26.11.2019

Kirchenengagement im Kongo Faire Handy-Produktion angemahnt

Der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege hat der "Aktion Saubere Handys" des katholischen Hilfswerks missio hohes Lob gezollt. Er sei sehr froh über die Unterstützung durch die Initiative, sagte Mukwege in Berlin.

Der kongolesische Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege hat von den europäischen Ländern mehr Einsatz gegen die Gewalt im Kongo gefordert. "Der Krieg und das Leid der Frauen, die täglich vergewaltigt werden, kann enden, wenn ein politischer Wille da ist", sagte er bei einer Konferenz der Katholischen Akademie, der Charite und des Hilfswerks missio am gestrigen Montagabend in Berlin.

Während der Konferenz wurden 60.000 Unterschriften der Petition "Saubere Handys" an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) übergeben. Die Aktion setzt sich dafür ein, dass die für die Herstellung von Handys und Smartphones erforderlichen Mineralien unter Einhaltung der Menschenrechte gewonnen werden. Mukwege forderte eine "saubere Lieferkette" von kongolesischen Rohstoffen in die Industrieländer. Die Wirtschaft müsse auch im Kongo Fortschritte bringen. Dies könne auch Migrationsprobleme lösen, wenn die Menschen in ihrer Heimat Arbeit hätten.

Appell zum Kauf fair produzierter Mobiltelefone

Mukwege kritisierte die Firmen, die auf diese Weise gewonnene "Konfliktmineralien" kauften. Er selbst behandle jeden Tag die Opfer des Bürgerkrieges, der damit verbunden sei. An die Käufer appellierte er, nur fair produzierte Mobiltelefone zu kaufen, "die man mit ruhigem Gewissen nutzen kann".

Auch Ministerialdirektor Stefan Oswald würdigte die Aktion von missio in Vertretung von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Es sei eine wichtige Unterstützung beim Engagement des Ministeriums für faire Lieferketten, das bei Textilien bereits Erfolge zeige. Zugleich räumte Oswald ein, dass die bisherigen Appelle an die Handy-Produzenten zur organisierten Kriminalität in den Rohstoffgebieten des Kongo noch nicht viel verändert hätten.

Firmen geben Ursprung der Materialien nicht an

missio-Präsident Dirk Bingener erklärte, Ziel der Unterschriftenaktion sei auch, die deutsche Öffentlichkeit auf die Menschenrechtsverletzungen bei der Rohstoffgewinnung aufmerksam zu machen. Auch sei mehr Druck auf die Handy-Hersteller notwendig. Diese müssten offenlegen, woher die von ihnen verwendeten Mineralien stammten. Bingener kritisierte, dass 13 im Rahmen der Aktion angefragte Firmen nicht geantwortet hätten. Der missio-Präsident warb überdies dafür, dass die Verbraucher nicht mehr gebrauchte Handys für ein Recycling zur Verfügung stellen, um die Nachfrage nach Rohstoffen zu dämpfen.

Die Übergabe der Petition erfolgte bei einer Konferenz in der Katholischen Akademie zum Thema "Demokratisierung in der Krise? Situation und Perspektiven in der Demokratischen Republik Kongo". Der Vorsitzende der Kongolesischen Bischofskonferenz, Erzbischof Marcel Utembi, hob die Bereitschaft der katholischen Kirche hervor, sich für eine bessere Regierungsführung und gegen Korruption einzusetzen. BMZ-Ministerialdirektor Oswald betonte, nichtstaatliche Akteure wie die Kirchen seien wichtige Partner in der Entwicklungszusammenarbeit.

Gewalt gegen Frauen im Kongo

Der Gynäkologe und Chirurg Mukwege leitet ein Krankenhaus für Frauen und Mädchen in Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo Vergewaltigung in vielen bewaffneten Konflikten als Waffe eingesetzt wird. Der Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen setzt sich seit Jahren gegen die Straflosigkeit sexueller Gewalt in Kriegen ein. Laut eigenen Angaben versorgt Mukwege jährlich 1.800 vergewaltigte Frauen. Täglich seien es sechs bis acht Frauen. In den vergangenen 20 Jahren habe er über 50.000 Mädchen und Frauen behandelt, die Opfer sexueller Gewalt wurden.

Täter dürften nicht - wie vergangene Woche mehrmals geschehen - begnadigt werden. Der Aktivist erinnerte an rund 17 Prozent der vergewaltigten Frauen, die ungewollt schwanger geworden seien.

Massenvergewaltigungen erfolgten vor allem auch in der Region seines Heimatlandes, in der bewaffnete Gruppen unter anderem durch Zwangsarbeit einheimischer Kinder und Erwachsener Rohstoffe wie seltene Erze fördern lassen und an ausländische Unternehmen verkaufen. Mukwege warnte vor "einer erneuten Traumatisierung des kongolesischen Volkes". Im Sinne der Menschlichkeit müssten die Industrieländer auf eine "faire Wirtschaft" setzen. Dabei dürften nicht einige wenige Clan-Chefs, sondern die Menschen in "den kleinen Dörfern auf dem Land" profitieren.

"Stimme der Opfer in der Weltgemeinschaft"

Bei der Veranstaltung würdigte der Berliner Erzbischof Heiner Koch Mukwege als "Stimme der Opfer in der Weltgemeinschaft". Der Arzt erinnere an «die zentrale Verbundenheit der Menschen». Diese seien verwundbare, verletzbare Geschöpfe. Die Mächtigen der Gesellschaft müsse angesichts von Gewalt im Kongo handeln, forderte Koch.

Einen entschiedenen Appell, der "mehr als eine Zeitungsnotiz" sei, forderte der Direktor des World Health Summit, Detlev Ganten. Es brauche eine breite öffentliche Bewegung, ähnlich wie in der Klimadebatte.

(KNA)

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