Bild von Don Bosco in einem Raum für kirchliche Kinderbetreuung
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Don Bosco
Don Bosco
Gemälde mit einem Porträt des heiligen Franz von Sales
Gemälde mit einem Porträt des heiligen Franz von Sales
Bischof Stefan Oster in seiner Soutane
Bischof Stefan Oster in seiner Soutane

18.12.2019

Bischof Oster zum 160. Gründungsjubiläum der Salesianer Damit das Leben junger Menschen gelingt

Berufliche und religiöse Bildung für Jugendliche waren Don Bosco wichtig. 1859 ist daraus der Salesianerorden entstanden. Der Jugendbischof und Salesianerpater Stefan Oster erklärt, warum die Jugendpastoral noch immer das Herzstück ist.

DOMRADIO.DE: 160 Jahre wird der Salesianerorden in diesem Jahr. Gratuliert man zu solch einem Ereignis? Wird das gefeiert?

Dr. Stefan Oster SDB (Bischof von Passau, Salesianerpater und Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz): Sagen wir mal so: 160 Jahre sind ja nicht das ganz große Jubiläum. Aber wir haben vor zehn Jahren schon gefeiert und da habe ich durchaus Gratulationen zum 150. Jubiläum bekommen.

DOMRADIO.DE: Ihr Orden geht zurück auf den italienischen Priester Johannes Bosco, auch Don Bosco genannt. Was ist die Geschichte dahinter?

Oster: Don Bosco lebte in einer Zeit in Turin, in der die Industrialisierung die Stadt Turin sehr stark erfasste. Er kommt eigentlich vom Land und will als junger Mann, der aus sehr armen Verhältnissen kommt, Priester werden. Er bahnt sich seinen Weg zum Priestertum durch ganz viele Tätigkeiten und Berufe, die er selber lernt, wie Schneider, Kellner, Landwirt und Weinbauer. Er eignet sich neben der Arbeit Bildung an und erreicht sein Ziel. Er wird Priester und lebt dann in Turin.

In der Folge wird er damit konfrontiert, dass ganz viele junge Menschen zum Teil von Hungersnöten in die Stadt getrieben werden und dort in der aufbrechenden Industrialisierung vor allem die Jungen geheuert und gefeuert werden. Sie werden eingestellt, arbeiten bis zur Erschöpfung und werden wieder rausgeschmissen. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Gefängnisse voll sind, weil sich die Jugendlichen kriminalisieren und stehlen, da sie von irgendetwas leben müssen.

Don Bosco fängt dort dann ein Apostolat an. Heute würde man sagen, er kümmert sich um Straßen-Jugendliche. Zunächst mal verbringt er einfach Freizeit mit ihnen. Das wird regelmäßiger. Er versucht, ihnen Lesen und Schreiben und die Grundlagen des Glaubens beizubringen. Zudem beginnt er damit, Handwerksbetriebe einzurichten und die Jugendlichen in seiner Umgebung wohnen zu lassen. Er richtet Wohnheime ein. Nach und nach entsteht eine Gemeinschaft, die sich um junge Menschen kümmert.

Für Don Bosco war immer wichtig, dass ein junger Mensch Mitglied der Gesellschaft sein soll und gut leben kann und dass er ein guter gläubiger Christ ist. Das waren seine Ziele für die jungen Menschen - und heute sind wir in 130 Ländern auf der ganzen Welt vertreten.

DOMRADIO.DE: Nun stecken zwei Namen in Ihrem Orden. Zum einen Don Bosco, das haben Sie gerade erklärt. Dazu kommt der Begriff Salesianer. Das heißt, Sie beziehen sich auf den heiligen Franz von Sales. Wie gehört das zusammen?

Oster: Don Bosco war ein großer Verehrer von Bischof Franz von Sales, der Bischof von Genf war und gut 150 Jahre vor Don Bosco gelebt hat. Franz von Sales war im damaligen Piemont ein sehr populärer Heiliger und vor allem bekannt für seine Güte und Menschenfreundlichkeit. Don Bosco hat gesagt: Meine Salesianer sollen die Güte des Heiligen Franz von Sales ausstrahlen. Ein schönes Wort von ihm ist: Mit einem Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen, als mit einem ganzen Fass saurem Essig.

Güte zieht also Menschen an, auch jüngere Menschen, und dann gewinnt man ihr Herz und kann vielleicht mit ihnen einen Weg gehen und ihnen helfen, gut ins Leben zu kommen. Wir hießen zuerst abgekürzt SS, also Societas Salesiani: die Salesianer vom Ordenskürzel her. Aber nach Don Boscos Tod und seiner Heiligsprechung heißen wir SDB, Salesianer Don Boscos. Das heißt, Don Bosco und seine Spiritualität rücken in den Vordergrund.

DOMRADIO.DE: Wenn man Sie sieht, dann würde man ja nicht direkt erwarten, dass sie Ordensbrüder sind. Sie tragen zum Beispiel keinen Habit. Was unterscheidet Sie und Ihre Gemeinschaft von den Benediktinern, den Franziskanern und von anderen Orden?

Oster: Uns unterscheidet zum Beispiel von den Benediktinern, dass wir keine Mönche im klassischen Sinn sind. Wir haben zwar die Ordensgelübde, also Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, aber wir haben keine Stabilitas, was bedeutet, dass ein Mönch in ein Kloster eintritt, in dem er dann normalerweise bis zu seinem Lebensende ist. Bei uns ist es so, dass wir versetzt werden. Wir leben auch nicht oder sehr selten in Klausur. Wir haben meistens Einrichtungen für und mit jungen Menschen und deren Bildung und Ausbildung und leben auch oft in Gemeinschaft mit ihnen zusammen. Wir werden eben in regelmäßigen Abständen versetzt.

DOMRADIO.DE: Die zentrale Rolle für Ihren Orden, damals vor 160 Jahren, war die Idee, den Glauben und die Vernunft in der Erziehung zusammenzubringen. Wie sieht es denn heute mit der Jugendarbeit Ihres Ordens aus?

Oster: Heute ist es gar nicht so einfach, junge Menschen, Glauben und Kirche zusammenzubringen. Bei uns Salesianern in Deutschland ist die Jugend in benachteiligten Verhältnissen ein starker Schwerpunkt. Wir haben zum Beispiel Berufsbildungswerke, in denen Jugendliche mit Beeinträchtigungen durch die Unterstützung der Salesianer und unserer vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Weg ins Leben finden können. Ebenso gibt es Jugendhilfeeinrichtungen, wo wir unterstützen, begleiten und Angebote für jungen Menschen haben. Da ist die Ordensgemeinschaft mit unserem Dienst sicherlich noch sehr nachgefragt.

Wir haben allerdings auch offene Türen, wo junge Menschen, egal welcher Konfession hinkommen und ihre Freizeit verbringen können. Es gibt eigene Schulen und Pfarreien, wo es dann Schwerpunkte bei der Jugendarbeit gibt. Das ist ein sehr breites Spektrum. In anderen Ländern ist es auch nochmal anders, weil es überall verschiedene Arten von Jugendnot gibt. 

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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