzes durch die "Mischehe mit einem Arier" beraubt, wird zu Zwangsarbeit in einem Futtermittel-Betrieb genötigt.

Dem jungen Hans Leipelt reicht es. Er will Schluss machen mit dem Nazi-Regime. "Diese Ausgrenzung traf ihn tief, und seine Stimmung schwankte ständig zwischen ohnmächtiger Wut und Aggressivität gegenüber der menschenverachtenden Ideologie und Politik des Nazi-Regimes", erinnert sich seine Partnerin Marie-Luise Jahn später.

Widerstand mit der "Weißen Rose"

Im Februar 1943 kommt Leipelt erstmals mit der "Weißen Rose" in München in Berührung. Er hält das sechste und letzte Flugblatt der Geschwister Scholl und ihres Mitstreiters Christoph Probst in den Händen. Das Trio fliegt auf, Leipelt und Marie-Luise Jahn machen weiter. Sie vervielfältigen die Flugschrift, ergänzen sie um den Zusatz "... und ihr Geist lebt trotzdem weiter!" und bringen sie unter die Leute - auch in Hamburg.

Todesurteil

Am 8. Oktober 1943 wird Leipelt verraten und verhaftet, Jahn eine Woche später. Es dauert über ein Jahr, bis ihnen der Prozess gemacht wird. Wegen Kriegsschäden in München muss der reisende Volksgerichtshof ins bayerisch-schwäbische Donauwörth ausweichen. Am 13. Oktober 1944 fällt das Urteil: zwölf Jahre Haft für Marie-Luise Jahn, Tod für Leipelt. Er hatte in der Verhandlung zuvor versucht, die ganze Verantwortung für die gemeinsamen Aktivitäten auf sich zu nehmen. Seine Geliebte sagt später: "Ich wusste, es war falsch, und doch habe ich es zugelassen, ich wollte leben."

Leipelts Mutter Katharina und seine Schwester Maria kommen ins Polizeigefängnis in Fuhlsbüttel. Katharina finden die Wärter nach zwei Tagen tot in ihrer Zelle. Wie genau sie ums Leben kam, ist nicht restlos geklärt. Historiker spekulieren über einen Suizid. Leipelts Schwester und Marie-Luise Jahn überleben. US-Soldaten befreien sie kurz vor Kriegsende aus der Haft.

Leipelt als Vorbild

Am 29. Januar gedenkt auch die Donauwörther Fachoberschule ihres vor 75 Jahren enthaupteten Namensgebers. "Der Name einer Schule kann im Bewusstsein gerade der jungen Menschen sehr viel bewirken", betont die Vorsitzende der Weiße-Rose-Stiftung, Hildegard Kronawitter. "Vorbilder wie Leipelt haben sich allen Widrigkeiten zum Trotz mit aller Kraft gegen bestehendes Unrecht eingesetzt."

von Christian Michael Hammer
(KNA)

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