Fridays for Future: Aufschrift auf einer Tasche
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28.01.2020

Worte, Unworte und der Reiz von Ranglisten "...for future" ist Anglizismus des Jahres

Der Begriff "...for future" ist zum Anglizismus des Jahres gekürt worden. Damit ist die Riege der prägenden Worte, Unworte und Sätze des Jahres 2019 komplett. In der Vergangenheit kam es nach der Auswahl schon mal zu Konflikten.

Sie gehören zur Jahreswende wie die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten und die Vier-Schanzen-Tournee: Alljährlich werden von November bis Februar prägende Worte des Jahres gekürt. Ein amüsantes Spiel, das gelegentlich sogar politische Debatten auslöst und auch Laien über die Macht der Worte nachdenken lässt. Am Dienstag kürte eine Jury den Begriff "...for future" zum "Anglizismus des Jahres".

Gab es zunächst nur das "Wort des Jahres" und das "Unwort des Jahres", so haben Sprachforscher und Verlage inzwischen den Reiz solcher Auszeichnungen entdeckt. Mittlerweile gibt es auch "den Satz des Jahres" und sogar den "Sprachpanscher des Jahres". Ist die Auswahl gelungen, spiegelt sich in ihr ein wichtiges Charakteristikum des jeweiligen Jahres.

Sprache ist nicht neutral

Sprache ist nicht unverdächtig und nicht neutral. Sie leitet die Erkenntnis - das hat vor mehr als 70 Jahren schon der Dresdner Sprachwissenschaftler Victor Klemperer betont. In seiner 1947 veröffentlichten Studie über die Sprache des Dritten Reiches, die "Lingua Tertii Imperii" (LTI), demaskierte Klemperer die Sprache der Nazis, die letztlich das Denken durch das Fühlen und dieses wiederum durch stumpfe Willenlosigkeit zu ersetzen suchte.

In der Tradition Klemperers steht das "Wort des Jahres", das die Gesellschaft für deutsche Sprache seit 1977 kürt. Die Liste solle den sprachlichen Nerv des jeweiligen Jahres treffen, so der Anspruch der Sprachforscher. Im November machte der Begriff "Respektrente" das Rennen. Der von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gebrauchte Begriff bezeichnet die Einführung einer Grundrente für Personen, die 35 Jahre erwerbstätig waren und dennoch nur eine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehen. Der Ausdruck führt nach Ansicht der Sprachwissenschaftler zudem die Fähigkeit der deutschen Sprache vor Augen, durch Zusammensetzung von Wörtern "nahezu unbegrenzt neue Wörter zu bilden".

"Unwort des Jahres"

Zum "Unwort des Jahres" wurde Mitte Januar der Begriff "Klimahysterie" gekürt. Mit der Formulierung würden Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert, hieß es. Die Rangliste der Unwörter wird seit 1991 veröffentlicht - zunächst ebenfalls von der Gesellschaft für deutsche Sprache. 1994 kam es zum Konflikt: Die Jury um den Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser platzierte einen Begriff von Kanzler Helmut Kohl auf den zweiten Platz: Deutschland dürfe nicht zum "kollektiven Freizeitpark" verkommen. Das Kanzleramt war verärgert. Schlosser nahm seinen Hut und übertrug die Entscheidung über das Unwort an eine unabhängige Jury.

Mittlerweile ist die Auswahl der Listen bunter geworden. Seit 2001 wird auch der "Satz des Jahres" gesucht, inzwischen von einer Jury um den Hohenheimer Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.

Auf das Siegertreppchen für das Jahr 2019 hat es Mitte Januar Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit "Bitte hört auf die Wissenschaft!" gebracht.

Einwanderung von Fremdwörtern

Mit der Einwanderung von Fremdwörtern beschäftigen sich gleich zwei Initiativen. Seit 2010 kürt eine beim Duden-Verlag angesiedelte Jury den "Anglizismus des Jahres". Für sie sind aus dem Englischen übernommene Lehnwörter willkommene Lückenfüller, die die deutsche Sprache bereichern. Am Dienstag schaffte es erneut ein Begriff aus der Klimadebatte auf das Siegertreppchen: der Begriff "...for future".

Kritischer sieht die Fremdwörter der Verein für deutsche Sprache, der seit 1997 den "Sprachpanscher des Jahres" kürt. Die Initiative wendet sich unter anderem gegen "das unnötige Verdrängen deutscher Begriffe durch Importe aus dem angelsächsischen Ausland". Die jüngste Auswahl nahm allerdings die gendergerechte Sprache auf's Korn: Bereits im vergangenen August traf der Bannstrahl Hannovers Ex-Oberbürgermeister Stefan Schostok (55).

Der Grund: Anfang des Jahres hatte Hannovers Stadtverwaltung "Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache" veröffentlicht. Darin wird unter anderem empfohlen, statt maskuliner oder femininer Substantive "geschlechtsumfassende Formulierungen" zu verwenden. Die Rede soll also von Lehrenden, Wählenden oder Teilnehmenden sein.

Christoph Arens
(KNA)

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