Blättern im Roman "1984" von George Orwell
Blättern im Roman "1984" von George Orwell
Der englische Schriftsteller Geroge Orwell
Der englische Schriftsteller Geroge Orwell

21.01.2020

Zum 70. Todestag des Schriftstellers George Orwell Lebenslanger Kampf gegen den Totalitarismus

Seine "Utopie in Form eines Romans" machte ihn berühmt: "1984" von George Orwell gilt als einer der bedeutendsten modernen Romane. 70 Jahre nach dem Tod des Autors hat er an Aktualität nichts verloren.

Der Titel geht auf einen Zahlendreher zurück. Im Dezember 1948 reichte George Orwell das Manuskript beim Verlag ein, aus dem sein berühmtester Roman werden sollte. Der Schriftsteller malt darin eine noch fern erscheinende Zukunft aus, die jedoch viele Bezüge zu seiner Gegenwart hat, und vertauscht schlicht die letzten beiden Ziffern.

Im folgenden Sommer erschien "1984" - wenige Monate vor Orwells Tod. Der Autor des Romans, der 2017 neuerlich die Bestseller-Listen in den USA anführte, starb vor 70 Jahren, am 21. Januar 1950.

Imperialismusgegner und Polizist

Geboren 1903 in Britisch-Indien, kehrte die Familie 1911 wieder nach England zurück. Der Vater hatte seinen Kolonialdienst beendet, der Sohn besuchte in den Folgejahren die Eliteschule Eton und das Wellington College. 1922 trat er in den burmesischen Polizeidienst ein.

Die Zeit dort politisierte Orwell: Er wurde zu einem entschiedenen Gegner des Imperialismus und verarbeitete seine Erfahrungen in mehreren Essays. Ab 1936 kämpfte er aufseiten der Arbeiterpartei P.O.U.M. im Spanischen Bürgerkrieg. Dort erlitt er einen Halsdurchschuss - eine Verletzung, die zu seiner lebenslangen Verachtung des Stalinismus beitragen sollte.

Nach der britischen Kriegserklärung an Hitler-Deutschland 1939 meldete Orwell sich als Freiwilliger, wurde wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung jedoch abgelehnt. Er arbeitete eine Zeitlang als Literaturkritiker, gegen Ende des Kriegs als Kriegsberichterstatter. 1945 erschien "Farm der Tiere", eine satirische Abrechnung mit dem Stalinismus. Mehrere Verlage hatten das Manuskript zunächst abgelehnt: Sie störten sich daran, dass die herrschende Klasse ausgerechnet als Schweine dargestellt wurde - und befürchteten, die Russen könnten sich dadurch beleidigt fühlen.

"Einige sind gleicher als andere" 

Die Satire ist heute auch durch den Zeichentrickfilm von 1954 bekannt. Einige Formulierungen sind darüber hinaus zum sprachlichen Allgemeingut geworden, etwa: "Some are more equal than others", zu deutsch: "Einige sind gleicher als andere". Das gilt für umso mehr für Formulierungen aus dem Roman "1984", an dem Orwell ab 1947 arbeitete. Die bedrohliche Herrschaft des allgegenwärtigen "Big Brother" dürfte das bekannteste Beispiel dafür sein, doch auch Wendungen wie "Neusprech" fallen in mancher politischen Debatte.

Aldous Huxley, dessen Dystopie "Schöne neue Welt" 1932 erschienen war, war einst Orwells Literaturprofessor in Eton gewesen. Beide Romane sind auf eigene Art erschreckend: In Huxleys Szenario haben sich die Menschen in einer kontrollierten Wohlfühl-Stimmung eingerichtet, in der Kunst und individuelle Freiheit abgeschafft wurden; bei Orwell werden sie von einer anonym-totalitären Herrschaft bestimmt.

Orwells Hauptfigur Winston Smith - dessen Name zusammengesetzt ist aus dem Vornamen Churchills und einem Allerweltsnachnamen - ist ein einfaches Mitglied der Staatspartei. Wie jeder andere, den er kennt, arbeitet er daran, Dokumente und Zeitungen laufend der Position der Partei anzupassen. Dann jedoch verliebt Winston sich, beginnt, Dinge zu hinterfragen und ein Tagebuch zu führen - bis Verrat, Folter und Gehirnwäsche seine aufkeimende Individualität wieder zunichte machen.

In der DDR war "1984" bei Strafe verboten 

Orwell starb mit 46 Jahren an einer Lungenblutung, nachdem er jahrelang mit Tuberkulose gekämpft hatte. "1984" hat seither freilich eher an Aktualität gewonnen als verloren. Nach Bekanntwerden des NSA-Überwachungsskandals 2013 stieg es wieder in die Bestseller-Listen ein; 2017 landete es gar auf Platz 1, nachdem die Beraterin von US-Präsident Donald Trump, Kellyanne Conway, den Begriff "alternative Fakten" geprägt hatte. Er wurde später zum Unwort des Jahres gewählt.

Neben derartigen Umdeutungen von Realität zeichnet sich das Orwell'sche Regime durch euphemistische Formulierungen aus, durch den Hass auf beliebig austauschbare Gegner und die Vernichtung jener, die kritische Fragen stellen. In der DDR war das Buch bei Gefängnisstrafe verboten. Angesichts des digitalen Zeitalters haben es manche Kritiker bereits als "überholt" bezeichnet - ein wenig polemisch, ein wenig besorgt.

Von Paula Konersmann 

(KNA)

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