Bücher auf einer Kirchenbank
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Frankfurter Buchmesse
Frankfurter Buchmesse

14.10.2019

Der religiöse Buchmarkt in Deutschland verändert sich stark Sinnsuche statt Kirchenthemen und Kirchenkritik

Der Vertrauensverlust der katholischen Kirche infolge der Missbrauchskrise wirkt sich auch auf dem Buchmarkt aus. Klassisch kirchliche Themen verkaufen sich schwerer, es herrscht eine "Sehnsucht nach Orientierung".

Wer vor Beginn der Frankfurter Buchmesse Verlage nach der Situation des religiösen Buchmarkts fragt, bekommt nahezu überall von einem "Trend" zu hören: Und der geht weg von Werken, die sich mit klassischen kirchlichen Themen befassen, hin zu Büchern über Sinnsuche, Lebensorientierung und Spiritualität. Simon Biallowons, Cheflektor und Mitglied der Geschäftsleitung des Herder-Verlags, fasst dies so zusammen: "Religiöse Fragen sind aktuell, spirituelle aber aktueller."

Spirituelle Impulse gefragter denn je

Reiner Morbitzer, Marketing- und Vertriebschef des Patmos Verlages, betont: "Die Sinnfrage treibt die Menschen um." Spirituelle Impulse seien gefragt. Aber: "Rein innerkirchliche Themen interessieren zunehmend nur der Kirche wirklich sehr nahestehende Personen", so Morbitzer.

Durch den "drastischen Rückgang der Anzahl der Pfarrer" sei zudem diese Kernzielgruppe religiöser Literatur inzwischen verkleinert. "Dieser Personenkreis kauft in Summe damit deutlich weniger Bücher, liest weniger und verschenkt weniger", so der Marketing-Chef von Patmos auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ulrich Peters, Vorsitzender des Katholischen Medienverbandes KM., der rund 120 konfessionelle Medienunternehmen umfasst, resümiert: "Klassisch-kirchliche" Buchproduktionen würden "eher eine Sache von und für Spezialisten". Denn die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen für das Leben der Menschen schwinde "in atemberaubender Geschwindigkeit". Zurück bleibe ein Vakuum, so Peters. Doch auch wenn "klassische Sinn-Institutionen" schwänden, gelte dies nicht für die Fragen nach Lebensorientierung, Sinnsuche oder die Sehnsucht nach Inspiration. "Eher im Gegenteil", betont Peters.

6,7 Prozent der neuen Bücher sind religiös

Dies sieht Diedrich Steen, Leiter des Programms Sachbuch/Fachbuch des Gütersloher Verlagshauses, ähnlich: "Es scheint gerade bei einem intellektuelleren Publikum so etwas zu geben wie eine Sehnsucht nach neuer Klarheit und Orientierung im Religiösen."

Im Jahr 2018 sind 4.769 neue Titel im Bereich des religiösen Buches auf dem deutschen Markt erschienen, das sind rund 6,7 Prozent an allen neuen Buchtiteln. 2017 - im "Lutherjahr" - waren es sogar 5.064 neue religiöse Titel - ein Anteil von rund 7 Prozent an allen neu erschienenen Buchtiteln.

Was also läuft im religiösen Buchbereich gut, was weniger? "Lebens- und Glaubenshilfen von bekannten Persönlichkeiten, die aus eigener Erfahrung und Überzeugung glaubhaft einen sinnvollen Lebensweg aufzeigen, können gute Verkaufszahlen erreichen", weiß Patmos-Vertriebschef Morbitzer. "Dogmatische Vorgaben und Lehrsätze, in denen es nicht um die Menschen geht, haben große Schwierigkeiten."

Die Bibel bleibe "einer der großen Bestseller"

Ulrich Peters vom KM. betont, dass Bücher, die ehrlich mit den Problemen und Herausforderungen des alltäglichen Lebens umgingen, zu Verkaufserfolgen führten. "Antworten auf Fragen hingegen, die keiner stellt oder reine Betrachtungen oder Selbstbeschäftigungen aus dem kirchlichen Binnenraum 'funktionieren' immer weniger." Klassische Themen zu Bibel oder auch zu biblischen Personen, "allen voran natürlich zu Jesus", seien auf dem Markt immer noch gut und zum Teil sogar hervorragend zu platzieren.

Stefan Orth, Verlegerischer Leiter von Herder, fügt hinzu, dass die Bibel "auch in unserem Programm unverändert einer der großen Bestseller bleibt", das gelte auch für Kinderbibeln. Die würden auch von Leuten gekauft, die sich selbst als kirchenfern bezeichnen würden.

Herder-Cheflektor Biallowons sagt allerdings auch, dass die früher verbreitete Mentalität von Buchkäufern, Werke zu bestimmten religiösen Themen unbesehen zu kaufen, geringer werde. "Wir können nicht mehr sagen: Wir bringen ein Papstbuch raus und es wird gekauft." Zugleich seien bekannte Köpfe "immens wichtig". Margot Käßmann und Anselm Grün werden immer wieder genannt. Biallowons fügt hinzu: "Was aus meiner Sicht ausläuft, sind Kirchenkritik-Bücher im katholischen Bereich. Ich glaube, damit sind wir bald durch - in der evangelischen Kirche haben wir das schon lange."

Von Norbert Demuth

(KNA)

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