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Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu
Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu

25.11.2019

Gewalt gegen Frauen in der katholischen Kirche Ordensfrauen schweigen häufig über Vergewaltigung

Auch in der Kirche werden Frauen und Mädchen immer wieder Opfer von Gewalt. Viele schweigen aus Scham. Auch Ordensfrauen erfahren Missbrauch und wagen aus Angst vor dem Abrutschen in Armut nicht darüber zu sprechen.

DOMRADIO.DE: Am heutigen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen wird daran erinnert, dass in Deutschland 25 bis 30 Prozent aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt werden. Auch in der katholischen Kirche kommt es immer wieder zu Gewalt gegen Frauen, die von Ordensmännern und Priestern sexuell missbraucht werden. Der Sozialdienst der katholischen Frauen (SkF) erhebt deshalb heute gemeinsam mit anderen großen katholischen Frauenverbänden die Stimme. Was genau fordern Sie?

Anne Rossenbach (Sozialdienst katholischer Frauen Köln, SkF): Der SkF und andere Frauenverbände fordern Aufklärung und mehr Unterstützung für die Frauen, die Opfer von Missbrauch im kirchlichen Zusammenhang wurden.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn den Eindruck, dass sich das Klima nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals gewandelt hat? Dass es etwas leichter geworden ist, das Thema Gewalt gegen Ordensfrauen anzusprechen und anzugehen?

Rossenbach: Ich glaube, dass es nicht wirklich leichter geworden ist. Es gab eine arte-Dokumentation im März dieses Jahres ("Gottes missbrauchte Dienerin", Anm.d.Red.). Papst Franziskus hat selber eingeräumt, dass es Missbrauch an Ordensfrauen gibt und wohl auch weiterhin geben wird. Trotzdem ist nichts passiert, ist es verebbt. Vielleicht muss da die Kirche auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung erst noch durchmachen, weil auch im weltlichen Bereich ist es ja nicht so, dass man über Gewalt oder Missbrauch einfach so spricht, sondern auch da ist es sehr schambehaftet.

DOMRADIO.DE: Die Sprachlosigkeit und die Scham, die diese Ordensfrauen so lange empfunden haben, die verbindet sie mit den Opfern von sogenannter häuslicher Gewalt. Warum trauen sich so viele Frauen und Mädchen nicht, ihre Peiniger anzuzeigen?

Rossenbach: Bei den Jugendlichen ist es natürlich nicht nur Scham, sondern auch das Thema: Ich will meine Familie nicht zerstören, vielleicht ändert sich noch etwas, stilles Schweigen. Das betrifft aber auch viele erwachsene Frauen, die an dieser Familie festhalten wollen, weil das gesamte Bild von Familie, die ganzen Wünsche, die man hatte, werden in dem Moment zerstört, gehen den Bach runter, indem man sich äußert und sagt: Ich habe häusliche Gewalt erfahren.

Das geht bis hin zur Gefährdung der materiellen Existenz, weil Frauen weniger verdienen, materiell von ihren Partnern abhängig sind. Ich glaube, das potenziert sich in Ordenszusammenhängen nochmal. Die Fälle, die bekannt geworden sind, waren Fälle von geistlichen Gemeinschaften, von jungen Frauen, die materiell ganz arm sind und mittellos einen Orden verlassen müssten, würden sie diesen Missbrauch bekannt machen. Zumindest ist es in den Fällen so gewesen, die bekannt geworden sind.

DOMRADIO.DE: Häusliche Gewalt klingt ja fast so ein bisschen harmlos - was genau ist häusliche Gewalt?

Rossenbach: Häusliche Gewalt oder auch Partnerschaftsgewalt bedeutet: Demütigung, Herabwürdigung bis hin zu körperlichen Schlägen und Mord. Heute hat das Bundeskriminalamt beziehungsweise die Bundesfamilienministerin Giffey die aktuellen Zahlen veröffentlicht: Im Jahr 2018 kamen 122 Frauen durch Partnerschaftsgewalt um. Häusliche Gewalt umfasst Stalking, Missbrauch, Vergewaltigung, das Ausspähen des Handys, das Abschneiden von sozialen Kontakten zur Familie, zu Freundinnen und Freunden, die Isolation. Und das macht es nochmal schwieriger. Wohin soll ich mich denn wenden, wenn ich aus dieser Situation heraus will?

DOMRADIO.DE: Sie versuchen aktiv Hilfe anzubieten, unter anderem mit der Onlineberatung gewaltlos.de, die sich an solche Mädchen und Frauen richtet, die von Gewalt in der Familie oder Partnerschaft betroffen sind. Wie genau funktioniert die Beratung?

Rossenbach: gewaltlos.de ist nur ein Bestandteil in einem ganz breiten Netz von Hilfen. Viel gesprochen wird über Frauenhäuser. Wir haben eine Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt, die durch gewaltlos.de ergänzt wird. Das Ganze ist ein Chat, wo man aber auch Zugang zu Informationen, zu örtlichen Beratungsstellen und Beratung bekommt und in weiteren Einzelberatungen auch Hilfe erhält. Die Internetberatung ist sozusagen das Pendant zum bundesweiten Notruftelefon.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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